Die Gesichte der Kirchengemeinde St. Georg Genin

Eine Kirche in Genin wird urkundlich erstmals 1276 in einem Verzeichnis der Einkünfte des Lübecker Domkapitels erwähnt, doch bei dieser Angabe handelt es sich um einen Zusatz aus der Zeit des Bischofs Heinrich von Bocholt, der von 1317 bis 1341 amtierte. Die erste sichere Nachricht über eine Kirche in Genin stammt aus dem Jahr 1346. Hieraus ist zu schließen, dass die Kirche zu Genin vermutlich erst während der Amtszeit von Bischof Bocholt errichtet worden ist.

Der älteste Teil der Kirche ist der quadratische Chor mit einem polygonalen 5/8-Abschluss und einem Kreuzrippengewölbe aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts. Das Kirchenschiff wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Die finanziellen Mittel für den Bau wurden durch zwei Stiftungen aus den Jahren 1466 und 1487 bereitgestellt. Um 1600 wurde das Kirchenschiff vergrößert und der quadratische Turm errichtet. Nachdem im Winter 1703/1704 das Kirchendach infolge eines Sturmschadens eingestürzt war und das Innere der Kirche verwüstet hatte, erfolgte 1704 bis 1706 der Wiederaufbau im barocken Stil. Dabei wurde die Decke als flachbogiges Tonnengewölbe konstruiert und mit reichen Stuckarbeiten geschmückt.

Ausstattung der Kirche wird vervollständigt

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Ausstattung im spätbarocken Stil vervollständigt. 1719 wurde der gotische Hochaltar durch einen von dem Lübecker Künstler Jakob Hieronymus Hassenberg geschaffenen Altar ersetzt, der sich in seinen Formen an dem ehemaligen Hochaltar von Quellinus in der St.-Marien-Kirche orientiert. Etwas jünger ist die Taufe aus Sandstein (1731). Die aus der Mitte der Nordwand erbauten Logen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts waren für das Domkapitel und die Herren der Güter Moisling und Niendorf bestimmt.

Entwicklung zur Zeit der Reformation

Von der Reformation in Lübeck 1531 blieb Genin wegen seiner Zugehörigkeit zum Domkapitel, das sich der Reformation zunächst verweigerte, ausgenommen. Erst 1542 wurde auf Drängen des Lübecker Rates der Prediger Hinrich Brokes wegen seines Festhaltens am Katholizismus aus dem Amt entfernt, aber auch danach wurden in Genin weiterhin Messen nach katholischem Ritus abgehalten. Das Festhalten an den Messen veranlasste den Rat 1545, die Geniner Kirche gewaltsam zu schließen, woraufhin das Domkapitel Schutz und Hilfe beim Bischof und beim dänischen König holte. Erst 1556 beruhigte sich mit der Einsetzung eines Mönches als evangelischer Prediger die Situation.

Als am 2. April 1804 das Domkapitel aufgelöst wurde, wurden die Kapiteldörfer einschließlich Genin mit allen Rechten der Stadt Lübeck übertragen. Damit ging zugleich die Kirchenhoheit über Genin vom Domkapitel auf den Rat der Stadt über. 1966 wurde Moisling, das sich in Folge von Gewerbeansiedlung und Wohnungsbau im großen Stil innerhalb weniger Jahre von einem Dorf zu einem modernen Stadtteil entwickelt hatte, von der Kirchengemeinde St. Georg-Genin abgetrennt und bildet seitdem die Johann-Hinrich-Wichern-Kirchengemeinde.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Außenansicht der St.-Georg-Kirche in Genin
Außenansicht der St.-Georg-Kirche in Genin