Propstei Lauenburg Instagram: Pastoren auf neuen Wegen

Pastorin Angelika Gogolin nimmt für die Instagram-Fotos gerne neue Perspektiven ein.

Ein Medium, das viele für oberflächlich halten, wird in Zeiten der Krise zu einem Kanal für tiefgehende Botschaften: Eine Pastorin und ein Pastor aus dem Lauenburgischen nutzen Instagram für ihre Zwecke. Sie halten Andachten darüber ab und feiern Gottesdienste.

Gottesdienste von zuhause mitfeiern

So ganz geheuer ist Angelika Gogolin das Medium Instagram nicht. Die Pastorin der Kirchengemeinde Brunstorf sagt über sich selbst, dass sie eigentlich kein „Instagram-Mensch“ sei. In der Not der Corona-Krise aber begann sie, vor einigen Wochen mit der Social-Media-Plattform zu experimentieren. Ein Foto aus der geschmückten, mit Blumen dekorierten Kirche erzielte dort gleich viele Likes. „Feiert doch von zuhause aus mit“, forderte Angelika Gogolin ihre Follower über den Account der Kirchengemeinde auf.

„Das Posten macht Spaß“

Es war ein Anstoß. Danach entwickelten Pastorin Gogolin und ihre Tochter die Idee, einen Gottesdienst über Bilder zu feiern – und Instagram schien dafür das geeignetste Medium zu sein. „Es macht Spaß, dort etwas in Echtzeit zu posten“, sagt Gogolin. „Die Glocken haben geläutet, ich habe dabei gesungen und gebetet. Und die Menschen konnten via Instagram dabei sein.“

Digitale Kerngemeinde

Über die Reaktionen war die Pastorin erstaunt. „Wir konnten damit sehr viele Menschen erreichen.“ Einige Menschen aus der Gemeinde hätten sich sogar einen Instagram-Account zugelegt, um dabei sein zu können, weiß Angelika Gogolin. Andere Zuschauer kamen aus der Region. Und so ganz nebenbei konnte die Pastorin, die sonst für drei Dörfer zuständig ist, mit ihrem digitalen Auftritt Menschen vereinen, die normalerweise getrennt Gottesdienst feiern. „Plötzlich habe ich so etwas wie eine digitale Kerngemeinde“, lacht Angelika Gogolin.

Instagram als Herausforderung

Auch Pastor René Enzenauer aus der benachbarten Heilig-Geist-Kirchengemeinde Wohltorf nutzt seit kurzem Instagram, um seine Botschaften unter die Menschen zu bringen. „Eine neue Herausforderung“, nennt Enzenauer diesen Weg. Zwar kannte er Instagram schon, hatte privat bereits einen Account. Doch dort hätte er bislang nur andere Accounts angesehen und kaum etwas gepostet. Nun ist er selbst aktiv geworden.

Account „kirchewohltown“

Am 19. März hat die Gemeinde einen eigenen Accounteröffnet. „Weil ein kleines Virus gerade sein Unwesen treibt, können wir uns gerade nicht im echten Leben treffen. Deswegen tummeln wir uns einfach hier“, lautete der erste Post des Kontos „kirchewohltown“. Es folgten Fotos, Videos und virtuelle Andachten. Rund 100 Menschen folgen dem Account bislang.

Neue Adressaten

„Für mich funktionieren analoge Formate wie Fernsehgottesdienste nicht“, sagte René Enzenauer. „Ich möchte nicht mit Talar in der leeren Kirche stehen.“ Die sozialen Medien seien gut dafür, andere Menschengruppen anzusprechen. „Die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind sehr positiv.“

Anspruch an Bilder und Videos

Trotzdem fällt es dem Pastor aus der Gemeinde Wohltorf nicht immer leicht, Inhalte bei Instagram zu posten. Gerade Videos seien für ihn „ein Angang“, sagt René Enzenauer. Es sei komisch für ihn, sich selbst in Videos zu sehen. Die Bilder auf dem Account sollten außerdem gut aussehen. Etwa jenes, das das letzte Abendmahl darstellen soll. Es wurde in der Küche des Pastors arrangiert. „Das ist ein ganz anderes Arbeiten, aber dadurch ist es auch reizvoll.“ 

„Wir werden dranbleiben“

Angelika Gogolin und René Enzenauer sehen ihre Instagram-Aktivitäten als Ergänzung ihrer bisherigen Arbeit. Und beide wollen „dranbleiben“. Ihre eigentlichen Gemeinden behalten aber beide im Blick: über den Gemeindebrief, die Websites, im persönlichen Gespräch – und bald hoffentlich auch wieder in den Kirchen. Oliver Pries

Weitere Informationen:

Instagram ist eine Social-Media-Plattform, die auf Bildern und Videos basiert. Nutzer können Fotos posten, andere können sie liken oder kommentieren. So entsteht rasch ein großes Netzwerk. In Deutschland hatte Instagram im Jahre 2019 rund 20 Millionen Mitglieder. Den Großteil bilden Menschen zwischen 15 und 35 Jahren. Die Nutzung ist kostenlos. (Quelle: crowdmedia.de)