600 Jugendliche feiern ChurchNight in St. Jakobi
Lübeck. Eine Schaukel mitten in der Kirche, ein Radioballett mit Kopfhörern und jede Menge Raum für eigene Ideen: Rund 600 Jugendliche haben am Freitagabend (6. November 2026) bei der ChurchNight in St. Jakobi zu Lübeck erlebt, wie unterschiedlich sich Freiheit anfühlen und ausdrücken lässt. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden kamen aus 14 Kirchengemeinden und Regionen zwischen Lübeck und Wentorf. Einige waren sogar mit dem Zug angereist. Und eines steht bereits fest: Auch 2027 wird es eine ChurchNight geben.
Ein Abend rund um die Freiheit
An diesem Abend waren die Jugendlichen selbst gefragt. Sie konnten ausprobieren, gestalten, diskutieren und sich mit ihren eigenen Vorstellungen von Freiheit beschäftigen. „An rund 20 Stationen können die Jugendlichen das Thema Freiheit auf ganz unterschiedliche Weise entdecken und selbst aktiv werden“, erzählte Svenja Behle, Gemeindepädagogin bei der Evangelischen Fachstelle für die Arbeit mit jungen Menschen und Mitarbeiterin der Projektstelle KonfiCamps.
Schaukeln mit Blick auf das Lichtkreuz
Eine der ungewöhnlichsten Stationen war die Freiheitsschaukel. Mitten in St. Jakobi konnten die Jugendlichen schaukeln und dabei den Blick auf das Lichtkreuz richten. Einen anderen Perspektivwechsel ermöglichte das Radioballett des Körperfunk-Kollektivs aus Leipzig. Ausgestattet mit Kopfhörern folgten die Jugendlichen einer Geschichte, die sie mit ihren eigenen Bewegungen zum Leben erweckten. „Es ist eine Mischung aus Sound, Bewegung, Geschichte und Beteiligung“, beschrieb Behle das Format.
Auch handwerklich und kreativ gab es einiges zu tun: Beutel gestalten, Armbänder knüpfen, Kerzen verzieren oder eigene Gedichte und Gebete schreiben. Beim Freiheitslabyrinth war Zusammenarbeit gefragt, beim Freiheitsquiz und Freiheits-Scrabble konnten die Konfis spielerisch ihr Wissen und ihre Ideen einbringen.
Von der Seemannsmission bis zur Frage nach queerer Freiheit
Andere Stationen beschäftigten sich mit gesellschaftlichen und persönlichen Fragen. So ging es um die Freiheit von Seeleuten, um Mutmachgeschichten und um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Unter dem Titel „Queer, frei, trans-parent!“ standen Küsterin Paula Claußen und Kirchenmusiker Tomke David Buchholz den Jugendlichen Rede und Antwort. Beide hatten 2025 ihr Coming-out und konnten aus eigener Erfahrung berichten.
Bei einer digitalen Zeitreise ging es um die Geschichte der Freiheit. Und wer seine Gedanken lieber in Worte fassen wollte, konnte bei der Freiheitspoesie aus Zeitungsschnipseln, eigenen Ideen und Textfragmenten Gedichte oder Gebete entstehen lassen.
„Die Jugendlichen bestärken sich gegenseitig“
Wie gut die ChurchNight bei den Konfis ankam, berichtete Pastorin Margrit Wegner vom Dom zu Lübeck. Gemeinsam mit Pastor Martin Klatt war sie mit 55 Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie sieben Teamerinnen und Teamern dabei. „Es war voll schön, tolle Stimmung und für alle etwas dabei“, erzählte sie. Einige der Jugendlichen kannten die Veranstaltung bereits aus dem Vorjahr. „Die Teamer:innen waren ja vergangenes Jahr schon hier und wollten unbedingt wieder mit!“ Besonders wichtig sei die Begegnung mit anderen Jugendlichen, so Wegner: „Die kennen sich untereinander, treffen lauter Freundinnen und Freunde, sind ganz viele und bestärken sich gegenseitig.“
Für Roman Röpstorff, Leiter von jung+ev., zeigt die ChurchNight, wie Kirche junge Menschen erreichen kann. „Wenn 600 junge Menschen eine Kirche mit ihren Ideen, Fragen und ihrer Energie füllen, dann zeigt das, was Kirche heute sein kann. Wir müssen Jugendlichen nicht immer erklären, wie Kirche funktioniert. Wir müssen ihnen auch zutrauen, sie selbst zu gestalten.“
Katharina Schneider von jung+ev. hob einen weiteren Aspekt hervor. Sie sagte: „Hier treffen Jugendliche aufeinander, die aus ganz unterschiedlichen Gemeinden kommen und sich vorher oft gar nicht kannten. Sie erleben gemeinsam etwas und merken, dass andere ganz ähnliche Fragen haben wie sie selbst.“
Segensworte bekommen Flügel
Durch das Programm führten Finnja Maaß und Elea Pakula aus dem Mariensprengel. Nach den Workshops kamen alle zu einer gemeinsamen Mitmachaktion zusammen. Es folgten eine Andacht und der abschließende Segen. Zum Ende konnten die Jugendlichen Segensworte auf Papier schreiben, daraus Papierflieger falten und diese gemeinsam fliegen lassen.
Auch 2027 wird es eine ChurchNight geben
Für das Organisationsteam steht bereits fest, dass die ChurchNight im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Svenja Behle: "Die ChurchNight zeigt, wie viel möglich ist, wenn Gemeinden und Mitarbeitende gemeinsam etwas auf die Beine stellen.“
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Team jung+ev., Mitarbeitenden aus den Kirchengemeinden und den Konfi-Beauftragten des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Für die Verpflegung sorgten die Marli-Werkstätten.