St. Aegidien, Lübeck Führungen durch die St.-Aegidien-Kirche

Die St.-Aegidien-Kirche

Die St.-Aegidien-Kirchengemeinde bietet bis zum 25. Februar 2018, immer sonntags, Führungen durch die kleinste Innenstadtkirche Lübecks an.

"Es kommt durchaus vor, dass Besucher der Aegidienkirche mit strahlenden Augen davon schwärmen, wie wunderschön der Raum sei, in dem sie gerade stehen", hat Pastor Thomas Baltrock beobachtet. Da lebe man nun seit 55 Jahren in Lübeck, sei aber noch nie in dieser Kirche gewesen. Sie liege ja auch ein wenig abseits.

Führungen mit Pastor Thomas Baltrock sollen die kleinste  der Innenstadtkirchen nun ein wenig bekannter machen. Dabei geht es vorrangig nicht um Jahreszahlen und Namen, sondern um Vorstellungen und Gedanken vergangener Jahrhunderte, die sich in Stein, Holz und Farben ausdrücken. Warum waren die Kirchen des Mittelalters eigentlich so prächtig ausgestattet, obwohl die meisten Lübecker zuhause eher karg lebten? Und wie sahen mittelalterliche Kirchen überhaupt aus? Keine Kirche Europas, ganz gleich ob katholisch oder evangelisch, sieht ja noch so aus wie im 15. Jahrhundert.

In Aegidien gibt es einen uralten Christus mit einer Reliquienfassung unter einem Bergkristall auf der Brust: Glaubten unsere Vorfahren wirklich, dass Knochenreste oder Stofffetzen irgendeine heilende oder segnende Kraft hätten? Sind die Bilder an den Wänden tatsächlich die „Bibel der Armen“,  obwohl man manche nur äußerst mühsam in der Höhe erkennen kann? Was hat die Reformation im Kirchenraum überhaupt verändert? Liegen immer noch Verstorbene unter den Grabsteinen des Fußbodens? Warum fassen moderne Taufbecken oftmals nur einen knappen Liter Wasser, das mittelalterliche Bronzebecken in Aegidien aber  über fünfhundert Liter?

Der Raum, der ja niemals ausgebrannt ist, ermöglicht einen Spaziergang durch einige Jahrhunderte europäischen Denkens und  Glaubens. Manches ist uns fremd geworden und ruht wohl zu Recht in den Kellern der Vergangenheit, andere Praktiken, Gottesdienstformen und Raumnutzungen sind vielleicht ungeborgene Schätze.Eine Besonderheit der Führungen wird sein, dass Pastor Baltrock sonst verschlossene Räume öffnet und Gegenstände zeigt, die ansonsten in Schränken und Tresoren ruhen.

Die Führungen finden bis zum 25. Februar 2018, immer sonntags um 14 Uhr, statt. Geplant ist eine Dauer von ungefähr 75 Minuten. Die Teilnahme ist kostenlos, um Spenden wird gebeten.