Pröpstin Frauke Eiben Ewigkeitssonntag: Bei Gott ist niemand verloren

Pröpstin Frauke Eiben

„Wir haben einen Menschen verloren“, sagen wir, wenn jemand gestorben ist, zu dem wir eine besondere Beziehung hatten – oder noch haben. Dabei klingt das Wort verloren erstaunlich in diesem Zusammenhang. Eine Wette lässt sich verlieren, auch ein Schlüsselbund oder eine Mütze. Aber ein Mensch?

„Die Eltern irgendwann zu verlieren, ist doch normal“, sagt ein Freund leicht dahin und möchte trösten. Trauerfeiern fallen mir ein, in denen Familien gefasst waren, wenn ein alter Mensch gestorben war. Aber auch jene Momente, in denen eine junge Frau um den Partner trauert, der bei einem Unfall ums Leben kam. Oder die entsetzlich traurigen Momente, in denen Eltern am Grab eines verlorenen Kindes stehen.

Still werden

Am Ewigkeitssonntag erinnern sich Christinnen und Christen an die Verstorbenen. Sie denken an Menschen, die ein Stück Leben mit ihnen geteilt haben und die nun nicht mehr da sind. Es ist gut, an diesem Gedenktag still zu werden und sich Zeit für Erinnerungen zu nehmen. Was war im vergangenen Jahr? Was haben wir miteinander erlebt? Was ist nicht verloren?

Der Ewigkeitssonntag ist in der christlichen Tradition viel mehr als das Denken an den Tod und die Toten. Er verweist auf die Ewigkeit und will damit Mut zum Leben und Mut für die Zukunft machen. Denn: Bei Gott ist niemand verloren! Bei Gott sind die Namen der Lebenden und der Toten bekannt und die Menschen gesegnet über das irdische Leben hinaus.

In Gottes Reich ist niemand verloren

Was du, Gott, segnest, das ist gesegnet ewiglich. So fasst diese Hoffnung ein Vers aus dem 1. Buch der Chronik in Worte. Ähnlich wird es auch bei christlichen Trauerfeiern zur so genannten Aussegnung zum Ausdruck gebracht: Gott behüte dich vor allem Übel, Gott behüte deine Seele. Gott behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit (Psalm 121).

Am Ewigkeitssonntag laden die Kirchengemeinden und auch viele Friedhofskapellen zum Gedenken an die Verstorbenen ein. Verlesen werden die Namen derer, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Alle Menschen sind eingeladen, der Toten zu gedenken und zu hören, dass in Gottes Reich niemand verloren, aber jeder und jede gesegnet ist.