Gedenkstätte Lutherkirche Ausstellung zeigt Schicksal deportierter Kranker

Eine neue Ausstellung in Lübeck informiert über das Schicksal von mehr als 600 Menschen aus Lübecker Heilanstalten, die in der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. „plötzlich weg – was 1940/41 mit Menschen aus Lübecker Heilanstalten geschah“ ist noch bis zum 30. Oktober im Zentralklinikum des UKSH, Haus A, zu sehen.

Ausstellung zeigt Schicksal deportierter Menschen aus Heilanstalten

Auf dem Gelände der heutigen Uniklinik befand sich früher die Heilanstalt Strecknitz. Von dort wurden vor 80 Jahren mehr als 600 Menschen deportiert und ermordet, zudem auch zehn junge Menschen aus dem Heim Vorwerk. Die Ausstellung „plötzlich weg“ informiert über diese Opfer der NS-Euthanasie sowie den Widerstand der vier Lübecker Märtyrer gegen die Krankenmorde. Entstanden ist sie als Zusammenarbeit der Gedenkstätte Lutherkirche und Studierenden des UKSH.

UKSH-Studierende wollten mehr Informationen

Bereits seit den 1980er Jahren erinnert ein Stein auf dem Parkgelände, das an die Gebäude der ehemaligen Heilanstalt grenzt, an die Deportationen vom 23.September 1941. Doch das reicht den Studierenden nicht mehr. „Denn trotz des Steines ist der Mehrheit der Menschen auf dem Campus der historische Kontext noch immer nicht bekannt. Deshalb soll diese Ausstellung die Ereignisse vor 80 Jahren in das Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher rufen und auch einen Ort der Aufklärung darstellen“, sagen die Studierenden. „Wir wollen hiermit ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und Orte des Erinnerns schaffen. Aus diesem Grund werden auch permanente Tafeln am Turmgebäude und am Gedenkstein installiert, so dass zukünftigen Generationen eine Möglichkeit der Information verbleibt.“

Tabu Krankenmorde

Auch der Psychiater Dr. Peter Delius, der in den 1980er Jahren als Student und AStA-Mitglied die Vorgänge in Lübeck erforscht hat und maßgeblich für die Aufarbeitung der Geschichte eingetreten war, hält es für wichtig, mit der Erinnerung an die teilweise bis heute tabuisierten Krankenmorden und hat sich deshalb an der Ausstellungsgruppe beteiligt. Die Ausstellung "“plötzlich weg“ kann deshalb auch nicht an einem beliebigen Ort stattfinden, denn sie soll das Thema „NS-Euthanasie“ genau dorthin tragen, wo es auch heute noch Teil berufsethischer Orientierung sein sollte und dorthin, wo Menschen von Krankheit und von den Fragen des Umgangs damit betroffen sind.

Gedenkstätte Lutherkirche beteiligt sich an der Ausstellung

Und auch aus der Perspektive der Märtyrer-Gedenkstätten sollte das Thema ein zentraler Bestandteil der Lübecker Erinnerungskultur werden und bleiben. Die Todesurteile für die vier Lübecker Geistlichen wurden unter anderem mit der Verteilung von Schriften begründet, die über die Tötung der hilflosen und kranken Menschen aufklärten und sich dagegen verwehrten. „Für den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatte das Thema darüber hinaus auch eine familiäre Relevanz, da seine Schwester in einer Heilanstalt lebte und damit auch bedroht war“, erklärt die Leiterin der Gedenkstätte Lutherkirche, Dr. Karen Meyer-Rebentisch.

Ausstellung ist Teil einer Veranstaltungsreihe

Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungs-Reihe „plötzlich weg – Zum 80. Jahrestag der Deportation und Ermordung von über 600 Menschen aus den Lübecker Heilanstalten 1940/41“. Der Zutritt ist nach den 3G-Regeln möglich.

Mehr Informationen gibt es auf www.ploetzlich-weg.de.