St. Petri, Lübeck Do like me! Weibliche Interventionen im Netz, bis 25.03.3028

"Do like me - Weibliche Interventionen im Netz" ist bis zum 25. März 2018 in St. Petri zu sehen.

Narzissmus, Nacktheit, Gender und Feminismus, wie junge Frauen von heute ihn verstehen, sind die Schlagworte, man könnte auch sagen „hashtags“, die auf  300 Fotos und 38 Videos bis zum 25. März 2018 in der St.-Petri-Kirche Lübeck zu sehen sind. Ursprünglich gepostet wurden sie auf Instagram - von dreißig Künstlerinnen, die provozieren wollen und sich als Feministinnen von heute verstehen. Die Ausstellung, die Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft, gemeinsam mit Kollegin Lisa Klosterkötter inszenierte, begleitet ein hochkarätiges Rahmenprogramm aus Lesungen, Gesprächen und Workshops.

„Unsere Ausstellungen sind immer etwas anders als erwartet“, schmunzelt St.-Petri-Pastor Bernd Schwarze. Dem kann der Besucher nur zustimmen, bekommt er doch viel nackte Haut in einem kirchlichen Raum dargeboten. Eben die weilblichen Interventionen im Netz. Von Schamgefühl ist nichts zu spüren, ist doch eine der wichtigsten Hinterlassenschaften feministischer Kunst der 1970er Jahre die fotografische Dekonstruktion weiblicher Genderidentität. Es wird eine öffentliche Wahrnehmung erzeugt, die nur im Netz existiert.

„Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche gegliedert“, informiert Oliver Zybok. Unter den Stichpunkten Einsamkeit, Körperbehaarung, Identität, Smartphone und Selfie findet der Besucher eine breite Palette an Fotos, mal in Pink-Rosa, mal fast nackt, mal verstörend. Es gehe um Aufmerksamkeit, die Künstlerinnen wollen mit ihren Themen wahrgenommen werden. „Politische Hintergründe und gesellschaftliche Normen spielen natürlich auch eine Rolle“. So kam mitten in den Vorbereitungen der Ausstellung die „#metoo“-Debatte auf. „Ein Zeichen, wie hochaktuell das Thema ist“, so Zybok.

Die ältere Generation würde bei den gezeigten Fotos die Hände über den Kopf zusammenschlagen, heute laute ein Teil der weiblichen Identität: „Wir dürfen so sein, wie wir wollen. Und das auch mit Körperbehaarung“, so Zybok. Nicht verwunderlich also, dass die größtenteils narzisstische Darstellung eine Art Identitätssuche ist. „Die Darstellung des eigenen Körpers; alles zu sehen, zu erleben und mitzubekommen inklusive der Flüchtigkeit des Augenblicks - das prägt die sozialen Medien von heute“. Fragen wie „Wo stehe ich, wo bin ich und wer“, würden die Suche der jungen Generation von heute beschäftigen. „Und der absolute Drang zur Selbstdarstellung, nicht weit vom Narzissmus entfernt“. Dr. Birgit Stammberger, Koordinatorin des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung (IMGWF) der Universität zu Lübeck, spricht von einer großen Umbruchphase in der Gesellschaft: „Die Anerkennung verschiedener Identitäten ist heute normal. War der Hintergrund der Feministinnen in den 1960er und 1970er Jahren die Befreiung, geht es um die Anerkennung verschiedener Identitäten“. „Nacktheit gab es auch in der frühen christlichen Kunst“, sinniert Bernd Schwarze. „Denken wir an die vielen Madonnen-Darstellungen und der damalige Umgang mit Weiblichkeit - oder auch der weibliche Aspekt religiöser Imagniation“.

Das Rahmenprogramm, das die Möglichkeit bietet, tiefer in das Thema einzutauchen, präsentiert hochkarätige Gäste wie Schriftstellerin Charlotte Kerner und Antje Peters-Hirt, Direktorin der Gemeinnützigen Lübeck,  im Gespräch mit jungen Frauen zum Thema „Von der Suffragette zur Selfie-Queen“, einem Vortrag zur „#metoo“-Debatte mit Mithu Sanyal, oder dem Workshop „Allergisch auf Gender - wie gehen wir mit Geschlecht und Sexualität um?“.

„Do like me! Weibliche Interventionen im Netz“ ist eine Ausstellung der Overbeck-Gesellschaft und des St. Petri Kuratoriums ist bis  zum 25. März dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

Das Rahmenprogramm in Kürze:

Over and Above

Premierenkonzert des Instant Composing Ensembles der MHL

Do, 15.02., um 20 Uhr

Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro (auch für Mitglieder)

Eine Konzertreihe in Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck

DigitalArts – Workshop

Do, 22.02. und Fr, 23.02., jeweils von 10 bis 16 Uhr

Anmeldung unter 0451.1221455

OverBlick – Workshops für Kinder und Jugendliche

Sa, 24.02. und 24.03., jeweils von 12 bis 16 Uhr

Anmeldung unter 0451.1221455

Im Kontext – Gespräche über Kunst, Gender, Feminismus etc.

So, 25.02. und 25.03., jeweils um 15 Uhr

ArtTalks – International Day

Do, 01.03., von 15 bis 16 Uhr

Von der Suffragette zur Selfie-Queen

Charlotte Kerner und Antje Peters-Hirt im Gespräch mit Michelle Akyurt, Maria Odoevskaya und Elke Sasse

So, 04.03., um 18 Uhr

#metoo – What to do?

Vortrag von Mithu Sanyal und einem anschließenden Gespräch mit Dr. Birgit Stammberger

Do, 08.03., um 19.00

Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro (auch für Mitglieder)

Allergisch auf Gender – wie gehen wir mit Geschlecht und Sexualität um?

Workshop mit Mithu Sanyal und Dr. Birgit Stammberger

Fr, 09.03., 11 bis 16 Uhr

Vortrag und Workshop werden in Kooperation mit dem ZKFL, Lübeck durchgeführt.

Grass meets Overbeck

Karen Duve liest aus ihrem Roman Macht

Fr, 23.03., um 19 Uhr

Eintritt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro (auch für Mitglieder)

Alle Veranstaltungen finden in der St.-Petri-Kirche zu Lübeck statt.