Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Immer wieder sonntags: "Plattdüütsche Kark" in Klein Grönau

"Seit 40 Jahren gibt es die Plattdüütsche Kark", sagt Küster Andreas Roxin. Copyright: Bastian Modrow

Klein Grönau. Die Wegekapelle zu Klein Grönau ist zwischen Pfingsten und Erntedank ein fester Anlaufpunkt für Menschen, die die plattdeutsche Sprache lieben. Seit beinahe 40 Jahren gibt es immer sonntags die „Plättdüütsche Kark“ - eine Tradition, die sich im Kirchenkreis großer Beliebtheit erfreut.

"Diese Mauern müssen leben"

Andreas Roxin engagiert sich seit fast fünf Jahren in der Wegekapelle - anfangs noch als Glöckner. „Es ist tatsächlich die einzige Kirche in der Region, in der die Glocke noch per Hand geläutet wird“, berichtet der 66-Jährige. Seit einigen Jahren ist der gelernte Speditionskaufmann ehrenamtlicher Küster und immer an Ort und Stelle, wenn die Kapelle mit der besonderen Geschichte für Taufen, Hochzeiten und eben die plattdeutschen Sonntagsandachten vorbereitet werden muss. „Mir sind diese kleinen Gottesdienste sehr wichtig, weil mir die plattdeutsche Sprache viel bedeutet - weil ich möchte, dass das Niederdeutsche erhalten bleibt, weil ich möchte, dass unsere Kapelle nicht zu einem reinen Denkmal wird. Diese Mauern müssen leben.“

Kapelle wurde 1409 für Aussätzige gebaut

1409 ist die Wegekapelle zu Klein Grönau gebaut worden - als christlicher Ort des Gebets für Aussätzige. „Die Hansestadt Lübeck brachte damals vor den Toren der Stadt vor allem an Lepra erkrankte Menschen im sogenannten Siechenhaus unter, das um 1280 später mit einem Gehöft errichtet worden war“, berichtet Andreas Roxin. 1423 kaufte die Stadt Lübeck das Gelände mit Siechenhaus, Kapelle und Hofgebäude. So gibt es bis heute dieses kleine Lübecker Gebiet im Lauenburgischen. Im späteren Verlauf der Geschichte, als die Lepra besiegt war, bezogen alte Menschen das Siechenhaus und nutzten die kleine Kirche für Gottesdienste.

Zeitgenössische Schätze in Klein Grönau

In der Kapelle gibt es vieles Historisches und Außergewöhnliches zu entdecken - vom Weihwasserbecken aus Kalkstein, das die Zeit der Reformation unbeschadet überstanden hat, über eine geschnitzte Predella aus dem 15. Jahrhundert bis zu einer um 1700 entstandenen halblebensgroßen barocke Kreuzigungsgruppe, die ursprünglich aus dem Heiligen-Geist-Hospital stammt. Ihren Namen erhielt die Wegekapelle durch ihre Lage - direkt an der Alten Salzstraße zwischen Ratzeburg und Lübeck gelegen.

Ein Stück Lübeck im Herzogtum

Bis heute ist die kleine Kapelle in Klein Grönau ein Blickfang für jeden, der den Ort im Lauenburgischen passiert. Seit 1963 finden in dem historischen Backsteinbau vor allem plattdeutsche Andachten statt. „Der mittlerweile pensionierte Pastor Joachim Siemers aus der Gemeinde St. Martin setzte sich sehr für die niederdeutschen Gottesdienste ein, was damals auch noch viel leichter war als heute - weil fast jeder Pastor, ob aus Lübeck oder dem Herzogtum, Platt sprechen konnte“, berichtet Andreas Roxin.

Immer weniger Menschen sprechen Plattdeutsch

Die Zeiten haben sich geändert - auch in der Bevölkerung. Einer Erhebung des Leipniz-Instituts für Deutsche Sprache aus dem Jahr 2016 können in Schleswig-Holstein 24,5 Prozent der Menschen Plattdeutsch sprechen. In den Sechziger und Siebziger Jahren war der Anteil noch mehr als doppelt so hoch. Vor allem finden aber immer weniger junge Menschen Zugang zu der niederdeutschen Sprache.

Neue Uhrzeit für die Andachten

„Umso wichtiger ist, dass es unsere plattdeutschen Andachten gibt, die natürlich von älteren Menschen besucht wird, wir freuen uns aber immer, wenn auch jüngere den Weg zu uns finden“, sagt Roxin. Und doch ist der Beginn der „Plattdüütschen Kark“ in diesem Jahr um eine halbe Stunde auf nun 9.30 Uhr verlegt worden. Grund dafür ist eine Änderung des Busfahrplans in der Region.

Kapelle bietet Platz für 40 Personen

Neben Beiträgen op Platt bildet die Musik einen wesentlichen Faktor der 30- bis 45-minütigen Andachten in der Wegekapelle, die auf zehn Bänken Platz für 40 Besuchende bietet. „Jürgen Hagen hat über 40 Jahre zusammen mit dem Ehepaar Leutz die Reihe geprägt“, berichtet Küster Roxin. Seit diesem Jahr wechseln sich verschiedene Musizierende ab. „Jürgen Hagen ist aber immer noch mal als Redner oder mit seinem Cello mit dabei.“

Reihe endet mit Erntedank

2. Oktober (Erntedank): Prädikantin Anja Bergemann (mit Abendmahl)

"Seit 40 Jahren gibt es die Plattdüütsche Kark", sagt Küster Andreas Roxin.

Die Wegekapelle in Klein Grönau stammt aus dem Jahr 1409.

Das Vaterunser wird in den Andachten op Platt gesprochen.

Die Weihwasserschale stammt aus der Zeit vor der Reformation.

Andreas Roxin ist ehrenamtlicher Küster der Wegekapelle.

Immer sonntags finden bis Erntedank plattdeutsche Andachten statt.