Propstei Lübeck

Ausstellung "Echo" in St. Petri: Ein Raum aus Klang, Stoff und Erinnerung

Lübeck. Unter dem Titel “Echo” zeigt die Künstlerin Michaela Melián eine Ausstellung in der Overbeck-Gesellschaft und in St. Petri zu Lübeck. Im Zentrum steht die Frage, wie Geschichte in der Gegenwart nachwirkt – verzögert, gebrochen und durch unterschiedliche Perspektiven geformt.

Zwei Orte, eine Ausstellung von Michaela Melián

Ausgangspunkt der künstlerischen Recherche ist die Biografie von Julia Mann (geb. da Silva Bruhns), Mutter von Thomas Mann und Heinrich Mann. Während die internationale Familiengeschichte der Manns lange als deutsche Erfolgsgeschichte zweier berühmter Schriftsteller erzählt wurde, blieb die Rolle ihrer Mutter häufig auf die Figur der „Mutter und Muse“ reduziert. Ihre eigene Biografie – geprägt von einer Kindheit im kolonialen Brasilien, Migration nach Lübeck und einem Leben zwischen kulturellen Zuschreibungen – wurde dagegen nur randständig betrachtet.

Nicht nur Mutter und Muse

Melián nähert sich dieser Geschichte nicht mit einer linearen Erzählung, sondern in Form von Fragmenten, Überlagerungen und bewussten Leerstellen. Historisches Material wird neu zusammengeführt, bearbeitet und in einen gegenwärtigen Kontext gestellt. Dabei verbindet die Künstlerin textile Arbeiten, Projektionen, plastische Elemente und Klang zu einer raumgreifenden Installation.

Recherchen über St. Petri zu Lübeck 

Für St. Petri recherchierte Michaela Melián im Stadtarchiv historische Entwürfe farbiger Kirchenfenster. Diese ließ sie auf großformatige Stoffbahnen drucken und im Kirchenraum installieren. Auch erhaltene Fresken wurden fotografisch erfasst, vergrößert und als textile Muster neu in Szene gesetzt. Vier große Stoffbahnen zeigen Himmel über Lübeck, München, Rio de Janeiro und dem Mittelmeer – Orte, die mit der Biografie Julia Manns verbunden sind. Je nach Tageslicht verändert sich die Wirkung im Raum.

Die Kirche wird zum Resonanzraum

Ergänzt wird die visuelle Installation durch eine Klangarbeit. Mehrere Lautsprecher sowie zwei große Muscheln erzeugen ein vielschichtiges Klangbild, das sich je nach Standort im Raum unterschiedlich erschließt. Ein drehbares Rundsofa, bezogen mit einem Stoff nach dem Muster des Taufbeckens, lädt Besucherinnen und Besucher zum Verweilen ein.

Pastorin Schaack: Der Raum antwortet

Pastorin Lilly Schaack betonte zur Eröffnung die besondere Verbindung von Ausstellung und Ort: „Worte, die in St. Petri aus dem Munde gehen, kommen zurück. Der Raum antwortet – aber nicht immer so, wie gewünscht oder erwartet.“ Und: „In einer scheinbar Mann-satten Stadt wie Lübeck schafft es Michaela Melián, uns Julia Mann mit neuen Augen sehen zu lassen.“ St. Petri verstehe sich heute als Kunst- und Kulturkirche, als Raum für Fragen und für die Auseinandersetzung mit der Uneindeutigkeit des Menschseins.

Die Ausstellung in der Kulturkirche St. Petri zu Lübeck ist bis zum 29. März 2026 täglich zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet.