Die Geschichte der Kirchengemeinde Ziethen

Zur Kirchengemeinde gehören die Gemeinden Ziethen, Mechow und ein Teil von Bäk. Das Dorf Ziethen gehörte laut der Teilungsurkunde zwischen dem Ratzeburger Bischof und dem Domkapitel von 1194 zu St. Georgsberg,und nach dem Ratzeburger Zehntregister von 1230 zum Kirchspiel St. Petri in Ratzeburg. Zugleich bestand eine sehr enge Beziehung zum Ratzeburger Domkapitel, denn im ausgehenden Mittelalter zeigten sich die Bischöfe für die mittlerweile in Ziethen vorhandene Kapelle verantwortlich. Als Teil des Ratzeburger Stiftsland gehörte Ziethen nach der Reformation zum Fürstentum Ratzeburg und fiel mit diesem 1701 an Mecklenburg-Strelitz. 1599, wurde Ziethen zur eigenständigen Parochie erhoben. Um das neugegründete Kirchspiel auf eine wirtschaftlich und finanziell gute Grundlage zu stellen, wurden Dorf und Hof Mechow sowie Bäk von Schlagsdorf abgetrennt und Ziethen zugeordnet.

Im Westfälischen Frieden 1648 wurde das Bistum Ratzeburg säkularisiert und fiel als Fürstentum Ratzeburg an das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz; es wurde auf diese Weise später ein Teil der Mecklenburgischen Landeskirche. Am 1. Juli 1945 kam Ziethen zunächst zur britischen Besatzungszone, doch Ende des Monats wurde die Demarkationslinie zwischen der britischen und russischen Besatzungszone weiter westlich an der heutigen Bundesstraße 208 festgelegt, so dass Ziethen nun in der russischen Besatzungszone lag. Im Zuge einer weiteren Grenzkorrektur im November 1945 kam Ziethen wieder in die britische Besatzungszone. Die kirchlichen Verhältnisse blieben hiervon zwar unberührt, aber die immer undurchlässiger werdende innerdeutsche Grenze machte eine Verwaltung Ziethens durch die Mecklenburger Kirche allmählich unmöglich. Ab 1961 erfolgte die Verwaltung zunächst durch die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, und 1981 wurde Ziethen der Nordelbischen Kirche zugeordnet. Formell gehörte die Kirchengemeinde zur Ratzeburger Domkirchgemeinde. Zum 1. Januar 1998 kam die mittlerweile selbständig gewordene Kirchengemeinde Ziethen zum damaligen Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg.

Die St.-Laurentius-Kirche

Im Jahr 1591 ließ der Ratzeburger Domprobst Rudolph Schacke die baufällig gewordene Kapelle abreißen und durch einen Neubau ersetzten, der 1595 fertiggestellt wurde. Die St.-Laurentius-Kirche ist ein einschiffiger, flach gedeckter Feldstein-Backstein-Bau mit einem eingezogenen Chor. Über dem Westteil erhebt sich ein viereckiger hölzerner Dachturm mit Zeltdach. Vor der Südwand steht außerdem ein kleines Vorderhaus mit einem Fachwerkgiebel. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen. Zu den wenigen Kunstwerken, die die Verwüstungen und Plünderungen überstanden, gehören die spätgotische Figur des heiligen Ansverus (um 1480) und der Kanzelkorb (1594). Erst 1655 wurde die Kirche wieder hergestellt. Altaraufsatz und Taufe künden noch heute von dieser Renovierung.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Die St.-Laurentius-Kirche in Ziethen
Die St.-Laurentius-Kirche in Ziethen