Kirchengemeinde Lütau Spatenstich für autarke Energieversorgung

V. li.: Annette Piening, Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche, Wolfgang Baaske, Ingenieurbüro Umweltschutz und Technik Harrislee, Ingenieur Andreas Tech, Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Olaf Dey, Kirchengemeinderat Lütau, Michael Eggers, Bauausschussvorsitzender des Kirchgemeinderates und Pastorin Anna Christ vor der Plattform, an dem das Heizhaus in Kürze errichtet wird. Direkt dahinter wird die Solarthermie erbaut.

Die Kirchengemeinde Lütau mit ihren 1.400 Gemeindegliedern will klimaneutral werden: Die drei kirchlich genutzten Gebäude – die Kirche St. Dionys und St. Jakobus, das Pastorat und der Kindergarten sollen künftig mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Der heute gesetzte Spatenstich sollte schon früher stattfinden, aufgrund von Verzögerungen beim Genehmigungsverfahren verschob er sich. Doch nun geht es endlich los und das Heizhaus für den Heizkessel, eine automatische Beschickungstechnik, die Wärmeleitungen und die Solarthermie-Anlage werden bis 2021 errichtet. Das Fundament des Heizhauses wurde soeben aus Beton gegossen. Befeuert wird die Anlage mit eigenen Knickholzabfällen von Flächen der Kirchengemeinde, die für den Betrieb der Holzhackschnitzelheizanlage ausreichen.

Positives Signal in der Region

Als ausgewählte Maßnahme des Klimaschutzmanagements der Nordkirche sind für das Projekt auch Mittel der Nationalen Klimaschutzinitiative bewilligt. Der Bund beteiligt sich entsprechend mit 200.000 Euro an den Kosten von insgesamt 826.737 Euro. Die weiteren Kosten teilen sich die Kirchengemeinde Lütau, der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, die Nordkirche sowie die EU bzw. das Land. Zuletzt bewilligte die EU durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und das Land Schleswig-Holstein über die AktivRegion Sachsenwald-Elbe 100.000 Euro Fördermittel mit dem Titel „Klimafreundliche intelligente Wärmeversorgung aus Landschaftspflegeholz und Solarthermie für die Gebäude der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lütau mit integriertem Informationsangebot Hauptziel: Klimaschutz und Energiesparen“. Trotz dieser großzügigen Zuwendungen muss die Kirchengemeinde mit ihrem Eigenanteil voraussichtlich an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit gehen und bittet daher Bürger aus der Umgebung, die helfen möchten das genannte Ziel zu erreichen, um weitere Spenden.

Wegweisende Idee

„Unseren Alltag klimaneutral zu gestalten ist vielleicht die wichtigste Aufgabe dieser Zeit. Ich sehe die Initiative in Lütau deshalb als einen wichtigen und aktuellen Beitrag zu einem Thema, das uns in der Kirche von Anfang an beschäftigt: die Bewahrung der Schöpfung. Ich freue mich sehr über das Engagement und die Beharrlichkeit der Menschen in Lütau!“, so Pröpstin Frauke Eiben. „Das Thema „Klima“ ist in aller Munde und wird täglich aktueller. Der Weg zur bevorstehenden Errichtung unseres kleinen Wärmenetzes war oft steinig und wurde in unserer Kirchengemeinde mit viel ehrenamtlichem Einsatz über Jahre vorangetrieben. Der Verzicht auf fossile Brennstoffe durch Einsatz von Sonne und Holz aus der direkten Umgebung der Gebäude ist eine wegweisende Idee. Gleichzeitig kann unsere schöne Kirche so wesentlich schonender und gleichmäßiger beheizt werden“, ergänzt Michael Eggers vom Kirchengemeinderat Lütau und Bauausschussvorsitzender der Gemeinde.

Insellösung für Nachahmer

Norbert Brackmann (CDU), Mitglied des Bundestages, erklärt: „Der heutige Spatenstich läutet nicht nur den Baubeginn ein, sondern ist ein tolles Statement der Kirche für den Klima- und Umweltschutz. Was hier in den nächsten Monaten entstehen wird, zeigt auf besondere Weise, wie sich Klimaschutz und alte Gemäuer in Einklang bringen lassen. Denn noch immer gelten denkmalgeschützte bzw. alte Gebäude und Klimaschutz als unvereinbar. Hier wird nun das Gegenteil demonstriert auf eine ziemlich kluge Art und Weise. Man baut sich ein eigenes Wärmenetz und tastet die alten Gemäuer nur minimal an. Solche Insellösungen sind der richtige Weg – hiervon können viele andere Kirchgemeinden und Bauträger lernen“.

