Die Geschichte der Kirchengemeinde Mustin

Das Kirchspiel Mustin wird erstmalig 1194 in einer Urkunde über die Güterteilung zwischen dem Ratzeburger Bischof und dem Domkapitel erwähnt. Heute gehört außer dem Kirchdorf Mustin nur noch Kittlitz zur Kirchengemeinde. Ursprünglich war das Kirchspiel größer und umfasste bis 1945 auch die Dörfer Dechow, Dutzow, Groß Thurow, Klein Thurow und das 1976 zerstörte Lankow. Während Dutzow schon immer auf Mecklenburger Gebiet lag, gehörten die übrigen Dörfer zum Kreis Herzogtum Lauenburg. Als die im Mai 1945 gezogene Demarkationslinie zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone am 13. November 1945 durch das Barber-Lyaschenko-Abkommen korrigiert wurde, fielen auch die östlich dieser Linie liegenden Lauenburgischen Dörfer in die sowjetisch besetzte Zone. Damit verlor Mustin faktisch fast der Hälfte ihres Gemeindegebietes verlustig. Zwar gehörten die ausgetauschten Dörfer sowie Dutzow rechtlich weiterhin zur Kirchengemeinde Mustin, wurden aber im Zuge der immer undurchlässiger werdenden Grenze praktisch von der mecklenburgischen Kirchengemeinde Roggendorf versorgt. Nach der Wiedervereinigung wurden diese Dörfer schließlich offiziell an die damalige Mecklenburgische Landeskirche abgegeben. Um auch in Zukunft die kirchliche Arbeit in der Gemeinde im vollen Umfang zu gewährleisten, ist die Kirchengemeinde Mustin 2002 eine Kooperation mit der benachbarten Kirchengemeinde Seedorf eingegangen. Seitdem teilen sich beide Gemeinden die Pastorenstelle und die Stelle der Gemeindesekretärin.

Die Maria-Magdalenen-Kirche

Schon im 12. Jahrhundert wird eine Kirche in Mustin vorhanden gewesen sein, von der aber nichts bekannt ist. Die heutige Maria-Magdalenen-Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im romanisch-gotischen Übergangsstil als einschiffiger Raum mit eingezogenem Kastenchor in der Tradition der ostholsteinischen Feldsteinkirchen gebaut. Der älteste Teil der Kirche ist der Chor, der im vorderen Teil noch bis zum Dach aus Feldsteinen errichtet wurde. Auch das Kirchenschiff ist ursprünglich als Feldsteinbau konzipiert gewesen, wurde aber ebenfalls ab der Höhe der Fenster in Backstein zu Ende gebaut. Die spätromanischen Kreuzrippengewölbe, von denen noch Vorlagen in den Westecken und an den Wänden erhalten sind, wurden jedoch 1860 durch eine Balkendecke ersetzt. In diesem Jahr erhielt die Kirche auch die Stützpfeiler. Der hölzerne Glockenturm wurde im 18. Jahrhundert errichtet.

Im Kirchenschiff zeugen die sechs Medaillons mit Heiligendarstellungen im Chor und die Kreuzigungsszene im Chorjoch von der gotischen Ausmalung. Ansonsten stammt die Ausstattung der Kirche aus jüngerer Zeit. Die Kreuzesgruppe mit ihren unterlebensgroßen Figuren aus Eichenholz ist ein Werk des späten 15. Jahrhunderts. Von dem um 1680 geschaffenen Altaraufsatz sind noch zwei Bilder vorhanden, die heute an der Südwand hängen. Auch die Kanzel stammt aus der Zeit und wurde der Kirche 1682 von dem damaligen Pastor H. Abraham Müller geschenkt. 1975 erhielt sie einen Schalldeckel nach altem Muster.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Die Maria-Magdalenen-Kirche in Mustin
Die Maria-Magdalenen-Kirche in Mustin