Ev. Frauenwerk Lübeck-Lauenburg Lydia Veranstaltungscafé in Ratzeburg: Ein Herzensprojekt sagt „Tschüss“

Gisela Wruck, Silke Meyer und Christine Nolze (v.li.) wollen sich mit einem Gottesdienst vom Lydia Veranstaltungscafé in Ratzeburg verabschieden.

Das Lydia Veranstaltungscafé in der Ratzeburger Innenstadt hat geschlossen. Während der Corona-Pandemie musste der Betrieb eingestellt werden. Mit einem Gottesdienst nimmt das Frauenwerk Lübeck-Lauenburg am Mittwoch, 4. August 2021, nach 22 Jahren Abschied von einem ganz besonderen Ort der Begegnung.

Im Lydia Veranstaltungscafé steckte viel Herzblut

Wenn Gisela Wruck und Christine Nolze aus ihrer langjährigen Arbeit im Lydia erzählen, dann merkt man: Hier ist eine ganz besondere Geschichte zu Ende gegangen. Denn im Lydia, 22 Jahre in der Ratzeburger Schrangenstraße beheimatet, steckte vor allem eines: Herzblut. Herzblut unzähliger Ehrenamtlerinnen, die hier Menschen empfangen, bekocht, ihnen eine kleine zweite Heimat bieten wollten. „Nicht umsonst haben wir das Lydia immer ,Treffpunkt zwischen Himmel und Erde‘ genannt“, erinnert sich Christine Nolze, die ehemalige Koordinatorin des Lydia.

22 Jahre vor Ort in Ratzeburg

In das Lydia kamen im Laufe der 22 Jahre viele. Menschen, die eine der unzähligen Veranstaltungen dort besuchten. Menschen, die dort frühstückten oder eine der legendären Suppen essen wollten. Menschen auf der Suche nach Begegnungen. Vor allem aber Frauen. Denn das Lydia war das Veranstaltungscafé des Evangelischen Frauenwerks Lübeck-Lauenburg. „Zunächst war es nur für Frauen gedacht“, weiß Gisela Wruck, eine Ehrenamtliche der ersten Stunde. „Nach und nach aber haben wir es für alle geöffnet.“

Lydia muss wegen Einsparungen schließen

Dass das Lydia Veranstaltungscafé in Ratzeburg nun schließen musste, ist Sparmaßnahmen geschuldet. „Durch die Coronazeit ist die Situation zusätzlich schwierig geworden“, erläutert Silke Meyer, Leiterin des Frauenwerks in der Fachstelle für Ökumene und Gerechtigkeit im Kirchenkreis. Lange stand das Lydia leer, Umsatz zu machen sei auch nie das Ziel gewesen, so Gisela Wruck. Silke Meyer erzählt: „Vielmehr wollte man Menschen verbinden. Ganz so, wie es einst die Namensgeberin Lydia tat. Sie war die erste Christin, die ihr Haus für Durchreisende öffnete.“

Prinzip: Menschen verbinden

Dieser Gedanke sei auch im Lydia verfolgt worden, erinnern sich die Engagierten. Immer seien ganz gemischte Tischgemeinschaften entstanden. Interkonfessionell und intergenerativ sei das Lydia ohnehin gewesen. In den vergangenen Jahren erhielt das Lydia-Team Unterstützung von Praktikantinnen des Freiwilligendienstes „weltwärts, viele von ihnen kamen aus Afrika. „Wir waren immer auch multikulti“, sagt Christine Nolze. Doch ganz egal, wer nun kam: „Das schönste Lob für uns war immer, wenn die Hütte voll war“, lacht die frühere Koordinatorin.

Gottesdienst in Ratzeburg zum Abschied

Das Lydia ist zu. Viele Pläne finden nun keine Umsetzung mehr, die Frauenpower aber bleibt. Abschied nehmen aber möchten die Engagierten und das Frauenwerk trotzdem. Deshalb wird es am Mittwoch, 4. August 2021, einen Gottesdienst in der Ratzeburger St. Petri-Kirche geben. Er beginnt bereits um 14 Uhr. Der Chor Cantalydie singt, predigen wird Pröpstin Frauke Eiben. „Wir möchten vor allem Danke sagen und die Frauen würdigen“, die sich so stark eingebracht haben“, betont Silke Meyer. Um eine Anmeldung per E-Mail an frauenwerk-rz@kirche-LL.de wird gebeten.

Das Frauenwerk ist weiter vor Ort

Auch, wenn das Lydia nun geschlossen ist: Das Evangelische Frauenwerk kümmert sich weiter um die Belange der Frauen und Genderthemen im Kreis. „Wir sind natürlich weiter als Ansprechpartnerinnen vor Ort“, so Silke Meyer. „Für den Raum zum Austausch und den Platz für all die Themen die wir miteinander bewegen wollen, müssen wir nun auf andere Weise sorgen.“ In Ratzeburg hat das Frauenwerk weiter seinen Sitz im Petri-Forum, Am Markt 7. „Unsere Arbeit lebt von den Impulsen der Frauen“, strahlt Silke Meyer. „Nur Gemeinsam sind wir weiter stark.“