Die Geschichte der Kirchengemeinde Brunstorf

Das Dorf Brunstorf wird urkundlich erstmals 1299 erwähnt und ist im Zuge der Rodung und Besiedlung des östlichen Teils des Sachsenwalds wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts angelegt worden. Eine Kirche in Brunstorf wird erstmals 1319 in der Taxe des Ratzeburger Bischofs erwähnt, aber sie dürfte wohl schon zeitgleich mit dem Dorf entstanden sein und war der Mittelpunkt eines Kirchspiels, das neben dem Kirchdorf auch die Dörfer und Siedlungen Havekost, Schwarzenbek, Dassendorf, Friedrichsruh und Aumühle umfasste.

Die große Ausdehnung des Kirchspiels führte dazu, dass schon sehr früh in Kröppelshagen und Dassendorf Kapellen errichtet wurden, von denen mindestens zwei schon 1319 bestanden. Mit Ausnahme von Schwarzenbek, das 1605 als eigenständige Parochie abgetrennt wurde, behielt die Kirchengemeinde Brunstorf seine Größe bis in das 20. Jahrhundert bei. Erst die zunehmende Besiedlung des östlichen Randgebiets des Sachsenwalds im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert führte eine Veränderung herbei, als 1910 Aumühle mit Friedrichsruh und Billenkamp als selbständige Kirchengemeinde abgeteilt wurde. Vor dem 16. Jahrhundert gibt es nur sehr wenige Nachrichten über die Kirche in Brunstorf. 1518 wird ein Geistlicher namens Werner Hachenborg erwähnt, der sich im Streit zwischen Herzog Magnus I. und dem Ratzeburger Bischof Bergmeier von Ratzeburg auf die Seite seines Landesherrn stellte. Der erste nachweislich lutherische Prediger, Andreas Wolf, wird 1545 erwähnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kirchspiel Brunstorf durch Truppendurchzüge in Mitleidenschaft gezogen. 1627 wurden die Pfarrhäuser in Brunstorf und Schwarzenbek durch Tillys Truppen niedergebrannt.

Elisabeth-Kirche in Brunstorf

Bau der Kirche 1777

Die Elisabeth-Kirche in Brunstorf ist die älteste in der Umgebung. Sie stammt aus dem Jahr 1777 und wurde auf den Resten einer Vorgängerkirche errichtet.  Von dieser zeugen noch die gleich großen, unbehauenen Feldsteine, die an der Nordwand der Kirche im unteren westlichen Teil zu sehen sind. Die erste Kirche ist wohl 1250 gebaut worden, gleich nach der Besiedlung des Sachsenwaldes. Die erste urkundliche bzw. schriftliche Erwähnung finden wir von 1319. Im Verlaufe der Jahrhunderte geben Material- und Reparaturlisten darüber Auskunft, dass die Kirche in einem schlechten baulichen Zustand war. Auch der Anbau von Stützpfeilern und die Reparatur des Turms konnten nichts daran ändern, so dass 1774 Pastor Schulze einen Alarmbrief an das Konsistorium in Ratzeburg schreiben musste: Inzwischen war die Kirche so baufällig geworden, dass geprüft werden sollte, ob ein Neubau nötig sei. So war es! Landbaumeister Laves plante die Kirche und gab den Leistungskatalog vor, Maurermeister Breitenstein erhielt den Zuschlag im April 1777 und stellte die Kirche tatsächlich im laufenden Jahr fertig.

1858 Umbau der Kirche

1858 wurde die Kirche umgebaut. Unter anderem wurde die Empore erweitert und die Deckenkonstruktion erneuert. Das Mittelschiff wurde nach oben durch ein hölzernes verputztes Gewölbe geschlossen. Die Emporenständer erhielten Halbsäulen. Diese wurden durch Gurtbögen verbunden. Die Bögen führte man auch von den Säulen zu den Außenmauern und gliederte so die flachen Seitenschiffdecken. Zwei rundbogige Fenster an der Altarseite wurden zugemauert, Holzfenster durch gusseiserne ersetzt, das Kirchengestühl neu gefertigt. Die Kanzel bekam eine neue Treppe, der Altar wurde ausgebessert. Im Innern ist das Kirchenschiff noch heute durch die zehn Holzsäulen, die ein Tonnengewölbe tragen, gegliedert. Das Gewölbe ist  mit einem Sternenhimmel ausgemalt.

