Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Johannes-Passion aus dem Ratzeburger Dom bei Youtube

Domkantor Christian Skobowsky (links) und Berufsmusiker haben Bachs Johannes-Passion als Video aufgezeichnet.

Der Ratzeburger Domkantor Christian Skobowsky hatte eine gewagte Idee: Bachs Johannes-Passion sollte trotz Corona in der Passionszeit im Dom erklingen. Innerhalb kürzester Zeit wurden Musiker und Techniker zusammengeholt. Nun ist das zweistündige Werk bei Youtube zu sehen.

Die spontane Johannes-Passion

Am Anfang war es eine spontane Idee. Gerade hatte ein Konzert für Karfreitag wegen der Corona-Maßnahmen abgesagt werden müssen. Schon im nächsten Moment stand Christian Skobowskys Beschluss fest, Bachs Johannes-Passion aufzuführen. Damit wollte er auch ein Signal an die Menschen in der Ratzeburger Domgemeinde senden. „So zeigen wir den Leuten: Wir denken an Euch!“ erzählt er. Zweieinhalb Wochen später war Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion im Kasten.

Aus der Idee wurde ein besonderes musikalisches Videoprojekt, das jetzt hier bei Youtube zu sehen ist.

Eine Aufnahme mit vielen Herausforderungen

Skobowsky ist selbst noch verwundert, dass alles in der Kürze der Zeit geklappt hat. Allein die Hygienemaßnahmen stellten hohe Anforderungen an das Projekt. Ein Hygienekonzept musste erstellt werden, das auch einen doppelten Corona-Test vorsah: Mit einem frischen PCR-Test reisten die Musiker Anfang März an, im Dom wurde von fachlicher Hand noch ein Schnelltest gemacht. Hier hätte das Vorhaben schon scheitern können, so Skobowsky: „Es hätte ja bloß ein positiver Schnelltest gereicht, und die Kosten und Mühen wären umsonst gewesen.“

48 Stunden für Proben und Aufnahmen

Für den Aufenthalt am Dom herrschten für die Musiker fast Quarantäne-Bedingungen: Sie waren inklusive Verpflegung in den Gästezimmern des Doms untergebracht. Ton- und Videotechniker installierten sechs Kameras und rund 20 Mikrofone im Hochchor des Doms für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Aufnahme. Beim Musizieren wurde schließlich das kleine Zeitfenster zur Herausforderung. Weniger als 48 Stunden blieben, um die zweistündige Passion zu proben und aufzunehmen. "Man hat Ehrfurch vor so einer Situation", sagte Christian Skobowsky im Interview mit Helge Berlinke vom kulturportal-herzogtum.de .

Hervorragende Musiker mit nuancierter Darbietung

Da kam es gelegen, dass die meisten Beteiligten hervorragende Musiker sind, mit denen die Ratzeburger Dommusik schon eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Acht professionelle Sänger übernahmen gleichzeitig die Solopartien und den Chor. Dazu kamen acht Musiker mit historischen Instrumenten. Wegen der kleinen Besetzung übernahmen auch sie manchmal Passagen anderer Instrumente. „Die Besetzung war ein Glücksfall für uns“, freut sich Christian Skobowsky. „Außerdem hat man allen die Begeisterung angemerkt, nach Langem wieder ein solches Werk zu spielen.“ An die vorgeschriebenen Abstände beim Musizieren gewöhnten sich die Beteiligten schnell. So gelang es Skobowsky trotz aller Umstände, einen homogenen Klangkörper zu formen. Heraus kam eine einfühlsame Interpretation, die die Dramatik des Passionsgeschehens nuanciert nachzeichnet.

Spenden statt Eintrittskarten erbeten

Die Gemeinde kann sich nun trotz Corona über eine Aufführung aus dem Dom freuen. Es gab aber noch ein zweites Anliegen dieses Projekts. Freiberuflichen Musikern sollte eine Auftrittsmöglichkeit geboten werden und damit dringend benötigte Einkünfte. Die besonderen Umstände machten das Projekt auch finanziell zu einer großen Anstrengung. Die Kosten im fünfstelligen Bereich wurden teilweise von der Stiftung der Kreissparkasse und dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg übernommen.

Der Verein zur Förderung der Ratzeburger Dommusiken e.V. bittet daher um eine „Spende statt Eintrittskarten“ auf das Konto:

Förderverein Dommusiken
Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg
DE31 2305 2750 0000 1171 10
Verwendungszweck: Johannes-Passion