Lübeck

25 Jahre Schwangerschaftsberatung: Respektvoll und stärkend

Lübeck. Seit 25 Jahren bietet das integrierte Beratungszentrum Hüxterdamm der Gemeindediakonie Lübeck Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung an. Auch hier gilt  der er bundesweite evangelische Leitsatz “Mit der Frau - nicht gegen sie”. Am 8. Mai 2026 wird das Jubiläum mit geladenen Gästen gefeiert. 

“Die einzigartige Situation eines Schwangerschaftskonflikts erfordert Respekt vor der Freiheit und der Verantwortungsfähigkeit der Schwangeren”: So hat es der Rat der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) 2024 formuliert. 

Das Team vom Beratungszentrum Hüxterdamm kennt solche Situationen gut. "Seit einem Vierteljahrhundert setzen wir uns dafür ein, ungewollt schwangere Menschen respektvoll, ergebnisoffen und stärkend zu beraten. Unser Anliegen ist es, den Betroffenen in dem gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsgespräch einen Raum zu eröffnen, in welchem sie mit all ihren Ängsten und Ambivalenzen und ihren Fragen vorurteilsfrei angenommen werden und zu einer verantwortlichen Entscheidung gelangen können“, so die Beraterinnen Sophia Leopold und Katja Ispas. 

Gemeindediakonie füllte die Lücke fehlender Beratung

“Schwangerschaftskonfliktberatung gab es schon deutlich vor 2001 im Rahmen der Ehe- und Lebensberatung der Gemeindediakonie Lübeck”, weiß Sophia Leopold. "Als das Gesundheitsamt Lübeck Anfang 2001 aus der gesetzlichen Pflichtaufgabe der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung ausgestiegen ist und zeitgleich auch die Caritas keine Beratungsbescheinigungen mehr ausstellte, war eine angemessene Versorgung in Lübeck nicht mehr gewährleistet. Daher entschied sich die Gemeindediakonie für den Aufbau einer eigenständigen Beratungsstelle“, so die Diplom-Sozialpädagogin. Sie ist neben ihrer Ausbildung zur Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberaterin auch als Paarberaterin und Traumatherapeutin tätig. 

Gut vernetzt in der Stadt

Auf diese Weise habe die Stadt Lübeck die gebotene Trägervielfalt aufrechterhalten können. Mit den Lübecker Beratungsstellen Pro Familia, Humanistische Union, Caritas und Donum Vitae gibt es eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte, so Leopold. Beispiele sind öffentliche Aktionen, etwa zu den Themen kostenlose Verhütungsmittel oder Vertrauliche Geburt sowie am Safe Abortion Day.  

Breites Spektrum an Beratung rund um Schwangerschaft

Die Beratungsstelle ist heute breit aufgestellt. Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft, währenddessen und nach der Geburt bis zum 3. Lebensjahr des Kindes werden Einzelpersonen und Paare hier begleitet und beraten, auch nach traumatischen Geburtserlebnissen oder nach einer Fehl- oder Totgeburt. Zum Aufgabenspektrum gehören die psychosoziale Beratung und die Vermittlung von Stiftungsgeldern, die werdende Eltern bei der Anschaffung der Erstausstattung unterstützen. Allgemeine Paarberatung, unerfüllter Kinderwunsch, Pränataldiagnostik, Begleitung einer vertraulichen Geburt: Das sind Themen, die den Beraterinnen in ihrem Berufsalltag begegnen und die neben einer hohen Professionalität auch einen einfühlsamen Umgang erfordern. 

Im Rückblick auf die letzten 25 Jahre gibt es viele Begegnungen mit Klient:innen, die haften geblieben sind und trotz ihrer Dramatik auch Hoffnung vermitteln. “Einmal war eine 13-jährige Schwangere mit ihrer Mutter bei mir”, erinnert sich Sophia Leopold. “Das Mädchen war traumatisiert und konnte damals nicht mit mir sprechen. Aber Jahre später kam sie erneut zu mir und hat ihre Erlebnisse aufgearbeitet.”

Sexualaufklärung für junge Menschen

Der gesetzliche Auftrag beinhaltet auch die Sexualaufklärung. Jugendliche sind hier eine wichtige Zielgruppe für die Beratungsstelle. “Mit den Gruppen arbeiten wir altersangemessen zu sexualpädagogischen Themen”, erklärt die Bildungswissenschaftlerin (B. A.) und Erlebnispädagogin Katja Ispas. “Um eine selbstbestimmte Sexualität leben zu können, braucht es Wissen über die persönlichen Rechte und den eigenen Körper”. Die Schwangerschaftsberaterin geht neben der Beratungsarbeit zum Beispiel in Schulen, um dort unter anderem Verhütungsmittel vorzustellen - immer anschaulich und lebensnah. “Oft ist das mit viel Spaß verbunden”, so Katja Ispas. “Das hat zur Folge, dass sowohl die Scheu vor dem Thema verloren geht als auch die richtige Anwendung in Erinnerung bleibt.”

  
Das Team der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung hat im vergangenen Jahr 374 Menschen beraten und führte knapp 500 Beratungsgespräche. Die Beratung ist kostenfrei und konfessionsunabhängig; sie steht allen Menschen offen.