Angriff auf den Iran: Ein Impuls von Propst Philip Graffam
Im Nahen Osten sprechen die Waffen: Seit dem Morgen des 28. Februar 2026 greifen die USA und Israel den Iran aus der Luft an. Die Angst und Sorge vieler Menschen in aller Welt ist groß. Dazu ein Impuls von Philip Graffam, Propst im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.
Die Angst vieler Menschen ist groß
Am Sonnabend Morgen erreichen mich die ersten Meldungen von militärischen Schlägen Israels und der USA gegen Ziele im Iran. Internationale Medien berichten von Explosionen unter anderem in Teheran; in Israel sind Sirenen zu hören. Luftalarm, auch in Tel Aviv. Noch ist vieles unübersichtlich – aber schon jetzt ist spürbar, wie groß die Angst vieler Menschen sein muss.
Ich denke an die Familien, die heute nicht wissen, was die nächsten Stunden bringen. Ich denke an Eltern, die ihre Kinder schützen wollen. Ich denke an junge Menschen, die sich nach Zukunft sehnen und stattdessen mit der Drohung neuer Gewalt aufgewacht sind. Hinter militärischen Begriffen wie „Präventivschlag“ stehen immer konkrete Menschenleben.
Mit großer Sorge sehe ich auch, wie sich in diesen Stunden und Tagen wieder weltweit Hass gegen Israel Bahn brechen wird. Antisemitische Parolen und Übergriffe dürfen niemals als Reaktion auf politische Ereignissen relativiert werden. Als Christ weiß ich mich untrennbar verbunden mit unseren jüdischen Geschwistern.
Gott unterscheidet nicht nach Nationalität
Zugleich gilt mein Mitgefühl allen Menschen, die unter den Folgen dieses Konflikts leiden – im Iran ebenso wie in Israel. Gottes Blick unterscheidet nicht nach Nationalität. Er sieht die Angst in den Schutzräumen wie die Verzweiflung in den Straßen. Er hört das Rufen derer, die sich nach Frieden sehnen.
Ich ringe um Worte in einer Zeit, in der so vieles von Eskalation geprägt ist. Und doch halte ich fest an der Hoffnung meines Glaubens: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnnenheit. Hoffnung heißt für mich heute, für Deeskalation zu beten, für Verantwortliche, die Mass halten, und für Wege, die dem Leben dienen.
Lasst uns beharrlich für den Frieden beten
Darum bitte ich eindringlich: Lasst uns bewusst und beharrlich für den Frieden beten. Viele Kirchen in Lübeck und im Herzogtum Lauenburg sind geöffnet für Menschen, die einen Ort zum Beten suchen, die eine Kerze für den Frieden entzünden möchten. Lasst uns in unseren Gemeinden Raum schaffen für Fürbitte – für die Menschen in Israel und im Iran, für alle, die um ihr leben fürchten, für die politisch Verantwortlichen, dass sie Wege der Besonnenheit finden. Möge kein Gottesdienst vergehen ohne ein klares Gebet gegen Hass und Antisemitismus und ohne die Bitte um Schutz für das Leben weltweit.
Ich bitte Gott, dass er die Spirale der Gewalt durchbricht. Dass er Herzen bewegt, wo Fronten verhärtet sind. Und dass wir als Kirche Orte der Besonnenheit, der Solidarität und der klaren Absage an jeden Hass bleiben. Denn ich glaube: Nicht die Gewalt hat das letzte Wort, sondern der Gott des Friedens.