Propstei Lübeck

34 Jahre Treue zu Kücknitz: Kantor Raphaël De Vos geht in den Ruhestand

Lübeck. Nach 34 Jahren als Kirchenmusiker in Kücknitz geht Raphaël De Vos in den Ruhestand. Mit einem Konzert am Sonntag, den 25. Januar 2026, um 17 Uhr und einem Abschiedsgottesdienst am Sonntag, den 1. Februar 2026, um 10 Uhr wird er in der St.-Johannes-Kirche in Kücknitz verabschiedet.

Von Belgien nach Lübeck: Eine Schallplatte wies den Weg

Er blieb seiner Gemeinde lange treu: Die Tätigkeit in Kücknitz war Raphaël De Vos‘ erste und einzige feste Stelle als Kantor. Nach dem Musikstudium und einer Assistenztätigkeit an einer Musikhochschule in Belgien zog er zu seiner Frau nach Lübeck. 

De Vos wuchs in einem musikalischen Haushalt auf und erlebte dort einen Wink des Schicksals: "Ich hatte schon als 8-Jähriger eine Schallplatte mit Orgelmusik aus der Lübecker St.-Jakobi-Kirche in meinen Händen und stellte mir vor, wie es ist, dort die Orgel zu spielen“, erzählt er. Kurz nach seinem Umzug nach Lübeck bewarb er sich 1992 auf die Stelle an der Dreifaltigkeitskirche in Kücknitz - damals noch eine eigenständige Gemeinde, später fusionierte sie mit den Gemeinden Siems und St. Johannes.

Übers Nachholstudium zum Kirchenmusik-Abschluss

Für seine neue Anstellung musste er ein berufsbegleitendes Nachholstudium absolvieren, denn einen Kirchenmusik-Abschluss gab es in Belgien nicht. “Wir hatten zwar eine elektronische Orgel in meinem Elternhaus”, erzählt De Vos, “aber erst als Student konnte ich zum ersten Mal an einer richtigen Kirchenorgel üben, als ich eine nebenamtliche Organistenstelle antrat.”

Orgeldienste und "PopcOhr“

Als Organist war er in Kücknitz für Gottesdienste, Kasualien in den Kirchen und Trauerfeiern auf dem Friedhof Travemünde zuständig. Das andere große Tätigkeitsfeld wurde der "PopcOhr“. Ein Pastor der Gemeinde gründete ihn, Raphaël De Vos übernahm 1997 die Leitung. "Mit Pop hatte ich eigentlich gar nichts zu tun“, sagt er. De Vos‘ Leidenschaft galt eigentlich der Klassik, speziell der Alten Musik, also der Zeit Johann Sebastian Bachs und früher. Ein von ihm mit geleitetes Ensemble an der Gemeinde mit frühbarocken Instrumenten zeugt davon.

Hunderte Chor-Auftritte

Aber Raphaël De Vos wagte sich in die neue Klangwelt des „PopcOhrs“, und das wurde belohnt: Intensive Probenarbeit, stimmliche Expertise des Leiters und viele Auftritte formten einen in Kücknitz und darüber hinaus beliebten Chor, der in den Jahren nach Corona noch einmal auf 55 Mitglieder anwuchs.

De Vos zieht stolz Bilanz: Sage und schreibe 256 Auftritte zu kirchlichen Anlässen aller Art, dazu rund 300 Feste, Feiern, Konzerte und Weihnachtssingen verzeichnet er in den 28 Jahren als Leiter des Chors. Der Chor war gefragt: "In unserem geschäftigsten Jahr 2005 hatten wir einmal 43 Auftritte. Zehn zusätzliche Anfragen mussten wir ablehnen“, erzählt De Vos.

Eine weitere Leidenschaft: Gesang beim Abschiedskonzert

Für seinen Ruhestand hat sich Raphaël De Vos noch Einiges vorgenommen: Er möchte Kantaten von Dietrich Buxtehude herausgeben, die bisher nicht in praktischen Drucken erschienen. Und er wird sich auch musikalisch weiter betätigen: Neben seiner Tätigkeit als Kantor trat und tritt er weiterhin auch als Gesangssolist in Konzerten auf.

Auch in seinem Abschiedskonzert am 25. Januar wird er als Organist und Sänger dabei sein: Ein Vokalquartett und ein Gambenquartett präsentieren Musik aus der Zeit Martin Luthers von Leonhard Lechner, Thomas Tallis, William Byrd, Clément Jannequin und anderen. Der Eintritt ist frei, mehr Informationen gibt es hier.