Acht Thesen für eine zukunftsfähige Kirche
Die Kirche der Zukunft, wie sieht sie aus? Dazu haben 140 Menschen aus der evangelischen Kirche miteinander diskutiert. Die Impulse für diese Gespräche in der Lübecker Kreuzkirche gab es von der praktischen Theologin Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong.
Ein Abend zur Kirche der Zukunft
Fast genau ein Jahr nach der großen Zukunftskonferenz 2019 in der Lübecker MuK hatte Jochen Schultz, Geschäftsführer der Dienste und Werke im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, Anfang Februar 2020 zu einem Abend unter der Überschrift „Kirche der Zukunft – lebendig und attraktiv?“ eingeladen. „Es ist viel in Bewegung gekommen“, so Schultz. In diesen Prozessen kläre sich manches, gleichzeitig treten neue Fragen auf. „Ist die Kirche, wie wir sie gerade anfangen zu gestalten, wirklich zukunftsfähig? Wie kann die Kirche lebendig und attraktiv sein, bleiben, werden? Und wer soll das alles eigentlich machen?“
Acht Thesen von Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong
Ideen und Impulse für eine Antwort auf diese Fragen hatte Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong. Die praktische Theologin an der Christian-Albrechts-Universität lehrt und forscht mit einem besonderen Schwerpunkt auf Zukunftsfragen der Kirche. Über acht thematische Schlaglichter entwickelte die Theologin eine Möglichkeit für eine zukunftsfähige Kirche.
- Die Aufgabe der Kirche sei es, die Kommunikation des Evangeliums zu unterstützen.
- Nimmt sie diesen Kontext ernst, sei sie beständig in Veränderung – weil sie Teil einer sich ständig verändernden Gesellschaft sei.
- Ein weiterer Schritt sei es, vom Auftrag her zu denken und nicht mehr von den vorhandenen Strukturen.
- Die Kommunikation des Evangeliums sei künftig vielfältig, weil auch die Lebenswelten von Menschen immer vielfältiger würden.
- Eine zukunftsfähige Kirche ermögliche auch offene Begegnungen mit dem Evangelium, unabhängig von einer Bindung des Einzelnen an die Institution.
- Die Kirche von morgen setzt sich uneigennützig für das Gemeinwesen ein.
- Sie orientiert sich künftig an den Aufgaben statt wie bisher an den Ämtern.
Die Kirche der Zukunft ist arbeitsteilig orientiert und schätzt unterschiedliche Formen der Kommunikation des Evangeliums wert. - Über die Unterstützung der Menschen in ihren Gaben wird es eine neue Ehrenamtskultur geben, die sich auch auf das Verständnis der hauptamtlich Tätigen auswirkt.
Gespräche, Weiterdenken und Zusammenschau
In einem zweiten Teil kamen die Besucher:innen aus der Propstei Lübeck und der Propstei Lauenburg ins Gespräch. Sie notierten Fragen, Ideen, Anregungen sowie Bedenken. Pastor Heiko von Kiedrowski nahm die Themenschwerpunkte dann mit in den dritten Teil des Abends. Gemeinsam mit Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong ging er der Frage nach, wie sich die Thesen etwa auf das Selbstverständnis von Pastor:innen auswirkt. Altes muss weg, damit Neues Platz hat. „Ja, Veränderung bedeutet auch Verlust und Schmerz“, sagte Uta Pohl-Patalong. Auch damit müsse eine moderne Kirche umgehen – immer mit dem Auftrag vor Augen, dass die Institution Kirche dem Evangelium diene.