Die Geschichte der Kirchengemeinde Bodelschwingh

Bis zum Zweiten Weltkrieg war das heutige Gemeindegebiet mit dem Dorf Schönböcken und dem Stadtgut Roggenhorst noch sehr ländlich geprägt, doch durch die Gründung eines neuen Siedlungsgebietes in diesem Bereich bekam diese Region innerhalb kurzer Zeit ein städtisches Gepräge. Zur seelsorgerischen Betreuung der Bewohner des neuen Stadtviertels wurde zunächst eine weitere Pfarrstelle an St. Lorenz eingerichtet, die mit dem Pastorat und dem Kindergarten auf dem Eckgrundstück zwischen Beethovenstraße und Richard-Wagner-Straße einen Mittelpunkt bekam. Zum 1. Januar 1963 wurde die Friedrich-von-Bodelschwingh-Gemeinde aus dem dritten Pfarrbezirk und Teilen der 1954 gegründeten Paul-Gerhardt-Gemeinde als eigenständige Kirchengemeinde gebildet.

Grundsteinlegung der Kirche

Am 12. September 1963 erfolgte die Grundsteinlegung für die Kirche und das Gemeindehaus. Das Ensemble wurde nach Plänen des Hamburger Architektenbüros Grundmann und Sandtmann errichtet, wobei zum großen Teil der damals moderne Baustoff Beton Verwendung fand. Am 14. März 1965 wurde die Friedrich-von-Bodelschwingh-Kirche schließlich eingeweiht. Der aus Betonpfeilern errichtete Glockenträger wurde zum Wahrzeichen des Stadtteiles, wenngleich er seit einer Sanierung 2005 nicht mehr seine ursprüngliche Höhe hat.

Der Kirchenraum

Auch im Kirchenraum dominiert der Werkstoff Sichtbeton; aus ihm hat der Freiburger Bildhauer Professor Peter Dreher Taufstein, Kanzel und die Jerusalemkrone über dem Altar gegossen. Die Jerusalemkrone nimmt die Form mittelalterlicher Kronen auf und symbolisiert das himmlische Jerusalem. Sie ist mit zehn Platten geschmückt, auf denen die Passionsgeschichte dargestellt ist. Farblich wird der Raumeindruck durch die Seitenfenster geprägt, die von dem Glasmaler Lothar Quinte aus Karlsruhe in Blautönen – den Farben des Himmels und Jenseitigen – gestaltet wurden. Die Orgel wurde 1983 von der österreichischen Orgelbaufirma Rieger gebaut. Sie hat 24 Register, die auf zwei Manuale und ein Pedal verteilt sind, und hebt sich mit ihrem französischen Klanggepräge von anderen Instrumenten in Lübeck deutlich ab. Mit ihrer schlichten, schlanken Gestalt orientiert sie sich äußerlich an den Instrumenten der Renaissance und ist bewusst in den Altarraum integriert. So wird schon an der Position der Orgel der hohe Stellenwert sichtbar, den die Kirchenmusik traditionell in der Bodelschwingh-Gemeinde hat.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Außenansicht der Bodelschwingh-Kirche Lübeck
Außenansicht der Bodelschwingh-Kirche Lübeck