80 Prozent Einsparung bei Treibhausgasemissionen

Durch die Umstellung der Beheizung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien wird eine Minderung der Treibhausgasemissionen um rund 80 Prozent erwartet, konkret 32 Tonnen CO2. „Auf einer Freifläche des Pastorates wird für den Betrieb der Anlage und die Lagerung der Hackschnitzel ein einstöckiges Heizhaus mit rund 120 Quadratmeter Fläche errichtet“, informiert Ingenieur Andreas Tech von der Bauabteilung des Kirchenkreises. Eine Förderschnecke bringe das Knickholz vom Lager ins Heizhaus und dort eine weitere zum Heizkessel. „Zusätzlich findet auf der Wiese die Solarthermieanlage mit rund 40 Quadratmetern ihren Platz, die zur Warmwassererzeugung für Pastorat und Kindergarten dient und einen größeren Anteil der benötigten Heizwärme liefert.“ Ebenso werde das Heizungssystem der Kirche erneuert und mit angeschlossen und die jetzige Luftheizung durch eine Fußbodenheizung ersetzt. „Neben dem tollen Komfortgewinn für Kirchenbesucher ist ein weiterer großer Vorteil, dass die Kirche damit bis weit in den Oktober hinein und wieder ab März ganz überwiegend mit Sonnenwärme beheizt werden kann“, sagt Pastorin Anna Christ.

Menschen für Klimaschutz sensibilisieren

„Die Förderung und Realisierung von innovativen, neuartigen und auf andere Gemeinden übertragbare Projekte in unserer Gebietskulisse stehen auch im Fokus der Arbeit der LAG AktivRegion Sachsenwald-Elbe e.V.“, so Regionalmanager Georg Küpper. Es macht immer wieder aufs Neue sehr viel Spaß, lokale Akteure vor Ort für den Klimaschutz und das Energiesparen zu begeistern. Menschen für das Themenfeld Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und zum (Um)Denken über ihr eigenes Verhalten anregen, ist eine alltägliche Herausforderung, der wir uns stellen“. Das Land Schleswig-Holstein gewährt Zuwendungen für die Umsetzung von verwaltungsbehördlich genehmigten integrierten Entwicklungsstrategien (kurz: sog. IES-Strategien) im Rahmen der Fördermaßnahme LEADER mit mehreren Förderschwerpunkten, unter anderem auch den Klimawandel und Energie.

Nordkirche will bis 2050 klimaneutral werden

Die Nordkirche wählte das Vorhaben als Pilotprojekt aus und unterstützt es nicht nur finanziell, sondern auch mit einer landesweiten Kommunikation. „Wir als Nordkirche wollen bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Dieses Projekt ist ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg, den die Nordkirche sehr gerne unterstützt. Gemeinsam mit den vielen engagierten Menschen in der Kirchengemeinde wollen wir als Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche die hier verwendeten Heiztechniken und ihre positiven Effekte für den so aufbereiten, dass sie für alle verständlich und begreifbar werden. Damit möchten wir zeigen, wie das Thema Klimaschutz in konkretes Handeln übersetzt werden kann, und alle Interessierten in der Nordkirche und darüber hinaus zu eigenem Engagement einladen.“, erklärt Annette Piening vom Klimaschutzbüro der Nordkirche. So soll die Technik im einsehbaren Heizhaus anschaulich gemacht werden, eine Dauerausstellung im Wehrturm der Kirche Besuchern offenstehen und ein Lernort zur Erkundung von technischen Grundlagen und von Ideen für den praktischen Klimaschutz eingerichtet werden. „Und natürlich sind Bürgerinnen und Bürger der Region, Schulklassen, Kitas und Touristen eingeladen, den Klimaschutz-Lernort aktiv zu erfahren.“ Außerdem gibt es in Lütau eine Pilgerstätte an der „Via Scandinavica“, sodass auch Menschen aus Nah und Fern die neue Art des Heizens kennenlernen können.

Eine Beschreibung des Projektes mit aktuellen Berichten der Meilensteinde findet sich auf https://www.kirchefuerklima.de/gebaeude/beispiele/beispiele-fuer-waerme-aus-erneuerbarer-energie.html.

Derzeit werden die Rohre verlegt, die die Kirche bald mit dem Heizwerk verbinden.