Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Ein Leben voller Musik: Ulrike Gast ist neue Kreiskantorin

Ulrike Gast ist die neue Kreiskantorin für die Propstei Lübeck.

„Musik ist mein Ein und Alles, für mich gab und gibt es nichts anderes, seit ich Kind bin.“ Diese Worte sagt Ulrike Gast, Jahrgang 1968, mit einem Lächeln im Gesicht. Die Mutter von vier Kindern ist studierte A-Kirchenmusikerin und seit 2014 Kantorin an St. Jakobi zu Lübeck. Nun wird sie ab 1. August 2020 zusätzlich mit einer Viertelstelle als Kreiskantorin für die Propstei Lübeck wirken. Damit übernimmt sie die Nachfolge von Klaus Eldert Müller, der sich kürzlich entschied, andere Wege zu gehen.

Verantwortung und Lebenserfahrung

Als Ulrike Gast gefragt wurde, ob sie diese Stelle antreten möchte, habe sie kurz überlegt – und dann ja gesagt: „Es ist ein Job mit Verantwortung, der Fingerspitzengefühl und Lebenserfahrung braucht. Ich denke, ich habe beides. Durch meine Kinder, meine Familie, mein ganzes Leben mit Musik, die vielen Konzerte und die Chorarbeit. Ich wage das jetzt einfach mal“, so die neue Kreiskantorin. 

Unterstützung der Kirchenmusiker:innen

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Borghardt-Sohns für den lauenburgischen Teil des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg unterstützt Ulrike Gast fortan Kirchenmusiker:innen in ihrer Arbeit. Die Kreiskantorinnen schlichten und vermitteln bei Problemen, beraten Pastoren rund um kirchenmusikalische Fragen, halten Kontakt zum Landesmusikdirektor, führen Fortbildungen für Kirchenmusiker:innen durch und sind immer in engem Kontakt mit den beiden Pröpstinnen Petra Kallies und Frauke Eiben.

Tochter eines Pastors

Ulrike Gast wurde als Tochter eines Pastors in Göttingen geboren, zog später mit ihren Eltern nach Bremen-Lilienthal und dann nach Nienburg an der Weser. Hier erlebte sie den Großteil ihrer Kindheit, ging in der Ortskirche ein und aus und läutete mit ihren beiden Geschwistern vergnüglich die Kirchenglocken. Als der Vater zum Superintendenten (Propst) gewählt wurde, zog es die Familie ins ostfriesische Leer.

Studium zur A-Kirchenmusikerin

„Die „Kirche“ gab mir schon von klein auf  Geborgenheit“, sagt die brünette Kirchenmusikerin, die in Hannover ein A-Studium absolvierte. Die Gepflogenheiten des kirchlichen und auch musikalischen Lebens lernte Ulrike Gast durch ihren Vater und ihre Eltern reichlich kennen. Bereits mit sieben Jahren erlernte sie Klavier und Flöte, wenig später Gitarre und Bratsche. „Mit 14 durfte ich an die Orgel – dieses Instrument faszinierte mich sehr. Der Klang, die Register zu ziehen und das Spiel mit den Pedalen sind toll“. Sie erhielt Orgelunterricht und nahm schon bald an „Jugend musiziert“-Wettbewerben teil. Ihren ersten Bundespreis (Orgel) gewann sie 1985. Von da an nahm sie immer abwechselnd am Wochenende Klavierunterricht in Bremen und Orgelunterricht in Hannover. Sie wurde Mitglied und Orgelsolistin des Landesjugendchores Niedersachsen und erfuhr dort große musikalische Inspiration durch dessen damaligen Leiter.

Eine musikalische Familie

„Das Studium in Hannover begann 1987, hier konnte ich alles bisher Gelernte vertiefen. Es war eine tolle Zeit – ich lernte zudem Tonsatz und Gehörbildung, nahm Orchester-leitungsunterricht und belegte viele weitere Fächer, darunter Theologie“. Während ihres Studiums lernte Ulrike Gast ihren Mann Arvid kennen, der bald nach Flensburg und dann als Professor nach Leipzig ging. „Hier bewarb ich mich für ein Gesangsstudium, wurde angenommen und lernte Operngesang, Schauspiel, Bühnenfechten – bis die ersten beiden Kinder kamen. Für meine heutige Chorarbeit hat mir dieses Studium enorm viel gegeben“. Es folgten zwei weitere Kinder – Zwillinge – und die Familie zog 2004 nach Lübeck. Arvid Gast ist seitdem Professor an der Musikhochschule Lübeck und Titularorganist an St. Jakobi.  Ihre mittlerweile erwachsenen Kinder studieren allesamt Musik: Geige, Klavier, Klarinette.

Kirchenmusikerin an St. Jakobi

„Zunächst wirkte ich ehrenamtlich als Kirchenmusikerin, gab Stimmbildung und gründete den Frauenchor an St. Jakobi. Als eine halbe A-Stelle im Kantorat ausgeschrieben wurde, entschied ich mich erst dagegen. Ich hatte vier Kinder zu versorgen. Als aber die Stelle wieder frei wurde, bewarb ich mich und bin nun seit 2014 mit einer halben Stelle als A-Kirchen-musikerin angestellt.“ Ihr mache die Arbeit großen Spaß – nur sei die Situation durch Corona derzeit natürlich nicht schön, sagt Ulrike Gast. „Es finden  kaum musikalische Veranstaltungen statt – und  wir haben so viele schöne Werke im Repertoire“.

Wunsch nach baldiger Normalität

Ulrike Gast, die neben der Musik gerne zeichnet, malt und liest, wünscht sich sehr, dass die Kultur bald wieder auf die Beine kommt – dass Chöre wieder auftreten dürfen und Normalität einkehrt. „Besonders junge Leute brauchen wieder eine Perspektive – und ihr Auftrittstraining. Ziele sind so wichtig für die eigene Motivation“.

Unterschied A- und B-Kirchenmusiker:in

Das Studium der Kirchenmusik ist in zwei Abschnitte gegliedert: acht Semester umfasst das B-Studium (Abschluss Bachelor of Music) in den Fächern Orgel, Improvisation, Dirigieren, Gesang, Klavier, Popularmusik, Musiktheorie, Musikwissenschaft und kirchliche Fächer (Hymnologie, Liturgik, Theologie, Gregorianik); zusätzliche 4 Semester umfasst das sogenannte A-Studium (Master of Music), welches vertiefend die gesamte Fächervielfalt beinhaltet und künstlerisch ausgeprägt ist. Die kirchliche Struktur für die Kirchenmusikerstellen wird durch die Studienstruktur abgebildet: Hauptberufliche Stellen sind A- und B-Stellen, für den Nebenberuf die C-Stellen. A-Stellen werden an überregional bedeutenden Kirchen eingerichtet, B-Stellen dienen der professionellen Grundversorgung der anderen Gemeinden. Ein hauptberuflicher Kirchenmusiker versieht ein Amt versieht und steht damit im Verkündigungsdienst.