Lübeck

"Du wirst uns fehlen" - Das Grußwort von Synoden-Präses Kathrin Thomas

Das Grußwort von Katrin Thomas, Präses der Synode des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, anlässlich der Entpflichtung von Lübecks Pröpstin Petra Kallies, im Wortlaut:

Es braucht nicht erst den Blick auf die Einladung, um zu wissen: Heute geht es um den Abschied einer ganz außergewöhnlichen Frau!

Blitze und Farben, die nach traditioneller Zusammenstellung von Farben einfach nicht gehen! Grün und blau!

Ein Leitstern für Menschen und Haltungen

Bei dir geht eben fast alles zusammen, liebe Petra, Sterne erhellen dir den Weg und allen, die um dich herum waren, spürten das. Ein Leitstern über dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg bist du, ein Leitstern für Menschen und Haltungen.

Wenn man die Einladung aufklappt, innen dann aus Joh. 10 ein Christus-Wort liest, begegnet man Petra Kallies in einem Wort tiefsten Vertrauens und Gotteglaubens.

Deine Werke, deine Wirkung auf Menschen, dein pröpstiches Handeln zu beschreiben, ist eine Aufgabe, der ich mich demütig stelle. Machen wir uns also gemeinsam auf den Weg. 

Und dabei weiß ich: Wenn ich einige große Dinge hervorhebe, wird es nicht vollständig. 

Zudem fehlen dann die vielen kleinen Schritte, die es brauchte, um dorthin zu gelangen. Auf dem Weg zu deiner Erfolgsgeschichte geht es zwar um die erreichten Ziele, aber ganz besonders auch um die Wege dorthin!

Boots are made for walking, am liebsten hätte ich diesen Song hier kurz eingespielt, aber ich glaube, wir kennen ihn alle.

Deine Boots sind spektakulär

Deine Boots sind spektakulär! Das Abschiedsgeschenk Deiner Lübecker Kolleginnen und Kollegen ist eine krönende Fortsetzung deiner Boots-Geschichte. Petras Stiefel sind ein echter Hingucker!

Zum Wandern bist du geschaffen. Im echten und im übertragenen Sinne. Viele sind dir gefolgt und haben sich auf dein Vorweggehen oder deine Begleitung auf ihren Wegen verlassen, sich von dir leiten und begleiten lassen.

Die Idee, nach der Fusion der Kirchenkreise Lübeck und Lauenburg den Kirchenkreis zu erwandern, war großartig, wer auch immer sie hatte, die Durchführung allerdings muss sehr hart gewesen sein.

Ich hörte von Blasen an den Füßen, drückender Hitze und knallharten Nachtlagern hier und da. Du allerdings zogst den Marsch durch wie kaum andere auf dieser Tour. Kompliment noch heute dafür!

Es zeigt ja auch nur ein von unzähligen Malen, welche Leistungen du vollbracht hast.

Durchhaltevermögen in großer Geduld, Belastbarkeit und Zielorientiertheit. Sachlichkeit von seiner besten und freundlichsten Seite. Wir alle kennen dich so. 

Durchhaltevermögen in großer Geduld

Nur mal eine grobe Rechnung: Seit 2001 hast du die Leitung des KKR inne, nicht erst seit 2008. Ralf Meister war dir dankbar, dass du ihm diese Aufgabe abgenommen hast. 

Das sind 25 Jahre! Mal 11 Sitzungen pro Jahr mal mindestens 4 Stunden! Das sind mehr als 1000 Stunden KKR-Sitzungsleitung!

Synodale warst du seit der Kirchenwahl Ende1996, also zwei Jahre nach deiner Ordination. Du warst gerade mal PzA und schon, schwupps, im Präsidium der Synode.

Andere haben dir früh etwas zugetraut und du hast es angenommen. So bist du zum Gedächtnis des Kirchenkreises geworden. Man muss nicht in den Aktenkeller gehen, wenn man etwas wissen will, man kann Petra Kallies fragen! So sagst du es selbst.

Kalender sind im Schredder gelandet

18 Jahre Moleskine-Kalender mit persönlichen Aufzeichnungen sind nun im Schredder gelandet. Deine Fähigkeit in Vernetzung und Struktur zu denken, bleibt dir, im Kirchenkreis bleibt nun nichts anderes übrig als der Gang in den Aktenkeller!

 Deine Lebensleistung besteht nun wahrhaftig nicht in objektiv gemessener Zeit. Sie besteht aus erfolgreichen Projekten, die du gemeinsam mit anderen erfunden, geplant und umgesetzt hast. Sie besteht aus den unzähligen Kairos-Momenten, in denen Gutes entstanden ist.

In „Auferstehung“ bist du groß geworden, neugierig und aufgeschlossen haben dich von jung an auch andere Gemeinden interessiert, die katholischen ebenso wie Baptisten. Dein ökumenischer Horizont war und ist weit.

Im Biotop Kirche braucht es Menschen wie dich 

Im Biotop Kirche braucht es Menschen wie dich, deren Mut auf die überproportional vorhandenen Ängstlichen trifft und den Weg weist.

