Pastorin Inga Meißner Die Schöpfung - weil es gut war

Pastorin Inga Meißner

Die Welt ruft nach Veränderungen

Immer mehr Menschen setzen sich in der Gegenwart für einen umsichtigeren Umgang mit der Welt ein. Gerade jüngere, die ihre Zukunft vom Klimawandel und den Konsequenzen mangelnder Nachhaltigkeit bedroht sehen. Sie fordern nach Klimagerechtigkeit, damit die Erde in Zukunft noch ein Raum zum Leben bleibt. 

Auch in unserer Nordkirche wird dieses Thema sehr ernst genommen: Seit 2015 haben wir ein Klimaschutzgesetz, das die Selbstverpflichtung enthält: bis 2050 wollen wir als gesamte evangelische Kirche in Norddeutschland eine neutrale Klimabilanz haben. Dafür scheinen wir uns auf den ersten Blick ganz schön viel Zeit zu nehmen. Gleichzeitig ist der Weg zu einem wirklich nachhaltigen Leben und erfordert tiefgreifendes Umdenken und ein verändertes Konsumverhalten von uns allen.

Die Schöpfung ist mit all ihren Facetten von Gott gewollt

Dass sich die Kirchen mit den Schlagwörtern „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, hat sein Fundament im christlichen Schöpfungsglauben. Schaue ich in die Bibel, finde ich, neben dem bekannten Schöpfungsbericht am Anfang, eine Reihe weiterer Schöpfungsaussagen und -Geschichten. Sie unterscheiden sich teilweise sehr in ihren Aussagen darüber, wie sie den Vorgang der Schöpfung beschreiben. Gleichzeitig gehen sie aber alle davon aus, dass alles Leben seinen Ursprung im Willen Gottes hat. Die Schöpfung ist als Ganze und mit all ihren Facetten und Lebensformen von Gott gewollt. Gott schaut sie an und findet sie „sehr gut“ (1. Mose 1)

Die Menschen tragen Verantwortung für die Schöpfung

Der erste Schöpfungsbericht in der Bibel, das ist der bekannte mit den 6 Schöpfungstagen, spricht von dem Menschen als dem zum Ebenbild Gottes geschaffenen Geschöpf (1. Mose 1,26). Das ist zum einen ein Hinweis auf Eigenschaften und Wesen, die Gott dem Menschen gegeben hat. Es hat vor allem aber auch die Dimension, dass der Mensch das Geschöpf ist, dass ähnliche Aufgaben übernehmen kann wie Gott selbst: Gott ist der Schöpfer, ein Mensch kann und soll schöpferisch tätig werden. Gott steht seiner Schöpfung in liebevoller Verantwortung gegenüber, ein Mensch kann und soll seine Mitgeschöpfe lieben, wie sich selbst. So ist auch der im Schöpfungsbericht ausgesprochene Auftrag des Menschen, sich die Schöpfung untertan zu machen (1. Mose 1,28f), vor allem als Verantwortungsübergabe zu verstehen. Wir als Menschen sind von Gott mit der Mitgestaltung der Welt in der wir leben wollen beauftragt.

Gerechtigkeit zwischen den Geschöpfen

Hinzu kommt, dass die Schöpfung darauf angewiesen ist, dass wir, die es in der Hand haben, diese Verantwortung auch wahrnehmen. Dies lenkt den Blick zum einen in die Zukunft und zum anderen in den globalen Süden. Es kann nicht sein dass wir es uns Sinnbildlich auf unserem Kreuzfahrtschiff gemütlich machen, während unsere Kinder und die Menschen aus dem globalen Süden in kleinen Rettungsbooten um uns herum in Seenot geraten. Die Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen heißt dann sich für Gerechtigkeit einzusetzen: zum einen Gerechtigkeit zwischen den Generationen und zum anderen Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Weltregionen, Nationen und Kulturen.

Anfangen!

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Mt 6,33). Dieser Satz aus der Bergpredigt ist für mich zu einem Satz geworden, der ein Maßstab für nachhaltiges Handeln sein kann. Dass ich mich selbst immer wieder frage: steht mein Handeln gerade im Konflikt zu Gottes „Ja!“ zu seiner Schöpfung? Wenn ich die Frage mit „Nein!“ beantworten kann, dann ist alles gut. Wenn nicht, dann will ich mich auf die Suche nach Alternativen machen. Vielleicht ist das ein hoher Anspruch, dem ich mit Sicherheit nicht gerecht werden kann. Doch ich denke, je mehr Menschen wenigstens beginnen, sich diese Frage zu stellen, desto leichter wird es auch Antworten zu finden. Vielleicht nicht heute, aber hoffentlich bis 2050.