Lübeck

Wenn an St. Jakobi die Zeit stehen bleibt...

Lübeck. Wer in diesen Tagen an St. Jakobi zu Lübeck vorbeikommt und zur Turmuhr hinaufschaut, sollte sich besser nicht auf die angezeigte Zeit verlassen - es sei denn, es ist mittags oder nachts um etwa 20 vor 2. Warum? Die Zeiger stehen still. Ausgerechnet die einzige historische Uhr der Lübecker Altstadtkirchen hat ihren Dienst vorerst eingestellt.

Historische Turmuhr streikt

Warum die Turmuhr stehengeblieben ist, ist bislang unklar. Gewissheit soll es Anfang der kommenden Woche geben. Für Montag (10. August 2026) hat sich ein Uhrmacher angekündigt, der in den Turm steigen und das Uhrwerk genauer untersuchen wird. Der Zeitpunkt des Ausfalls ist ungewöhnlich: Erst vor rund zwei Wochen war die Uhr gewartet worden.

Die Geschichte der Turmuhr von St. Jakobi reicht weit zurück. Bereits im 17. Jahrhundert gab es am Turm eine Uhr. Das Besondere: Anders als klassische Turmuhren verfügt die Jakobi-Uhr nur über einen Stundenzeiger. Die Technik wurde im Laufe der Jahrhunderte zwar immer wieder modernisiert, doch ganz ohne Handarbeit kommt sie bis heute nicht aus.

Regelmäßig muss ein Uhrmacher den Turm hinaufsteigen. Dort befindet sich hinter den weithin sichtbaren Zifferblättern die Mechanik, die dafür sorgt, dass die Menschen auf allen vier Seiten des Turms dieselbe Zeit ablesen können. Ein Gestänge verbindet die vier Zeigerwerke miteinander. Dazwischen arbeitet ein Gegengewicht, dessen Lage immer wieder kontrolliert und justiert werden muss. Gerät es aus der richtigen Position, kann die Uhr ungenau gehen.

Jakobi-Uhr muss regelmäßig aufgezogen werden

Und auch eine weitere Tätigkeit, die bei modernen Uhren längst der Vergangenheit angehört, gehört in St. Jakobi weiterhin dazu: Die Turmuhr muss regelmäßig aufgezogen werden.

Was die historische Technik aus dem Takt gebracht hat, wird sich voraussichtlich am Montag zeigen. Bis dahin gilt rund um St. Jakobi: Wer wissen möchte, wie spät es wirklich ist, sollte besser nicht nach oben schauen. Wobei: Ein echter Hingucker ist das Zifferblatt immer…