St. Nicolai, Mölln Franziska Seichter: „Für mich gehören Glaube und Mut zusammen“

Sie ist in Mölln angekommen: Franziska Seichter.

„Das gemeinsame Fragen nach Gott und das Leben mit der Kirchengemeinde sind seit meiner Kindheit Teil meines Lebens“, erzählt Franziska Seichter, die neue Pastorin zur Anstellung (PzA) in der Möllner Kirchengemeinde St. Nicolai. Am Sonntag, 16. September 2018, wird sie um 15 Uhr im Gottesdienst von Pröpstin Frauke Eiben in der St.-Nicolai-Kirche begrüßt.

Die 32-Jährige ist in Dresden geboren und aufgewachsen, lernte das Leben einer Kirchengemeinde von Kindesbeinen an kennen. „Für meine Familie und mich war es wichtig, die Gemeinschaft in der Kirchengemeinde als einen Ort zu haben, an dem gemeinsam geglaubt, hinterfragt, gelacht, geträumt, gebetet und kritisiert werden konnte“, so Seichter „In anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen war das auch nach der Wende zum Teil eher ungewöhnlich.“

Für die junge Frau gehören Glaube und Mut zusammen. „Sich für andere einsetzen, Neues ausprobieren, Aufrichtigkeit, miteinander ins Gespräch kommen – über die Themen, die uns auf dem Herzen liegen und uns alle angehen – konstruktiv statt destruktiv. Das höre ich in der biblischen Botschaft“.

Nach ihrem Abitur ging es aber erst einmal für das freiwillige soziale Jahr nach Reinbek bei Hamburg – in eine katholische Kirchengemeinde. „So konnte ich erste ökumenische Erfahrungen sammeln“. Danach studierte Franziska Seichter Theologie in Hamburg und absolvierte noch vor dem Vikariat ein Praktikum in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Hier sammelte sie Erfahrungen in der Krankenhausseelsorge und arbeitete mit in der diakonischen Profilentwicklung. „Auch konnte ich erste eigene Gottesdienste halten. Das war eine aufregende und inspirierende Zeit. Ich habe dort viel gelernt“. Die vielen praktischen Erfahrungen kamen ihr bei dem Vikariat in der Kirchengemeinde Dreveskirchen bei Wismar, direkt an der Ostsee gelegen, zugute. „Es war eine bereichernde und beflügelnde Zeit für mich. Das Ländliche, die dichte Gemeinschaft, das Ausprobieren-Dürfen, die Begegnungen, der bunte Einblick in die Welt des Pastorinnen-Daseins – das alles sind wertvolle Erfahrungen für meine erste Stelle. Nach dem Vikariat bereiste die junge Pastorin mit ihrem Lebenspartner Südostasien und Marokko, um die fremden Kulturen, die Menschen, die Religionen, das Leben, das Essen, die Musik und die Geschichten zu sehen, zu hören, zu schmecken und kennenzulernen. Ihr Fazit: „Inspirierend und befreiend – es gibt so viel Buntheit auf der Welt! Aber ich habe auch eine ganz andere Form von Armut und Ungerechtigkeit gesehen, wie wir sie hier in Deutschland überhaupt nicht kennen“. Sich mehr für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen sei unabdingbar, um den Menschen zu helfen und die Schöpfung auf Dauer zu bewahren.

Und nun ist Franziska Seichter in Mölln angekommen, mit ihren vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Begegnungen. „Ich bin sehr glücklich und wurde herzlich von meinen Kolleginnen, Kollegen und der Gemeinde aufgenommen“. Sie freue sich auf die kommenden Aufgaben, unter anderem auf die Gestaltung unterschiedlicher Gottesdienst-Formate „Ich halte es für wichtig für unterschiedliche Menschen ein buntes Angebot bereitzustellen und beispielsweise auch Angebote zu machen, zu denen sich Kirchenferne eingeladen fühlen“.

Ihre Wünsche für sich und ihre Arbeit formuliert Franziska Seichter so: „Ein wertschätzendes und offenes Miteinander, nach vorne blicken, Gott und den Menschen und begegnen, gemeinsam ein buntes Gemeindeleben gestalten und vor allem das Hoffnungsvolle allem voranstellen.“

Hintergrund:

Ein Pastor/eine Pastorin zur Anstellung ist dies für die Dauer von drei Jahren in einer Kirchengemeinde, in die er oder sie von der Nordkirche entsandt wird (Wünsche dürfen geäußert werden). Der oder die PzA handelt und entscheidet eigenständig und in Abstimmung mit den Pastorenkollegen/innen.