Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Corona-Krise: Hilfe via Telefon und App

Viele Einrichtungen bieten in der Corona-Krise Hilfe für Menschen in verschiedenen Lebenslagen an.

An wen kann ich mich wenden?

Zuhause bleiben. Was sich auf den ersten Blick schön liest, kann sich für viele Mitmenschen schwierig gestalten. Das fast vollständige Wegbrechen sozialer Kontakte, innerfamiliäre Probleme oder auch einfach nur Langeweile erschweren die momentane Situation in Zeiten der Corona-Krise. Was hilft ist oft, zu reden. Dafür gibt es viele Anlaufstellen. 

„Wir haben ein offenes Ohr für alle! Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreise sind gerne als Ansprechpartner:innen da“, sagt Pröpstin Petra Kallies. 

Hier ist die Übersicht der Pastor:innen der Kirchengemeinden Lübeck und Lauenburg mit Telefonnummern und e-mail-Adressen

Neue Seelsorge-Hotline der Nordkirche

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) bietet ab sofort eine kostenlose Seelsorge-Hotline für alle Menschen an, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden. Unter der Nummer 0800/4540106 sind bis auf Weiteres täglich von 14 bis 18 Uhr ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger erreichbar. „Menschen, die beispielsweise unter emotionalen und psychischen Belastungen oder sozialer Isolation leiden, sowie kranke und alte Menschen, die seelsorgerliche Begleitung brauchen, können sich an die Seelsorgerinnen und Seelsorger wenden“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Seelsorge ist Muttersprache der Kirche 

Die Initiative zur Seelsorge-Hotline ging von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt aus: „Vieles belastet Menschen in diesen Tagen: Fragen, wie es weitergeht, Ängste vor Ansteckung und Krankheit und auch Sorgen um liebe Menschen oder die Zukunft des Arbeitsplatzes. Gestern haben wir erfahren, dass soziale Kontakte noch weiter eingeschränkt werden müssen. Das ist notwendig, wird aber besonders Menschen, die allein leben, belasten. Damit Herz und Seele leichter werden in schwerer Zeit, kann all das in der Seelsorge-Hotline zur Sprache kommen. Mit der Muttersprache der Kirche, der Seelsorge, sind Seelsorgerinnen und Seelsorger der Nordkirche für alle Menschen da, unabhängig von Glaube oder Religionszugehörigkeit.“

Zum Start sind insgesamt 35 haupt- und ehrenamtliche kirchliche Fachkräfte abwechselnd an der Seelsorge-Hotline im Einsatz. Sollte der Bedarf sehr groß sein, könne das Helferteam erweitert werden. 

TelefonSeelsorge Lübeck ist erreichbar

Die kostenfreie Hotline der Telefonseelsorge Lübeck und Deutschland: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Ehemalige Ehrenamtliche der Telefonseelsorge und auch Lübecker Therapeuten melden sich, um jetzt in der Krisenzeit mitzuhelfen“, berichtet Mari Böhrk-Martin, Leiterin der Telefonseelsorge Lübeck. „Eine tolle Solidarität! Denn die Nummer die TelefonSeelsorge ist bekannt und viele Menschen wählen zunächst das, was ihnen vertraut ist.“ Durch die zusätzliche Hilfe könne die Telefonsseelsorge den steigenden Fallzahlen mittelfristig begegnen.

Mehr Anrufe als der Krise

Zwei Leitungen habe die Telefonseelsorge Lübeck. „In normalen Zeiten ist eine davon durchgängig besetzt.“ Nun würden beide durchgängig angewählt. „Wir verzeichnen etwa 15 Anrufe mehr pro Tag. Vier von fünf Anrufen haben mit Corona zu tun“. Die Leiterin der Telefonseelsorge ist sehr dankbar um den hohen Einsatz der ehrenamtlichen Telefonseelsorger:innen. 

Ängste, Verstimmungen, Einsamkeit, häusliche Konflikte

In vielen Gesprächen würden neben Ängsten, depressiven Verstimmungen  und Einsamkeit häusliche Konflikte angesprochen. „Wir sorgen uns um die Familien, um die Kinder. Wir bitten dringend  psychosoziale Einrichtungen wie Ehe-Familien- und Lebensberatungen, Frauennotruf, Kinderschutzzentrum oder Schuldnerberatung, uns mitzuteilen, wie ihr Krisenangebot aussieht. Unsere Arbeit besteht auch in der Weitervermittlung“, so Böhrk-Martin.

