St. Marien, Lübeck Abschied von Kirchenvögtin Sabine Weiß

Diese Rosen an St. Marien wird Sabine Weiß auch im Ruhestand weiterpflegen (Foto: Steffi Niemann)

Sie ist eine Institution auf der Altstadtinsel: Wenn Sabine Weiß ihre Runden dreht – ob in oder außerhalb von St. Marien – dauert es immer etwas, bis sie ihr Ziel erreicht. „Mein Mann geht ist es schon gewohnt, dass ich etwas später als er ankomme.“ Der Grund: Immer wieder wird die Kirchenvögtin zum kurzen Plausch und Austausch von Kollegen, Bekannten und Freunden angehalten. Am Sonnabend, 25. September 2021, wird sie um 15 Uhr in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

„Kirchenvögtin“: Symbol der Anerkennung

Seit 22 Jahren wirkt die 65-Jährige an St. Marien. Zuerst als Küsterin, im Jahr 2009 bekam sie den Titel „Kirchenvögtin“. „Der Titel ist eine Anerkennung, die man nach vielen Jahren Arbeit verliehen bekommt“, erklärt die quirlige Frau, die auch als Berufsgruppensprecherin des Küsterarbeitskreises der Nordkirche fungiert.

Respekt vor der großen Kirche

Geboren und aufgewachsen ist Sabine Weiß in Lübeck, wurde in der Lutherkirche getauft, konfirmiert und getraut. Bis Anfang der 1990er Jahre arbeitete sie ehrenamtlich in der Luthergemeinde. Es folgte der Umzug in die Innenstadt, da ihr Mann Küster an St. Jakobi wurde und sie selbst nach einer Ausbildung bei Karstadt dort als Einzelhandelsfkauffrau arbeitete. „Ich wurde Vertretungskraft für die „Stuhlfrau“ in St. Jakobi, die für die Pflege des Gestühls zuständig war. Nach einiger Zeit arbeitete ich mehr und mehr dort und nur noch einzelne Tage bei Karstadt.“ Als dann 1999 eine Küsterstelle an St. Marien frei wurde, zögerte sie nicht lange. „Aber etwas Angst hatte ich doch. So eine große Kirche! Mit so vielen Veranstaltungen. Aber nach vier Wochen wollte ich nicht mehr weg.“ Aus der anfänglich halben Stelle wurden 30 Stunden und ab 2005 eine ganze Stelle. Im Jahr 2009 wurde auch ihr Mann Küster an St. Marien, und so arbeitete das Ehepaar acht Jahre gemeinsam bis zum Ruhestand ihres Mannes.

Vielfältiger Job – inklusive Falkenmutter

Man könnte sie fast als das Herz von St. Marien bezeichnen – denn bei ihr laufen alle Fäden der Organisation zusammen. Sei es bei den Gottesdiensten, Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen oder auch der fast abgeschlossenen Sanierung der beiden Türme. „Morgens mache ich als erstes das Licht und die Kerzen an und sauber. Es folgen Anrufe und E-Mails von Brautpaaren oder Trauernden, um Termine für Hochzeiten und Bestattungen, und natürlich auch Konfirmationen und Taufen zu besprechen. Ich organisiere auch die Gewölbe- und Kirchenführungen, arbeite eng mit den Pastorin Inga Meißner und Pastor Robert Pfeifer zusammen und habe immer ein offenes Ohr für unsere Ehrenamtlichen“. Auch werde sie von der Feuerwehr oder der Polizei nachts angerufen, wenn wieder jemand auf das Gerüst geklettert ist. „Und Falkenmutter bin ich auch fast jedes Jahr, wenn die Falken im Turm brüten und mal ein Junges immer wieder herunterkommt. Ich passe auf, dass es nicht unter ein Auto kommt oder von anderen Vögel attackiert wird und informiere den Falkner“.

„Da geht mein Herz auf“

Und was gefällt der baldigen Ruheständlerin so an und in St. Marien? „Ich mag es, wenn früh morgens die Sonne in die Kirche scheint und eine besondere Atmosphäre zaubert. Das bekommt ja kein Besucher mit. Ich bleibe stehen und staune einfach nur, da geht mein Herz auf“. Auch der späte Gottesdienst an Heiligabend hat es Sabine Weiß angetan: „Ich sitze in der letzten Bankreihe, freue mich über die schön beleuchteten Tannenbäume, komme herunter und denke mir: Jetzt ist Weihnachten“. Wenn dann die Knabenkantorei nur für sie noch „Stille Nacht“ singt, kullern schon mal ein paar Tränen.

Die Rosen pflegt sie weiter

„Ja, ich werde so einiges vermissen“, so die Kirchenvögtin. „Aber natürlich freue ich mich auch auf mehr Zeit mit meiner Familie.“ Die Rosen an der Kirchenmauer werde sie aber weiter pflegen – sie wurden 2001 gepflanzt und werden seitdem von Sabine Weiß behütet.