Pröpstin Petra Kallies Buß- und Bettag: Raus aus dem Hamsterrad!

Pröpstin Petra Kallies.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Essen in geschlossener Gesellschaft. Ein gutes Restaurant mit angenehmem Ambiente. 20 Personen. Ein schön gedeckter Tisch ist vorbereitet, fast alle kommen gleichzeitig an. Small Talk zur Begrüßung. Als man Platznehmen will, stellt sich plötzlich heraus, dass nur für 18 Personen eingedeckt ist. Huch. Die Gastgeberin geht los und sucht die Kellnerin.

Was passiert als Nächstes…?

WAS genau als nächstes passiert, ist eine Typfrage. Je nachdem, wie die beiden Damen gestrickt sind. Wie reagiert man in einer solchen Situation, die für beide unangenehm ist – für die Gastgeberin ebenso wie für die Kellnerin?

Variante Eins: „Aber ich habe doch zweimal angerufen und gefragt, ob alles ok. ist. Ich habe ganz klar gesagt, wir sind 20 Personen. – Ich bin wirklich zutiefst enttäuscht!“ Die Kellnerin holt das Auftragsbuch, um zu beweisen, dass da wirklich „18 Personen“ steht. Außerdem habe der Koch keine 20 Gänsekeulen. Gastgeberin: „Na, meine Gäste und mich werden Sie hier sicher nicht wiedersehen!“ Irgendwie improvisiert man etwas. Doch die Stimmung ist im Eimer. Kein schöner Abend.

Variante Zwei: „Entschuldigen Sie, da ist nur für 18 Personen gedeckt, wir sind aber 20…“ Kellnerin wie eben. Gastgeberin: „Wissen Sie was: ich brauche keinen Schuldigen. Ich brauche eine Lösung!“ Kellnerin: holt tief Luft. „Ok, ich informiere eben den Koch. Und dann bin ich gleich wieder bei Ihnen mit zwei Gedecken. Wir bauen an. Das schaffen wir schon!“ Die Gäste packen schnell mit an; fünf Minuten später sitzen alle. Es gibt einen Aperitif auf Kosten des Hauses. Später werden zwei Gäste Steaks anstelle der Gänsekeule bekommen. Es wird doch noch ein netter Abend.

Eine beliebte Frage: Wer hat Schuld?

Probleme wie das Gänsekeulen-Problem kennen wir alle. Absprachen haben nicht funktioniert – oder es gibt unterschiedliche Erinnerungen daran. Irgendwas läuft schief. Oder jemand hat tatsächlich einen Fehler gemacht. Das passiert. Wie gehen wir damit um? Ich gestehe: Ich ärgere mich, besonders dann, wenn die Sache wichtig ist, ich mir selbst viel Mühe gegeben und sogar noch nachgefragt habe - und dann klappt etwas nicht. Mir hilft tatsächlich das eigentlich ziemlich krasse Bibelwort mit dem Splitter und dem Balken im Auge.

Wenn man die Bibel durchblättert, dann geht es von Anfang an um die Frage: Wer hat Schuld?

Adam: Ja, ich habe vom Baum gegessen, aber die Frau hat mir die Frucht gegeben.

Eva: Ja stimmt, aber nur, weil die Schlange mich dazu überredet hat.

Wenn man Adam und Eva als Ur-Typen betrachtet, dann gehört es zum Wesen des Menschen dazu, tendenziell erstmal zu schauen, ob man nicht einen anderen findet, auf den man zumindest einen Teil der Schuld abwälzen kann.

Fehlerfrei war nur einer: Jesus Christus

Das ist menschlich. Bringt vor Gott aber gar nichts, der uns Herz schaut. (Und vor den Mitmenschen bringt es meistens auch nichts.)

Daher mag ich das Pauluswort so gerne, aus dem 3. Kapitel des Römerbriefes: „Es gibt keinen Unterschied. Wir sind allzumal Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Aber wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade“.

Es besagt: das ganze Aufrechnen bringt gar nichts. Jeder hat Schwächen und Fehler. Daran kannst Du zwar arbeiten (sollst Du auch!) – aber vor Gott bringt Dich das nicht weiter. Denn Gott schaut Dir ins Herz.

Fehlerfrei war nur einer: Jesus Christus.

Aber: Du musst Dir um Gottes Liebe keine Sorgen zu machen: Gott ist Dir gnädig, liebt Dich – auch wenn immer wieder Dinge in Deinem Leben schieflaufen. Du bist Gottes geliebtes Kind, das Jesus Christus erlöst hat.

Erlösung, das bedeutet: wir können rausspringen aus dem Hamsterrad von „Wer hat am meisten Schuld?“ Wir können heraustreten aus dieser eingefahrenen Denkspur und aus dem unversöhnten Miteinander.

Gott ist gnädig, gütig, großzügig. Es lohnt sich, sich daran zu orientieren. Nicht, weil wir in diesem Leben perfekt sein könnten. Wohl aber, weil es das Leben befreiter, einfacher und schöner macht. Für uns und für unsere Mitmenschen.

Gesegneten Buß- und Bettag!