Die Figuren nach Neuanfertigung des Kanzelaltars 1860

Trotz der Ausbesserungen 1858 wurde der Bitte von Pastor Lüttmann vom 23.1.1860 um einen neuen Altar und einer neuen Kanzel stattgegeben. Ein sogenannter Kanzelaltar (Hochaltar mit Schwalbennestkanzel) entstand. Drei Figuren des alten Flügelaltars wurden übernommen. Die Figuren des Petrus und Johannes wurden rechts und links auf Höhe des Kanzelbodens aufgestellt. Die Figur der Anna Selbdritt erhielt einen Platz am vorletzten Pfeiler links. 

Anna Selbdritt

Die Figur der Anna Selbdritt stammt aus dem 16. Jahrhundert. Dargestellt ist Anna mit ihrer Tochter Maria auf dem einen und dem Jesuskind auf dem anderen Arm. Die Figur entspricht der damals gängigen Darstellungsweise, Maria als kleines Mädchen darzustellen. 

Die zwei Apostelfiguren

Die zwei Apostelfiguren Petrus (bärtig und ein Buch in der Hand) und Johannes (den Kelch in der Hand) stammen aus der Spätgotik (1400/1500). Typisch sind der organische Aufbau der Figuren, die Emotionalität in den Gesichtern und die „Stofffülle“ der Gewänder.

Die Geschichte der Glocken

Das Geläut der Kirche besteht eigentlich aus drei Glocken. 1681 waren die drei Glocken gegossen worden. Jedoch waren die größte und die kleinste schnell geborsten und unbrauchbar geworden. 1697 wurden sie deshalb neu zu einer gegossen. Diese neu gegossene Glocke tut noch heute ihren Dienst in der Elisabeth-Kirche. Sie trägt im oberen Teil fünf Schriftbänder mit Namen, vermutlich die Namen der Hauptspender. Das Spruchband unten dokumentiert: MR. IOHAN FALLENTIN GOS MICH IN HAMBURG ANNO 1697 M: IOHAN LVDEWICH QWENSTEDT.

Wo die mittlere Glocke von 1681 geblieben ist, ist nicht bekannt. 1817 kamen zwei größere Glocken hinzu, die Dietrich Bieber gegossen hatte. Die erste Glocke beträgt 95 Zentimeter Durchmesser und wiegt 550 Kilogramm. Die zweite Glocke misst 85 Zentimeter und wiegt 375 Kilogramm. Die Glocke von 1697 misst 65 Zentimeter und wiegt 150 Kilogramm. Die zwei größeren Glocken mussten 1917 als Kriegsmaterial zum Einschmelzen abgegeben werden. Nach dem Krieg fand man die größere von beiden im Hamburger Hafen wieder, wo sie für die Schmelze gelagert war. 1919 wurde sie zurückgekauft. 1942 musste sie erneut abgegeben werden, konnte aber wieder, schon zum zweiten Mal, nach Kriegsende heil zurückgeholt werden und hängt seitdem an ihrem Platz. Der Platz im westlichen Glockenstuhl ist seit dem ersten Weltkrieg leer.

Die Renovierung der Kirche 1971

Durch die Renovierung unter Pastor Schirren erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen. Der Nürnberger Bildhauer Heinz Heiber fertigte einen schlichten freistehenden Altartisch aus einem Ziegelsockel mit einer Eichenplatte sowie die Kanzel aus gleichem Material mit einer Ziegeltreppe. Er gestaltete auch die Taufstele aus Lindenholz und das T-förmige Kreuz, in dem die Figuren der zwei Apostel, der Anna Selbdritt und die barocke Figur des Christus Triumphators ihren Platz fanden. Christus hebt den Arm als Zeichen seines Sieges über den Tod und verweist zugleich auf das in Gold- und Rottönen gestaltete Kreuz, das Hinweis geben könnte auf das himmlische Jerusalem und das Morgenrot, das nach jeder noch so schweren Nacht anbricht und das Dunkle vertreibt. Die alten Kirchenbänke wurden durch Stühle ersetzt, die eine vielfältige Art der Bestuhlung je nach Gottesdienstform ermöglichen.

Der lange auf dem Kirchenboden abgestellte, wurmstichige barocke Taufengel, der 1738 von dem Grafen zur Lippe gestiftet worden war, wurde nun wieder aufgehängt. Der Bildhauer Hensel/Kiel und der Restaurator Mannewitz/Oldeslohe hatten ihn restauriert. Der Engel hält eine Posaune in der linken Hand und bläst sie zum Versprechen an die Täuflinge, dass sie eines Tages auferstehen werden mit Christus. Seine rechte Hand trägt einen Kranz, in den früher die Taufschale von 1738 eingesetzt wurde.

Es lohnt sich, diese Taufschale aus der Nähe zu betrachten. Beckenschläger haben über einem Hochrelief-Model ein besonderes Motiv in den Schalenboden „geschlagen“. Der Engel Gabriel erscheint Maria und verkündet ihr die Geburt des Gottessohnes. Da man die Schale in die 1971 neu angefertigte Taufstele einsetzen wollte, wurde der Schalenrand erhöht, so dass die Schale heute nicht mehr in die Hand des Taufengels passt.

