Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg Perspektivlosigkeit überwinden

Holger Wöltjen, Leiter des Jugendpfarramts Lübeck-Lauenburg

Der Leiter des Jugendpfarramts Lübeck-Lauenburg, Holger Wöltjen, schreibt über die Perspektivlosigkeit junger Menschen und wie man sie überwinden kann.

Perspektive braucht Standpunkt und Blickrichtung

Eine Sache habe ich aus meinem Kunstunterricht noch in Erinnerung: Für eine Perspektive braucht man einen Standpunkt und eine Blickrichtung. Wenn eines oder sogar beides fehlt wird man perspektivlos. Und da liegt aktuell ein Problem, denn Standpunkt und Blickrichtung werden für viele (vor allem junge) Menschen zunehmend unsicher.

Standpunkte müssen entdeckt werden

Einen Standpunkt muss man nämlich erst einmal entdecken, muss ihn wechseln dürfen, auch mal verschiedene ausprobieren können, damit man irgendwann mit einiger Überzeugung sagen kann: „Hier stehe ich! Hier zeige ich Haltung!“ Dieser Raum fehlt aktuell, die Möglichkeiten sind eingeschränkt, die Entwicklung stagniert, ... und der Standpunkt wackelt.

Beim Blick nach vorn ist wenig zu sehen

Und die Blickrichtung? Bisher gingen alle Blicke nach vorne, wohin auch sonst, wenn man jung ist? Den Luxus des Zurückblickens können sich erst die Älteren leisten. Aber außer Unsicherheit gibt es da vorne gerade wenig zu sehen: Wohin es nach der Schule geht? Keine Ahnung! Wann ich meine Freunde wiedersehen kann? Weiß niemand Wie das mit meinen Plänen für‘s Auslandsjahr ist? Unklar … der Blick ist getrübt.

Was kann man tun, wenn man an der Realität so wenig tun kann?

Man trickst die Perspektive aus

Man trickst die Perspektive mit Futur 2 aus: Statt zu versuchen, von einem wackligen Standpunkt aus in die trübe Zukunft zu denken, denke von der Zukunft aus zurück! Wenn du in fünf Jahren auf diese Zeit zurückblickst, was wirst du entdeckt haben? Welche deiner Entscheidungen wird gut gewesen sein? Wer wird dich getragen haben? Was wirst du Wichtiges über dich gelernt haben?

Schau auf das, wofür du dankbar sein kannst

Und eine zweite Idee: Statt nur auf das zu schauen, was dir gerade fehlt und dich belastet, schau auch auf das, wofür du dankbar sein kannst und woran du dich freut – und glaube mir, auch da gibt es eine Menge. Das ist eine Frage der Perspektive – und welche du einnimmst, ist deine Entscheidung.