Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Buß- und Bettag: Pflanzaktion an St. Petri

Ein Korbinians-Apfelbaum wird am Buß- und Bettag in Ratzeburg gepflanzt.

Kann ein Apfelbaum ein Bekenntnis zu Meinungsfreiheit und Erinnerung sein? Warum der BUND in Ratzeburg und im Herzogtum Lauenburg davon ausgeht und was die Kirche damit zu tun hat, das zeigt sich am Buß- und Bettag, dem 18. November 2020, in der St.-Petri-Gemeinde in Ratzeburg.

Pflanzung am Buß- und Bettag in Erinnerung an Landessuperintendent Johannes Lange

„Wir pflanzen am Buß- und Bettag zwei Korbinian-Apfelbäumchen in Gedenken an Landessuperintendent Lange, der durch die Notkonfirmation und eine Ordination von Pastoren der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit Haltung bewahrt hat und Halt gegeben hat“, sagt Pröpstin Frauke Eiben. „Die Bäume werden hinter der St. Petri-Kirche wachsen und uns erinnern: damals wie heute ist es nötig, nicht zu schweigen, wenn Unrecht geschieht.“

Korbiniansapfel als biologisches Mahnmal

In dunkler NS-Zeit hat der katholische Priester Korbinian Aigner die Apfelsorte gezüchtet. Inhaftiert in einem KZ, hat er sein Apfelbäumchen Zukunft gepflanzt. Wegen dieser besonderen Geschichte betrachten viele den Korbiniansapfel als ein „biologisches Mahnmal“ gegen Gewaltherrschaft.

Nicht nur in Ratzeburg kommen am Buß- und Bettag neue Bäumchen in die Erde. Weitere Apfelbäume pflanzt die Umweltschutzorganisation BUND im Landkreis Herzogtum Lauenburg neben Kittlitz, Niendorf am Schaalsee und Fredeburg vor allem an der Gelehrtenschule Lauenburg, an der Schüler:innen des 10. Jahrgangs Zeugnisse von Zwangsarbeit im Landkreis erforschten.

Pröpstin Eiben: Erinnerung an Menschen auf Weg der Gerechtigkeit

„Hier wie da erinnern diese Apfelbäume an Menschen, die den Weg der Gerechtigkeit gegangen sind“, sagt Frauke Eiben und blickt am Buß- und Bettag besonders auf Landessuperintendent Johannes Lange. Er bewahrte in der Zeit des Nationalsozialismus eine kritische Distanz zum Regime, bot Vertretern der Bekennenden Kirche eine Heimstatt und ging damit auch auf Distanz zu offiziellen Kirchenvertretern im nahen Lübeck. Die damals eigenständige evangelische Kirche in Lübeck war stark von den Vertretern der Deutschen Christen dominiert. Bekannt ist seine Initiative der so genannten Möllner Notkonfirmation im Jahr 1937, die Lübecker Konfirmanden erhielten, deren Pastoren unter Hausarrest gestellt wurden. Im Jahr 1938 ordinierte Johannes Lange in der Ratzeburger St.-Petri-Kirche Predigtamtskandidaten der Bekennenden Kirche.

Buß- und Bettag: Zeit für kritische Lebensbilanz

Der Buß- und Bettag steht in der evangelischen Kirche vor allem im Zeichen von Besinnung, kritischer Lebensbilanz und Neuorientierung. Versagen und Schuld, Versäumnisse und Fehlentscheidungen kann man im Gebet vor Gott bringen. Der Feiertag dient zudem dem Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer. Er wird traditionell am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag begangen.

Wo kann ich mir Vergebung zusprechen lassen?

„Mein Auto, mein Computer, jedes technische Gerät bekommt regelmäßig eine Wartung und auch mein Zahnarzt erinnert an die nächste Kontrolle. Eine Wartung für unsere Seele gibt es nicht automatisch. Gut, dass es den Buß- und Bettag gibt. Er lädt ein zur kleinen oder großen Seeleninspektion: Wo bin ich nicht zufrieden mit der Beziehung zu anderen Menschen, zu Gott, zu mir selbst oder zu meiner Mitwelt?“, erläutert Pröpstin Frauke Eiben die Bedeutung dieses Tages für evangelische Christen. „Wo kann ich etwas ändern und neu starten? Und wo kann ich mir Vergebung zusprechen lassen, für das was schmerzt. In den Gottesdiensten und Andachten zum Buß- und Bettag ist Zeit für die Seele und für einen neuen Anfang.“

Links zu Gottesdiensten und weitere Infos

Im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg werden an diesem Tag in den Gemeinden auch weitere Gottesdienste und Andachten gefeiert. Es gelten die üblichen Abstands- und Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. Eine aktuelle Übersicht der Gottesdienste an Buß- und Bettag gibt es hier.