Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Neuer Leiter der TelefonSeelsorge Lübeck: Chef und Ansprechpartner

Seit Anfang September ist Pastor Frank Gottschalk neuer Leiter der TelefonSeelsorge Lübeck

Seit 100 Tagen ist Pastor Frank Gottschalk der Leiter der TelefonSeelsorge Lübeck. Ein Gespräch über Abschied, Ankommen und schwierige Zeiten.

Neues Büro in heimeliger Atmosphäre

Schön hat er es sich gemacht in seinem neuen Büro, heimelig. Mitgebracht zur TelefonSeelsorge hat Pastor Frank Gottschalk viele Dinge, mit denen er vertraut ist. Jede Menge Bücher finden sich in mächtigen Bücherregalen. Über seinem Schreibtisch hängen Fotos, die Gottschalk bei der Ausübung eines seiner Hobbys gemacht hat, der Naturfotografie in der Wakenitzniederung. "Ich bin schon als Kind viel in der Natur gewesen", erinnert sich Gottschalk. "Naturerfahrungen sind bis heute eine wichtige Kraftquelle für mich."

Abschied von der Krankenhausseelsorge

Im Beruf einen neuen Anfang wagen, das sei so, als topfe man alte Blumen um, findet Frank Gottschalk. Dabei muss man Wurzeln kappen, neue müssen erst einmal wachsen. So ging es dem Pastor, als er im September die Nachfolge von Pastorin Marion Böhrk-Martin als Leiter der Lübecker TelefonSeelsorge angetreten hat. Das Loslassen seiner bisherigen Tätigkeit als Krankenhausseelsorger der Sana Kliniken Lübeck sei schwer gewesen, so Gottschalk: „Ich habe echt gemerkt, dass das innere Arbeit bedeutet. Ich bin mit viel Dankbarkeit gegangen, aber es tat auch weh.“

TelefonSeelsorge kennenlernen, Wurzeln bilden

Jetzt aber ist Frank Gottschalk angekommen in seinem neuen Arbeitsfeld, in seinem heimeligen Büro irgendwo in Lübeck. „Ich musste die Einrichtung erst einmal von innen kennenlernen“, sagt er. Maßgeblich dabei geholfen habe ihm seine Sekretärin Frau Bahr, die seit zwölf Jahren bei der TelefonSeelsorge ist. „Ich konnte sie alles fragen, das hat unheimlich gutgetan. Die Zusammenarbeit ist gut, wie selbstverständlich.“ Nach drei Monaten werden Dinge vertrauter, sagt Frank Gottschalk. Die Namen sitzen häufig schon, es blühen erste zarte Pflänzchen von gemeinsamen Geschichten mit einigen Kollegen.

16.000 Anrufe bei der TelefonSeelsorge Lübeck

Überhaupt die Kollegen: Derzeit kümmern sich bei der TelefonSeelsorge Lübeck 87 Ehrenamtler um die Sorge und Nöte der Menschen. „Unsere Ehrenamtler sind die tragende Säule der TelefonSeelsorge“, sagt der neue Chef. „Viele machen hier schon erstaunlich lange Dienst.“ Nicht selbstverständlich bei der schweren Thematik. Dennoch: Die TelefonSeelsorge braucht immer auch neue Mitarbeiter. Doch die Gewinnung sei derzeit schwierig. Und natürlich ist auch daran Corona Schuld: Die Ausbildung, die den neuen Ehrenamtlern zuteilwerden soll, kann derzeit nicht starten. „Eine seelsorgerische Ausbildung erfordert Interaktion“, weiß Gottschalk. „Ich muss doch gucken, hören, spüren wer mir gegenüber sitzt.“

Große Belastung für die Ehrenamtler

Und die Belastung der Ehrenamtler ist groß. In Lübeck haben die TelefonSeelsorge-Mitarbeiter in diesem besonderen Jahr 2020 16.000 Anrufe bewältigt, bundesweit haben 1,7 Millionen Menschen Hilfe am Telefon gefunden. Die Inhalte der Anrufe haben sich im 2. Lockdown verändert, erklärt Gottschalk: Waren es im Frühjahr viele Fragen rund um das Corona-Virus, geht es jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wieder vermehrt um Ängste und Einsamkeit. Auch Konflikte in der Familie haben zugenommen, weiß der Seelsorger. Und damit auch die häusliche Gewalt.

Offenes Ohr für die Mitarbeiter

Um noch mehr Menschen helfen zu können, ist es Frank Gottschalks Ziel, die Zusammenarbeit mit den TelefonSeelsorgen in Kiel, Hamburg und auf Sylt zu intensivieren. Schon lange gibt es eine technische Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen, Gottschalk möchte auch auf Leitungsebene neue Kontakte knüpfen. Denn in Zeiten sinkender Finanzmittel könne man gemeinsam mehr erreichen, ist sich Gottschalk sicher. Vor allem aber möchte der neue Chef der TelefonSeelsorge Lübeck auch nahbar und ansprechbar für seine Ehrenamtlichen sein: „Ich bin nicht nur der neue Leiter, ich habe als Pastor auch ein offenes Ohr für meine Leute.“