Lauenburg: Rückkehr des Bronze-Taufkessels, Dezember 2015


Es war ein Missgeschick: Ein Bein des Taufkessels der Maria Magdalenen-Kirche in Lauenburg brach ab. Er wurde repariert und konnte im Dezember 2015 an den Ort seiner Bestimmung zurückkehren.

Mitten im Altarraum steht gewöhnlich der alte Taufkessel. Doch manchmal steht er hier im Wege und wird an den Rand geräumt. Dabei geschah im Frühjahr 2015 ein Missgeschick: Eines der vier „Beine“, bestehend aus 45 Zentimeter hohen Figuren in Mönchsgestalt, brach ab. Doch jetzt ist der Taufkessel repariert und kehrte in die Maria Magdalenen-Kirche zurück.

Pastor Philipp Graffam berichtete in der Versammlung des Kirchen-Fördervereins im Mai über die Notwendigkeit einer Reparatur des Taufkessels und bat, die Kosten zu übernehmen. Der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Rumpf nahm Kontakt mit der Bronzegießerei Wittkamp in Elmenhorst auf. Die Firma nahm eine Materialprobe und konnte schließlich das „Bein“ wieder anschweißen. Mitarbeiter des Lauenburger Friedhofs transportierten das reparierte Taufbecken heute wieder zurück in die Kirche.

Der Taufkessel ist ein Werk aus dem Jahr 1466. Aus Bronze gegossen hat es Cord Vribusch aus Lüneburg. Der damalige Pastor Bahr hat eine Notiz hinterlassen, in der aus den 50er Jahren über die wissenschaftliche Untersuchung dieses Kunstwerkes aus dem Mittelalter berichtet wird. Diese greift auf erste Forschungen von vor hundert Jahren zurück.

Vribusch goss nicht nur Tauffünten, sondern auch Glocken und Kanonen. Letztere ließ der damalige Lauenburger Herzog durch Vribusch untersuchen – und fragte den Meister, ob er einen Taufkessel für die hiesige Kirche anfertigen könnte. Der Lüneburger Rat erlaubte diese Arbeit. Vribusch griff auf ältere Vorlagen zurück und goss insbes. die vier Trägerfiguren mit derselben Model wie beim Taufbecken in Munster bei Soltau. Die rechteckigen Reliefs am Kessel folgen einem rund drei Jahrzehnte älteren Lüneburger Vorbild. Auffällig ist auf dem einen großen Reliefbild mit der Kreuzigung Christi, dass sich Johannes mit seinem Gesicht von seinem Herrn abwendet. Hierfür gibt es ein Vorbild: ein Gemälde aus Holland, gefertigt vom Kunstmaler van Eyck. Die Model hierfür und für die kleinere Sitzmadonna mit dem bekleideten Christuskind auf dem Knie stammen ebenfalls von der Taufe in Munster. Das dritte Relief mit der Krönung der Maria könnte eine Eigenkomposition von Vribusch sein. Die Köpfe der Mönche ähneln dagegen jenen in Handorf bei Bardowick. Leider hat das Lauenburger Taufbecken keinen Bodenring, sonst wäre das Missgeschick beim Transport wohl vermieden worden.

Als nächstes Vorhaben möchte der Förderverein sich der Marien-Leuchter annehmen. Am großen Kerzenhalter, auf der Seite zum Altar hin, ist Maria mit Jesuskind als Himmelskönigen auf der Mondsichel dargestellt, auf der Rückseite hingegen befindet sich eine Anna Selbdritt. Dieser Leuchter aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts wurde im 16. Jahrhundert vom Schifferamt der Kirche gestiftet. Ein kleinerer gotischer Marienleuchter aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hängt neben der Orgel. Auch er zeigt Maria im Strahlenkranz. Beide Schnitzwerke haben im Laufe der Jahrhunderte öfters neue Anstriche bekommen, die jetzigen Malschichten werden dem Kunstwerk nicht gerecht. Mit den Arbeiten soll der Lauenburger Restaurator Ahrends betraut werden.

Die Orgel, ein weiteres Sorgenkind, wurde vor gut zwei Jahren ohne Hilfe des Fördervereins instand gesetzt, sie ist spielbar. Anspruchsvolle Werke lassen sich darauf jedoch weiterhin nicht darbieten. Allerdings war die Bereitschaft, für eine neue Orgel zu spenden, nur gering.

Der Verein der Freunde und Förderer der Kirche in Lauenburg/Elbe besteht bereits seit über dreißig Jahren. Die größten Maßnahmen, die vom Verein mit finanziert wurden, waren der Wiederaufbau des Turmhelms 1992 und der neue Glockenträger auf dem Friedhof 2003.