In den letzten Jahren

Zwischen 2003 und 2005 wurde es durch größere und kleinere Spenden unserer Gemeindemitglieder möglich, sich für die textile Gestaltung des Altares, der Kanzel und des Lesepultes für die Kirche eigens entworfene Paramente (Behänge) zu leisten. Kathrin Niemeyer, Mitarbeiterin der Paramentenwerkstatt Ratzeburg entwarf und fertigte die Stücke. 2008 wurde von Peter Eingrüber einen Kerzenleuchter, der an einen Baum erinnern mag, entworfen und geschmiedet. Dort ist es KirchenbesucherInnen möglich eine Kerze anzuzünden. 2016/17 wurde der fest installierte Taufengel wieder „beweglich“ aufgehängt, so dass er wieder vom Dachstuhl aus zu Taufen herunter gelassen werden kann. Tischlerei Molzahn hat eine wunderschöne Holzschale gedrechselt, die unser Engel in seiner Hand halten kann. 2017 fand die Dank einer Spende frisch restaurierte Gedenktafel der Johanna Maria Wuppermann *1739 +1764, mit dem Unterzeichner Wilhelm Barthels einen Platz in unserer Kirchengemeinde.

Die Versöhnungskirche in Dassendorf

Dassendorf besaß schon im Mittelalter eine Kapelle, die aber im 16. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das einst kleine Dorf Dassendorf erheblich an. Durch den Zuzug von Flüchtlingen und ausgebombten Hamburgern stieg die Bevölkerungszahl Dassendorfs von 300 (Stand 1939) auf fast 2 500. Gottesdienste, Bibelstunden und KonfirmandInnenunterricht fanden zunächst in der Schule und in der Gastwirtschaft statt. 1960 wurde nach Plänen des Architektenehepaars Barbara und Wolfgang Vogt die Versöhnungskirche errichtet. Das Innere ist gradlinig und schlicht gestaltet.  Die vier Buntglasfenster zu den Themen Weihnachten bzw. Epiphanias (das Fest der Heiligen drei Könige), Karfreitag, Ostern (Jesus mit den Emmausjüngern) und Himmelfahrt können deshalb gut zur Geltung kommen. Die Fenster wie das Altarkreuz stammen aus der Werkstatt von Alfred Roß in Kiel.

Das Altarkreuz symbolisiert mit seinen Emaillearbeiten die vier Evangelisten: unten Matthäus (Engel), links Markus (Löwe), rechts Lukas (Stier) und oben Johannes (Adler). Der Kirchbau war nur möglich durch hohe Spenden der Gemeindeglieder, nicht nur in größeren und kleineren Geldbeträgen, sondern auch in über 600 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden. Auch die drei kleinen Glocken (mit den Namen Glaube, Hoffnung, Liebe) im nebenstehenden 11m hohen Turm waren eine Spende. Nebenräume für den Unterricht und die Gruppen baute man in den Jahren 1983/84 an. 1975 wurden ebenfalls auf dem Grundstück der Kirchengemeinde eine Kindertagesstätte und ein Wohnhaus, das für den Hausmeister vorgesehen war, gebaut. 1996 und 2011 wurden die Kindertagesstätte um einen Anbau für eine Ganztagesgruppe und eine Krippengruppe erweitert.

2014 erhielten Kirche und angefügte Nebenräume ihr heutiges Gesicht unter der Planung des Architektenbüros Johannsen und Partner. Die Nebenräume wurden zu Räumlichkeiten für eine Krippengruppe umgebaut. Die Sakristei und der Heizungsraum der Kirche wurden so umgestaltet und vergrößert, dass Teeküche und ein Stuhl- und Tischlager eingerichtet werden konnten. So wird nun der Kirchraum vielfältig besucht und genutzt für Gottesdienste verschiedener Art, Kirchencafés, KonfirmandInnenunterricht, Flohmarkt, Chorproben, Elternabende und Teamsitzungen der Kindertagesstätte. Blickfang seit dem 1. Advent 2015 sind Kanzel- und Altarparamente, die die Künstlerin Anne-Katrin Hagen entworfen hat. Wie auch die Paramente in der Brunstorfer Elisabeth-Kirche wurden sie in der Paramentenwerkstatt in Ratzeburg gewebt.

Die Elisabeth-Kirche in Brunstorf.
Die Elisabeth-Kirche in Brunstorf.
Die Versöhnungskirche in Dassendorf
Die Versöhnungskirche in Dassendorf