St. Petri, Lübeck Ausstellung Nschotschi Haslinger „Die untere Welt“

Die Zeichnung "Dergestalt" von Nschotschi Haslinger, Tusche auf Papier.

„Die untere Welt“ lautet der Name der Ausstellung, die ab Sonntag, 28. Juli 2019, in der Lübecker Kunst- und Kulturkirche St. Petri zu sehen ist. Allerlei Fabelwesen finden sich in einer Art Dunkelwelt in sumpfigen Wäldern wieder und zeigen eine kapitalistische Gegenwart. Die Begrüßung findet am 28. Juli um 17 Uhr statt mit Dr. Bernd Schwarze, Pastor St. Petri zu Lübeck, und Dieter Witasik, 1. Vorsitzender der Overbeck-Gesellschaft, Kunstverein Lübeck. Die Einführung in die Ausstellung hält Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft - Kunstverein Lübeck.

Gegenwart und Vergangenheit

Nschotschi Haslinger (*1982 in Eitorf) entwickelt in sämtlichen Medien von Installation, Performance über Video, Malerei, Zeichnung oder Skulptur Szenerien, die zunächst seltsam und entrückt erscheinen und dabei doch fortwährend auf Aspekte unserer Gegenwart und Vergangenheit verweisen. In dunkeln sumpfigen Wäldern, zwischen vermoosten Bäumen und abgestorbenen Ästen finden sich dünngliedrige Fabelwesen mit spitzen Ohren, Nasen und Schuhen bei alltäglichen, brutalen, sexuell aufgeladenen Tätigkeiten.

Details als Transmitter

Details wie einzelne Kleidungsstücke, Posen oder Bildausschnitte fungieren dabei immer wieder als Transmitter und erzeugen eine Ebene auf der ikonografische Symbole, Religion und Schamanismus mit einer gegenwärtigen Bildästhetik in sozialen Netzwerken auf Gaming Plattformen oder Spielzeugfiguren kulminieren. Die Zeichnung Trembling Garden 3 (2019) zeigt im Vordergrund des Bildes etwa eine Figur mit weiblichen Merkmalen, die auf ihren Armen, Schultern und Händen von einer kleinen Schar sie liebkosender und bedrängender Kröten umgeben ist. Haare und Gesicht der Figur gleichen einem Troll und reihen sich – wie als Symbol auch die Kröte – in mystische Vorstellungen, während ihr Outfit, bestehend aus einem geöffneten Mantel und einem einfachen Slip, auf Motive und Posen der Werbe- und Modewelt zu verweisen scheint.

Scheinbares Eigenleben

Insbesondere auch Haslingers Skulpturen aus Keramik in Form von Schuhen, Zahnbürsten oder Spielzeugfiguren changieren zwischen einem Warencharakter und Objekten mit einem scheinbaren Eigenleben und Ausdrucksfähigkeit. Eine Serie kleiner Fabelwesen aus Keramik erinnert ästhetisch zunächst an die Franchiseprodukte der „My Little Pony“ Animationsserie. Ihr Fell ist jedoch nicht rosa oder lila, sondern braun und schlammig, ihre Mäuler sind nicht vollmundig, sondern weit geöffnet und von spitzen Zähnen gesäumt und auch ihre Augen glitzern nicht, sondern sind gelb und nach hinten verdreht. Als hämische Geister und Dämonen unterwandern und entblößen Haslingers Arbeiten so ein ums andere Mal eine kapitalistische Gegenwart, die selbst unfähig eine eigene Zukunft zu entwerfen, durchzogen ist von Vergangenem, Verschwörungstheorien und surrealen Realitätsvorstellungen.

Die Ausstellung „Nschotschi Haslinger – Die untere Welt“ ist eine Kooperation der Overbeck-Gesellschaft • Kunstverein Lübeck und St. Petri zu Lübeck. Sie ist bis zum 1. September 2019 täglich von 11 bis 16 Uhr zu sehen.

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Im Kontext – Gespräche über Kunst, Do., 01.08, um 15.00 Uhr

19. Lübecker Museumsnacht, Sa., 31.08., 11.00 bis 24.00 Uhr

Next Avantgarde, So., 08.09., um 11.00 und 14.00 Uhr

Architekturführungen am Tag des offenen Denkmals im Overbeck-Pavillon

mit Ingo Siegmund, in Kooperation mit dem ArchitekturForum. Lübeck.

Punkt und Linie zur Fläche – Comic-Workshop

Sa., 21.09., 12.00 bis 16.00, im Overbeck-Pavillon

Anmeldung unter info@overbeck-gesellschaft.de.

Quelle: St. Petri zu Lübeck