Das Wort zur Woche von Holger Wöltjen, Projektleiter “Expedition Kirche”
Ein Hoch auf den Alltag
Die Feiertage sind vorbei. Die Lichterketten wurden abgehängt, die Weihnachtsdekoration weggeräumt, die letzten Buden des Weihnachtsmarktes abtransportiert und bei uns ist der nadelnde Weihnachtsbaum rausgeflogen. Von dem bunten Feuerwerk der Silvesternacht sind außer Müll, der durchweicht am Straßenrand liegt, nur flüchtige Erinnerungen und verwackelte Handyfotos geblieben. Der Alltag hat uns wieder – passend zur Jahreszeit dunkel und grau mit dazugehöriger norddeutscher Schneematsche.
So bitter das vielleicht beim ersten Lesen klingt, ich freue mich darüber. Ich bin eher ein Alltagmensch. Feste empfinde ich als schön und gut, aber sie sind eben auch „nur“ das: wenige besondere Momente, die uns punktuell erinnern, was wir brauchen, um mit dem ungleich größeren Alltag klarzukommen.
Vielleicht ist das das eigentliche Geschenk Gottes, dass er nicht nur an den kirchlichen Festtagen, sondern im Alltag zu finden ist; zwischen den Kochtöpfen, beim Windeln wechseln, beim Vögel füttern; wo Freude und Leid geteilt und wo Fremde willkommen geheißen werden, wo geweint oder gelacht wird, wo wir Lieder singen und neue Gedanken denken, wo wir stehen bleiben, in den Himmel schauen oder missmutig durchs Schietwetter stapfen.