Hotline für Konflikte in der Arbeitswelt

Das Sorgentelefon für die Arbeitswelt wird besetzt von ehren- und hauptamtlichen Beraterinnen und Beratern aus Gewerkschaft und Kirche. Vor 21 Jahren vom Kirchlichen in Dienst in der Arbeitswelt/Lübeck gegründet möchten die Mitarbeiter nun auf Probleme reagieren, die aus der Corona-Krise entstanden sind und noch entstehen werden. Schwerpunkt ist das Konfliktmanagement für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

KDA-Hotline ist anonym und kostenfrei

Die Mitarbeiter*innen der Hotline sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie haben ein offenes Ohr und bieten eine erste Klärungshilfe bei der Bewältigung beruflicher Sorgen an. Das bisherige Angebot des Konflikttelefons wird um einen Beratungstag erweitert und ist ab dieser Woche dienstags und donnerstags jeweils in der Zeit von 17-19 Uhr unter der Rufnummer 0451-84040 besetzt. Das Angebot ist anonym und kostenfrei. 

Depressionen – was tun?

Betroffene können sich formlos für das Online-Programm „iFightDepression“ der Deutschen Depressionshilfe über die E-Mail-Adresse: ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de für das Programm anmelden.

Normalerweise setzt iFightDepression eine Begleitung durch einen Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten voraus – denn Studien belegen, dass Online-Programme dann besonders wirksam sind. Da viele Patienten durch das Corona-Virus zuhause bleiben müssen und Hausärzte an ihre Belastungsgrenzen stoßen, ist das Programm nun für sechs Wochen auch ohne Begleitung zugänglich.

Häusliche Gewalt – Frauennotruf und Aranat arbeiten weiter

Der Frauennotruf Lübeck ist telefonisch zu den üblichen Sprechzeiten montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr unter Telefon 0451/704640 erreichbar, auch per E-Mail: kontakt@frauennotruf-luebeck.de.

Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen befürchten, dass häusliche Gewalt gegen Frauen in Deutschland steigen könne. Das Beispiel von China zeige dies – hier erhöhte sich die Zahl der Vorfälle zum Teil um das Dreifache. Hier gilt nun vermehrt auch für Nachbar:innen: hinschauen, präsent sein, betroffenen Personen Unterstützung anbieten. Diese können sich auch selbst an Beratungsstellen wenden. In Ausnahmefällen sind nach Terminabsprache persönliche Beratungen möglich. Außerhalb der telefonischen Sprechzeiten können sich Betroffene an das bundesweite Hilfetelefon 0800 116 016 wenden, es ist zu Tag- und Nachtzeiten erreichbar.  

Aranat e. V. mit telefonischer Beratung

Auch das Lübecker Frauenkommunikationszentrum Aranat musste aufgrund der Corona-Krise Veranstaltungen und Treffpunkte absagen. Das Beratungsangebot für Frauen in schwierigen Lebenssituationen bleibt weiterhin erreichbar. Ein telefonisches Gespräch mit einer Beraterin ist ohne Termin montags bis freitags von  11 bis 13 Uhr und donnerstags von 17 bis 18 Uhr unter Telefon 0451/4082850 möglich.

Suizidgedanken? App „Krisen-Kompass“ begleitet

Schon vor der Corona-Krise, am 10. März 2020, hat die Telefonseelsorge Deutschland die App „KrisenKompass“  vorgestellt. Quasi ein Notfallkoffer für die Hosentasche. Damit startet die Einrichtung  eine rein digitale Hilfe für Menschen in der suizidalen Krise. Mit der App erweitert der Verbund das bisherige Angebot und richtet sich damit an drei Gruppen:  Menschen in der suizidalen Krise, Angehörige, Kollegen und Freunde, die unterstützen möchten sowie  Angehörige, die eine Person durch Suizid verloren haben.

Tipps für Entspannung und Tagebuchfunktion

Infos und ein Erklär-Video zur App gibt es hier.

Hier steht die App für den Download bereit:

Android-Betriebssystem

IOS-Betriebssystem

Im KrisenKompass stehen Funktionen bereit, die auch in der Psychotherapie genutzt werden wie zum Beispiel die Aufzeichnung von Stimmungen als Tagebuchfunktion oder das Anlegen eines Safety-Plans. Als Erste-Hilfe-Koffer für den Notfall können in der  App persönliche Archive angelegt werden, um aufbauende Gedanken oder persönliche Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern. Erläuterungen von Entspannungstechniken sowie  Kontakte für den Notfall wie TelefonSeelsorge und andere professionelle Anlaufstellen, geben konkrete Hilfestellungen für eine Krise.