Die Geschichte der Kirchengemeinde Lauenburg/Elbe

Die Kirchengemeinde Lauenburg/Elbe umfasst die Stadt Lauenburg und Schnakenbek mit eigener Kapelle. Die Geschichte der Kirchengemeinde Lauenburg ist eng mit dem Herzogsgeschlecht der Askanier verbunden. Die Maria-Magdalenen-Kirche wurde von Herzog Albrecht I. zum Andenken an seinen Sieg in der Schlacht bei Bornhöved am Maria-Magdalenen-Tag, dem 22. Juli 1227, gestiftet. Diese Angaben finden ihre Bestätigung in zeitgenössischen Quellen, denn im Zehntregister von 1230 werden weder Stadt noch Kirchspiel Lauenburg erwähnt. Die Gründung des Kirchspiels erfolgte kurz darauf, denn 1243 wird erstmals ein Pfarrer namens Burchardus in Lauenburg erwähnt. Um diese Zeit wurde auch mit dem Bau der Maria-Magdalenen-Kirche im Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik begonnen. Von 1564 bis 1705 war Lauenburg Sitz des Superintendenten, der auch zugleich Prediger an der Kirche war. 1806 wurde in der Oberstadt ein neuer Friedhof angelegt, auf dem 1809 eine Kapelle errichtet wurde. 1968 wurde im Neubaugebiet im Westen der Stadt ein Gemeindezentrum errichtet, das 1980 in Dietrich-Bonhoeffer-Haus umbenannt wurde und 2013/2104 zu einem Familienzentrum mit Kindertagesstätte erweitert wurde.

Die Maria-Magdalenen-Kirche

Die Kirche ist ein einschiffiger Hallenbau, dessen ursprüngliches Aussehen sich wegen späterer Umbauten nicht mehr genau erschließen lässt. Ende des 16. Jahrhunderts ließ Herzog Franz II. das Nord- und Südportal im Stil der niederländischen Renaissance erneuern und legte den Chorraum mit dem herzoglichen Begräbnis an. Um 1700 wurde das Tonnengewölbe eingebaut und ein hölzerner Kirchturm auf dem Stumpf eines älteren steinernen Turms errichtet. Dieser wurde 1901 durch einen neugotischen Turm ersetzt. 1827 ließ der damals amtierende Pastor Uthoff die Kirche im klassizistischen Stil umgestalten wobei viele Kunstwerke, darunter das herzogliche Grabmonument, ein Schnitzaltar und die Triumphkreuzgruppe entfernt und teilweise zerstört wurden. 1868 erfolgte eine Umgestaltung im historistischen Stil. Die heutige Gestaltung des Innenraums geht auf die Sanierung in den Jahren 1952 bis 1959 zurück, als alle historistischen Zutaten wieder entfernt wurden. Bei der letzten Sanierung 2002 bekam der Kirchenraum einen Anstrich in hellen Ocker- und Grautönen.

Trotz der vielen Veränderungen haben etliche Kunstgegenstände bis zum heutigen Tag überdauert. Herausragende Werke sind das Vergänglichkeitsbild (Mitte 15. Jahrhundert), das Triumphkreuz aus der Werkstatt von Bernd Notke in Lübeck (Mitte 15. Jahrhundert) und der doppelfigurige Marienleuchter, der auf der einen Seite Maria als Himmelskönigin und auf der anderen Seite die Gruppe Anna Selbdritt zeigt.
Weitere bemerkenswerte Ausstattungsstücke sind das bronzene Taufbecken (1466), ein weiterer gotischer Marienleuchter (Mitte 15. Jahrhundert, 1629 umgearbeitet), und das Alabasterepitaph von Peter Weltzin (1590). Es wird dem Lübecker Bildhauer Robert Coppens zugeschrieben, der auch das herzogliche Grabmonument geschaffen hat, von dem in der Kirche noch das kniende Herzogspaar, die Figuren der vier Evangelisten und einige Wappentafeln erhalten sind. Der Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1627.

Die St.-Johannis-Kapelle in Schnakenbek

Zum 1. Januar 1968 wurde die bis dahin zu der hannoverschen Kirchengemeinde Artlenburg gehörende Kapellengemeinde Schnakenbek nach Lauenburg eingepfarrt.
Im Ratzeburger Zehntregister von 1230 gehörte Schnakenbek zur Parochie Lütau, später bekam das Dorf dann eine eigene Kapelle, den Vorgängerbau der heutigen St.-Johannis-Kapelle. Noch vor 1581 wurde Schnakenbek vermutlich wegen der bequemen Fährverbindung dem Kirchspiel Artlenburg zugeordnet. Die erste urkundliche Erwähnung der St.-Johannis-Kapelle in Schnakenbek erfolgte im Visitationsbericht von 1581, aber sie dürfte älter sein. 1854/55 wurde das baufällig gewordene kleine Gotteshaus durch den heutigen Bau ersetzt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die St.-Johannis-Kapelle in Folge von Artilleriebeschuss stark beschädigt, aber die Wiederherstellungsarbeiten erfolgten erst zwischen 1953 und 1957. Von der Ausstattung der alten Kapelle wurden Figuren eines spätgotischen Schnitzaltars übernommen, die 1962 in der heutigen Anordnung im Altarraum arrangiert wurden.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.