Breitenfelde Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt Sanierung der Breitenfelder Kirche

V. li.: Horst Diestel von Kirchensanierung-Projektgruppe, Pastor Frank Lotichius, Architekt Werner Grage, Susanne Backhaus vom DSD-Ortskuratorium Mölln, Jürgen Rösing, Bauabteilung Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und Fundraiser André Schlesselmann vor der frisch eingedeckten Kirche in Breitenfelde.

Der erste Bauabschnitt der Sanierung der Kirche in Breitenfelde ist im vollen Gange – das Dach, das Mauerwerk und die Fenster werden generalüberholt. Seit Mai werkeln Handwerker fleißig an der Kirche, das Eindecken des Schieferdachs inklusive neuer Holzunterkonstruktion ist vollendet und das Gerüst kann jetzt zurückgebaut werden. Das Turmgerüst bleibt stehen, denn am Turm wurden weitere Schäden entdeckt. „An der Eindeckung gibt es gravierende Schäden und auch am Sandstein bestehen erhebliche Schäden, sodass Gefahr in Verzug ist und die Beseitigung sehr schnell passieren muss“, berichtet Pastor Frank Lotichius.

Gesamtkosten erhöhen sich unerwartet

Damit erhöhen sich auch die Kosten: Die Sanierung am Turm (Mauerwerk, Turmhelm und Wetterhahn) beziffert Architekt Werner Grage mit rund 100.000 Euro. Die Gesamtkosten für den ersten Bauabschnitt liegen somit bei 615.000 Euro. Sie werden von der Kirchengemeinde, dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und Stiftungen – der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung Kiba sowie der Agnes-Gräfe-Stiftung, gestemmt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) erklärte sich spontan bereit, ihre ursprünglich avisierte Spendensumme aufgrund der neu festgestellten Schäden zu erhöhen. Susanne Backhaus vom Ortskuratorin Mölln der DSD, überreichte der Kirchengemeinde einen symbolischen Fördervertrag in Höhe von 44.475 Euro.

Langer und intensiver Prozess

„Die Planung der Sanierung nahm einige Jahre in Anspruch“, so Frank Lotichius weiter. „Eine Sanierung ist ein langer und intensiver Prozess“. Es wurde eigens eine Projektgruppe eingerichtet, mit vier Vertretern aus dem Kirchengemeinderat und vier aus dem Dorf Breitenfelde. Die letzte Sanierung der Breitenfelder Kirche liegt bereits fünfzig Jahre zurück. Um den Gemeindeanteil der Kosten stemmen zu können, trennte sich die Kirchengemeinde von einer Grünfläche und einem Wohnhaus.

Innenraum der Breitenfelder Kirche wird im zweiten Schritt saniert

Für den zweiten Bauabschnitt, bei dem die Heizung und der Kircheninnenraum mit seinem wertvollen historischen Inventar, darunter die Kirchenfenster aus dem 12. Jahrhundert, saniert und restauriert werden, rechnen die Experten noch einmal mit einem weiteren sechsstelligen Betrag. „Dafür müssen weitere Gelder bereitgestellt werden. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg hat schon eine Ein-Drittel-Übernahme der Kosten signalisiert“, so Lotichius. Auch eine Besuchertoilette ist vorgesehen. Der Förderverein der Kirchengemeinde organisierte in den vergangenen Monaten zahlreiche Spendenaktionen wie der Schrottsammel-Aktion, um die Kirchensanierung finanziell zu unterstützen. Die neu festgestellten Schäden werden voraussichtlich im Frühling 2020 behoben sein. Das nächste Jahr soll für die Planung der Innenraum-Sanierung genutzt werden.

Ein Herzenswunsch

Pastor Frank Lotichius hat einen großen Herzenswunsch: „Im Jahr 2023 gehe ich in den Ruhestand. Dann möchte ich eine sanierte und für die Zukunft gewappnete Kirche hinterlassen“. „Ich hoffe, dass alles klappt und diese schöne Kirche weiter strahlen kann“, ergänzt Susanne Backhaus.

 

Hintergrund:

Das in seinen Grundzügen in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete Gotteshaus – noch ohne den Kirchturm – liegt im Herzen von Breitenfelde. Das Langhaus und der eingerückte, rechteckige Chor sind in Feldstein erbaut und die Fensterlaibungen der je drei Spitzbogenfenster an den Längsseiten sowie das aufwendig gestaltete Traufgesims in Backstein gemauert. Langhaus und Chor besitzen Satteldächer. Je ein spitzbogiges Fensterpaar belichtet den Chor an dessen Seitenwänden. Die östliche Giebelwand des Chors ist durch eine Dreifenstergruppe geöffnet. Der darüber befindliche Backsteingiebel ist mit einer verblendeten Rosette verziert. Die Dreifenstergruppe aus der Erbauungszeit der Kirche ist das älteste erhaltene Kirchenfenster nördlich der Elbe. Es zeigt Darstellungen aus dem Leben Jesu. Der ebenfalls aus Backstein gemauerte Kirchturm ersetzte im 19. Jahrhundert einen hölzernen Glockenturm. Der auf einem rechteckigen Grundriss ruhende Turm mit zwei Seitenanbauten ist im oberen Bereich achteckig, der Helm ist mit Kupfer eingedeckt. Zeitgleich wurde das Kirchenschiffdach mit Schiefer eingedeckt.

Der Innenraum der dreischiffigen Hallenkirche mit gemauerten Bündelpfeilern und Kreuzrippengewölben wurde mehrmals umgebaut. Barock setzte man das Innere der Kirche zwischen 1748 und 1750 instand, von 1866 bis 1868 wurde der Bau im neugotischen Stil umgestaltet. Dabei erhielt er das heutige Gestühl und die Kanzel. Im Jahr 1967 wurde im Verlauf einer Modernisierung und Instandsetzung das Altarretabel gegen einen Altarblock ausgetauscht, um die Sicht auf die Fenster freizugeben. Die jetzige Gebäudesanierung zielt auf die Bewahrung der neugotischen Erscheinung des Gebäudes und der dazugehörenden Architekturelemente, die ein bedeutendes Zeugnis für das Wirken des Baurates Lohmeyer darstellen.

V. li.: Architekt Werner Grage, Fundraiser André Schlesselmann, Jürgen Rösing, Bauabteilung Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, Susanne Backhaus vom DSD-Ortskuratorium Mölln, Horst Diestel von der Kirchensanierung-Projektgruppe und Pastor Frank Lotichius im Altarraum. Hinter ihnen die historischen Kirchenfenster aus dem 12. Jahrhundert.

Das Gerüst wird bis auf die Turmeinrüstung jetzt zurückgebaut.

Werner Grage (li.) und Horst Diestel an der Traufe des Turmes (Übergang von Turmstumpf zum Turmhelm). Hier ist das bereits durch den Steinmetz reparierte Sandsteintraufgesims zu sehen und die lose Kupferblecheindeckung. Der untere Teil der Kupferblecheindeckung ist entfernt worden.