Klar, wegen dir sind auch Menschen aus der Kirche ausgetreten. „Wenn Sie nicht..., Frau Kallies, dann trete ich aus“ Das ist sicherlich auch einmal zu hören gewesen. Aber ich sage dir mal: Wegen Menschen wie dir sind auch viele, ich zähle mich dazu, gerne in der Kirche und bleiben!

Zu politisch, zu wenig politisch, was hast du in deiner führenden Position alles zu hören bekommen.

Und dennoch: In deiner Haltung warst du immer klar! Auch als Suchende im Glauben! Das gehört dazu, das gehört zu klugem reflektierten Christsein dazu!

In deiner Haltung warst du immer klar 

Danach gefragt, wie es dir so erkennbar gut gelang, gute Lösungen selbst in verfahrenen Situationen zu erlangen, bezeichnest du dich als erfahrene Handwerkerin. Den Lötkolben zu bedienen und das Stück Blei irgendwie zusammenzulöten, lernt man recht schnell. Dass es dann aber wie ein Kunstwerk einfach schön aussieht, ist die Kunst erfahrender Handwerkerinnen wie du eine bist.

Für dieses Können schätzen wir dich, für diese Kompetenzen und Gaben.

Um es konkret zu machen:

Du selbst nennst mir beispielhaft zwei Erfolgsgeschichten, auf die du zufrieden blickst (und wir alle wissen, es gibt unzählige weitere!):

Die vor Jahren neu entwickelte und tragfähige Struktur für Jugenddiakone, ein echter Neustart, zusammen mit Frauke Eiben und Jochen Schultz.

Und die zunehmende Regionalisierung. Dabei ist dir die Erkenntnis gekommen, wie wichtig und zu wenig bekannt der Blick auf Gemeinde-Nachbarschaften ist! Wir wissen noch immer viel zu wenig voneinander!

Wenn man ein so herausragendes Amt bekleidet, braucht es Unterstützung, da sind wir uns einig. Das ist für dich bis heute dein engstes Team mit Frau Däubler, Herrn Ohlendorf und Herrn Modrow, das waren aber auch einst Frauke Eiben in guter Abstimmung und Transparenz einer vertraulichen Zusammenarbeit und nach ihrem Weggang Herr Schröder als stellvertetender KKR-Vorsitzender.

Großer Respekt vor dem Ehrenamt

Dein Respekt vor dem Ehrenamt ist groß. Der Liebe und Treue, mit der so viele für unsere Kirche ihre Lebenszeit geben, siehst du bewundernd entgegen.

Du hast das pröpstliches Amt so weit entfernt von Klischees ausgeübt, als Lernende, Staunende, du lebst Toleranz und zeigst uns, wie es geht, Christin zu sein in Achtung vor dem anderen und gleichzeitig als Taktgeberin, wenn der Motor stottert.

Es macht dir Sorge, wie rüde der Umgang in unserer Gesellschaft und ja, auch in unserer Kirche geworden ist.

Dein Rezept? Gibt es natürlich nicht. Allerdings trägst du eine Beobachtung mit dir, die helfen könnte: wir sind als Kirche an vielen Stellen zu weltlich geworden.

Das liegt unter anderem an dem Viel zu Viel und Viel zu schnell unserer Zeit.

Ein wundervolles Bild hast du mir beschrieben (du hast diese Metapher selbst von jemandem geschenkt bekommen):

Eine Quelle, ein Brunnen, dessen Schale erst einmal voll laufen muss, bevor das Wasser kaskadenartig auf die nächste Schale läuft. Sonst wird es zu einem Kanal.Wir werden zum Kanal, statt ein Quell zu sein.

Ein Sabbatjahr für den Kirchenkreis

Eine Idee, wie wir dahin finden können, hast du in früheren Jahren bereits gehabt:

Zeit schaffen! Indem z.B. der Kirchenkreis sich insgesamt ein Sabbat-Jahr verordnet, in dem nichts Neues angefasst wird. Nur das Alltagsgeschäft läuft weiter. Ich finde diese Idee großartig, vielleicht wird sie eines Tages Wirklichkeit.

Spiritualität braucht Zeit! Unsere ganz persönliche Spiritualität braucht Zeit! Zeit, die du jetzt ganz sicher wieder finden wirst.

Die Lust auf das Abenteuer

Mit einem besonderen Erlebnis, das du mir erzählst hast,  möchte ich schließen, es ist so ein wundervoll mutiges Petra-Kallies-Erlebnis:

Mit dem Kran-Ausleger der Firma Schütt zusammen mit Cornelia Schäfer und Heike Schumacher ging es in einer Baustelle in der Ratzeburger Allee hoch hinaus! Den Wunsch hattest du kaum ausgesprochen, da hatte ihn Frau Schütt schon für dich in die Tat umgesetzt.

Höhenangst kennst du nicht. Eher Lust auf Abenteuer. Und große Neugier auf große Gebäude.

Die kleine Petra hat sich als Kind überlegt, ob sie wohl in die Kugeln von St. Jakobi hineinpassen würde… Was glauben Sie? Passt Sie? Mit diesem sehr persönlichen und zarten wie mutigen Blick auf dich, liebe Petra, bleibt mir nur noch zu sagen:

Jesaja 43,18-19: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ 

Boots are made for walking!

Deine Spuren bleiben. Du wirst uns fehlen! Gott behüte dich!