St. Nicolai, Mölln „Vollendet ist das große Werk“ – Haydns Schöpfung im Plastikmüll in St. Nicolai

Mit einem Konzert im Müll wollen Musizierende in der St.-Nicolai-Kirche Mölln auf den Klimawandel aufmerksam machen.

Mit der „Schöpfung“ schuf Joseph Haydn ein Werk, in dem er lobend, staunend und fern von jeglichem Zynismus auf Natur und Kreatur blickt. Nun wird das Thema am Sonnabend, 7. Dezember 2019, in Anbetracht des Klimawandels aufgegriffen. Beginn des Konzertes in der St.-Nicolai-Kirche, Am Markt 10, in Mölln ist um 17 Uhr. Es musizieren der Nicolaichor Mölln, das Collegium Musicum Lübeck, Franziska Stürzel (Sopran), Florian Sievers (Tenor) und Sönke Tams Freier (Bass). Die Leitung hat Kantor Thimo Neumann.

Biblische Schöpfungserzählung im Blick

Mit seinem Werk nimmt Haydn die biblische Schöpfungserzählung in den Blick. Es wird von der Erschaffung der Welt durch einen Gott erzählt, der Pflanzen, Tiere und Menschen erschafft und den Menschen beauftragt für seine Mitgeschöpfe zu sorgen. Gute 200 Jahre nach der Entstehung dieses musikalischen Stückes haben wir die Welt an den Rand des Kollapses gebracht: Artensterben, Klimawandel und Plastikmüll in den Weltmeeren bestimmen die täglichen Nachrichten. Allerhöchste Eisenbahn, das Verhältnis von Mensch, Tier und Pflanze noch einmal in den Blick zu nehmen.

Plastikmüll als Symbol in der Kirche

Kantor Thimo Neumann aus Mölln stellt sich der Frage: „Können wir angesichts der dramatischen Probleme auf unserem Planeten eigentlich noch mit gutem Gewissen musizierend die Schöpfung loben?“ Deswegen wird überall in der Kirche am Konzertabend Plastikmüll verteilt – als Symbol, wie wir Menschen mit der Schöpfung umgehen. „Das Orchester und der Chor musizieren sozusagen im Müll“, so Neumann.

Menschen müssen handeln

Jährlich überfluten rund zehn Millionen Tonnen Plastikmüll die Weltmeere. Um die Vermüllung zu stoppen, müssen Politik, Industrie und Verbraucher an einem Strang ziehen. Denn herausgefischt werden kann das Plastik nicht mehr. Das Meer ist inzwischen einer der dreckigsten Orte der Welt. In fünf großen Müllstrudeln treiben Plastiktüten, Plastikflaschen, Strohhalme und Zahnbürsten. Wahre Plastikmüll-Wellen werden an den Stränden angespült. Tun die Menschen nichts dagegen, wird 2050 mehr Plastik im Meer schwimmen als Fische. Von der Müllkatastrophe sind mehr als 663 Tierarten direkt betroffen. Jedes Jahr sterben etwa eine Million Seevögel und hunderttausend Meeressäuger an der Vermüllung. Oft verwechseln sie Plastikteile mit Nahrung und verhungern dann mit vollem Magen. Wale, Delfine und Schildkröten verfangen sich etwa in Sixpack-Trägern und alten Fischernetzen und ertrinken qualvoll. Bereichert wird das Konzert mit aufgenommenen Texten von Radiomoderator Jan Wiedemann aus Hamburg – als Gegensatz zu den lobenden preisenden Worten der Schöpfung werden Berichte von Klimakatastrophen abgespielt.

Der Eintritt kostet 16, ermäßigt zehn Euro (Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt im Vorverkauf (ab dem 18. November) zzgl. Vorverkaufsgebühr. Karten gibt es im  Kirchenbüro unter 04542/856880, bei Tourismus- und Stadtmarketing Mölln, www.kirche-moelln.de.

Quelle: Kirchengemeinde St. Nicolai, Mölln