Propstei Lauenburg Der Pastor mit der Drehorgel

Pastor Wolfgang Rogge besucht mit seiner Drehorgel Seniorenheime in Ziethen und Ratzeburg.

Wenn Wolfgang Rogge von der Drehorgel spricht, dann beginnen seine Augen zu leuchten. Seit 2008 besitzt der Pastor der Kirchengemeinde Ziethen einen Leierkasten, bisweilen kommt das Instrument sogar bei Gottesdiensten zum Einsatz. In jüngster Zeit aber hat es noch eine weitere Verwendung gefunden: Mit ihm zaubert Pastor Rogge alten Menschen ein Lächeln ins Gesicht.

Drehorgelspieler auf der Puppenbrücke

Die Erinnerungen an die Drehorgelspieler auf der Lübecker Puppenbrücke führen Pastor Wolfgang Rogge zurück in seine Kindheit. „Mit meiner Mutter und meinem Bruder fuhren wir in den Sechzigerjahren von Reinfeld aus nach Lübeck. Auf der Brücke standen Kriegsversehrte, die Drehorgel spielten. Sie hatten echte Affen dabei, ein Lied kostete einen Groschen.“ Wenn Rogge sich an diese Zeiten erinnert, schweift sein Blick in die Ferne.

Instrument mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

Der Klang der Drehorgel erinnere ihn an Jahrmarkt, an gebrannte Mandeln, an Karussells, sagt der Pastor aus Ziethen. Oder kurz: Die Drehorgel bringt Freude! 2008 erfüllte sich Rogge seinen Kindheitstraum und erstand in Göttingen ein solches Instrument. Seitdem erklingt die fröhliche Musik auf dem Martinsmarkt in Ziethen bei Ratzeburg, in der Weihnachtszeit, auf Feiern – und ab und an sogar im Gottesdienst.

Drehorgel bietet großes Musikspektrum

Das Instrument ist für viele Einsätze zu gebrauchen, es verfügt über ein großes Spektrum an Liedern: Gottesdienstliche Musik kann Rogge damit spielen, Choräle, aber auch Volkslieder, Gassenhauer oder den „River Kwai March“. „Ich kann sogar ‚Money, Money, Money‘ von ABBA zum Besten geben“, lacht Rogge. Doch egal, was der Pastor mit seinem Leierkasten anstimmt, es geht immer um Freude und Gemeinschaft.

Stoffaffe „Micky“ begleitet Pastor Rogge

An einem sonnigen Sonntagnachmittag Anfang Mai lädt Rogge seine Drehorgel in einen Transporter und fährt zum Ameos Senioren Wohnsitz Ratzeburg. An einem Teich im großen Innenhof des Komplexes sitzen schon rund 20 Senioren und warten auf den Pastor mit dem Leierkasten. Wie ein Kirchenmann wirkt Rogge heute nicht. Eher wie ein Mann das fahrenden Volkes: Mit Freizeithemd, schwarzer Weste und Zylinder stellt er sich hinter seine Drehorgel. Auf dem Instrument sitzen der Stoffaffe „Micky“ und ein Plüsch-Huhn.

Gassenhauer und Volkslieder im Seniorenheim

„Ich begrüße Sie an diesem Nachmittag“, schallt des Pastors Stimme den Senioren entgegen. Schon dafür gibt es einen kräftigen Applaus von den rüstigen Rentnern. Dann legt Rogge los mit „Horch was kommt von draußen rein“. Je weiter sich der Pastor durch sein rund halbstündiges Drehorgel-Programm arbeitet, desto mehr Fröhlichkeit erfüllt die Augen seines Publikums. Es folgen Lieder wie die „Herzschmerz-Polka“ oder „Schön, so schön war die Zeit“. Es dauert nicht lange, da wird an dem kleinen idyllischen Teich sogar zur Drehorgel-Musik getanzt.

Hoffnung durch Musik

Musik als Hoffnungsbotschaft, das möchte Wolfgang Rogge mit seiner Drehorgel bringen. „Ich möchte Freude und Zuversicht geben. Wir sind alle in Gottes Hand“, sagt Wolfgang Rogge. Eines schafft er an diesem Nachmittag auf jeden Fall: Er löst schöne Erinnerungen aus. Bei seinen Zuhörern, aber auch bei sich selbst.