Die Geschichte der Kirchengemeinde Seedorf

Zur Kirchengemeinde Seedorf gehören die Dörfer Seedorf und Klein Zecher sowie die Salemer Ortsteile Dargow und Bresahn. Das Kirchspiel Seedorf wird erstmals 1194 in der Urkunde über die Güterteilung zwischen dem Ratzeburger Bischof und dem Domkapitel erwähnt und gehört damit zu den ältesten Kirchspielen im Herzogtum Lauenburg.

Im Kirchspiel Seedorf lag auch die der Maria geweihte Wallfahrtskapelle in Klein Zecher (Marienstedt), deren Quelle im Mittelalter eine wundersame Heilkraft zugesprochen wurde. Diese Kapelle wurde erstmals 1416 erwähnt. Die besondere Bedeutung Klein Zechers als Wallfahrtsort spiegelt sich auch in drei leider nur als jüngere Kopien erhaltenen Ablassbriefen aus den Jahren 1459, 1466 und 1474 wider.

Enge Kooperation mit der Gemeinde Mustin

Die Kirchengemeinde Seedorf ist 2002 eine enge Kooperation mit der benachbarten Gemeinde Mustin eingegangen. Beide Kirchengemeinden lagen bis 1990 direkt an der innerdeutschen Grenze, wobei Mustin fast die Hälfte seines ursprünglichen Gemeindegebietes verloren hatte. Angesichts rückläufiger Gemeindegliederzahlen bot sich daher eine enge Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden an. Seedorf und Mustin teilen sich die Pfarrstelle und die Stelle der Gemeindesekretärin. Außerdem wird ein gemeinsamer Gemeindebrief herausgegeben, und auch der Kindergarten in Mustin steht den Seedorfer Familien offen.

Die St. Clemens-und-St.-Katharinen-Kirche

Die St.-Clemens-und-St.-Katharina-Kirche wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts als einschiffiger Backsteinbau mit eingezogenem Kastenchor errichtet. Das ursprüngliche Gewölbe im Schiff wurde um 1400 durch das jetzige Kreuzrippengewölbe ersetzt. Im unverändert gebliebenen Chorgewölbe ist in der Ostkappe noch die Ausmalung aus der Anfangszeit der Kirche erhalten. Dargestellt ist die Deesis, das heißt die Darstellung vom segnenden Christus, der zwischen Maria und Johannes als Fürbitter thront. Diese Wandmalereien im Stil der byzantinischen Konturenmalerei unter sächsischem Einfluss gehören zu den ältesten ihrer Art in Schleswig-Holstein. Im 14. Jahrhundert wurde die Darstellung so verändert, dass die ursprünglichen Bildnisse von Maria und Johannes übermalt und durch zwei größere Figuren an den Rändern ersetzt wurden. Bemerkenswert ist auch eine um 1400 entstandene Teufelsdarstellung, die möglicherweise Bezug zu den im Schaalseegebiet verbreiteten Teufelssagen nimmt.

Innenausstattung der Kirche

Von den Ausstattungsstücken ist der 1964 von dem Bildhauer Max Schegulla geschaffene Altar erwähnenswert. Der Altaraufsatz orientiert sich in Form sowie Material und Ausführung an einen gotischen Flügelaltar. Auf dem Mittelbild ist Christus als Sämann und guter Hirte dargestellt, die Seitenflügel zeigen links ebenfalls Christus als Sämann, wobei er mit der durchbohrten Hand als Auferstandener gekennzeichnet ist, und rechts Christus, der Petrus aus den Fluten rettet und im Hintergrund die Stadt Jerusalem mit den Kreuzen von Golgatha. Auf der Predella ist die Kirche als Schiff im Meer der Zeit abgebildet. Die Außenseiten der Flügel sind mit einer Pieta geschmückt. Jüngstes Kunstwerk ist das Kruzifix, das 1979 von Hermann Knippel aus Bad Nauheim-Wisselsheim aus jahrhundertealtem Eichenholz, das von der Wildscheune in Groß Zecher stammt, geschnitzt wurde. An die Patronatsfamilie von Witzendorff erinnert ein Epitaph aus dem Jahr 1617.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.