"Ihre Fröhlichkeit konnte anstecken": Das Grußwort von Bürgermeister Jan Lindenau
Das Grußwort von Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, anlässlich der Entpflichtung von Lübecks Pröpstin Petra Kallies, im Wortlaut:
Nach 31 Jahren im Pfarramt und 18 Jahren als Pröpstin verabschieden wir Sie nun heute aus dem Amt – ihrer ganz persönlichen Berufung, Ihrem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, oder besser Ihrem Wirkungskreis in früheren Jahren zunächst St. Lorenz Nord und Süd und eben später ganz Lübeck.
Lebendige und einladende Kirche gestalten
Ihnen war immer wichtig, eine lebendige und einladende Kirche zu gestalten. Eine Kirche, die in der Stadt wirkt und Stadt mitgestaltet. Sie wollten gelebte Spiritualität und praktisches diakonisches Engagement verbinden. Ein großer Anspruch in einer sich schnell verändernden Welt und immer weniger Mitwirkenden und rückläufigen gesellschaftlichen Zuspruch und damit auch schwindenden Ressourcen.
Auch wenn wir weit über ein Jahrzehnt immer mal wieder Berührungspunkte bei Aktionen und Aktivitäten hatten, so scheint es mir kein Zufall, dass sich unsere Wege von Amtswegen vor fast auf den Tag genau acht Jahren kreuzten:
Sie führten mich mit einer Andacht in der Rats- und Kaufmannskirche St. Marien in mein Amt ein und stimmten musikalisch an:
In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret: mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet. Was man in Gottes Namen tut, ist allehalben recht und gut und kann uns auch gedeihen.
Rückblickend betrachtet, habe ich den Eindruck, dass aus diesem Text ein wenig Ihre Arbeits- und sowieso Ihre Glaubenseinstellung herrührt. Erst Recht Ihr Optimismus, den Sie ausstrahlen.
Glücklich ausgeführet… und kann auch gut gedeihen…
Ich kenne Sie nur mit fröhlichem Lächeln
Wenn es nicht gerade ein Moment der Trauer war, kenne ich Sie nur mit einem fröhlichen Lächeln, manchmal auch verschmitzem Lächeln. Glücklich ausgeführtet eben. Angetrieben von Freude und Glaube, Gutes bewirken zu wollen. Kurz: Ihre Fröhlichkeit im Tun konnte anstecken.
So haben Sie mich dann auch überzeugt, die Schrimherrschaft für die Aktion „Sieben Türme will ich sehen“ zu übernehmen und haben mich dazu gebracht, nicht wirklich zu hinterfragen, auf was ich mich da einlasse. Aber auch hier waren Sie überzeugend, Gutes gedeihen zu lassen – und das ist es dann ja auch mit der Gründung der Stiftung 7Türme+ geworden, die Sie maßgeblich unterstützt und vorangetrieben haben. Gutes für die Kirche, die Stadt und die kulturelle Identität der Stadt und des Stadtbildes des UNESCO Welterbes.
"Glaubensthemen haben schon immer auch einen künstlerischen Ausdruck gefunden“, haben Sie einmal gesagt. Kultur und Kirche zusammen zu denken war Ihnen wichtig. Und so haben Sie auch die Nordischen Filmtage unterstützt – mit den Kirchlichen Filmpreis INTERFILM. Ausgezeichnet werden Filme, die sich durch künstlerische Qualität auszeichnen und ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, die mit dem Evangelium in Einklang stehen, oder die Zuschauer für spirituelle, menschliche oder soziale Fragen und Werte sensibilisieren. Kirche lädt ein, ist lebendig und regt zum Diskurs ein – auch außerhalb des Kirchenraumes, in der Stadtgesellschaft.
Sie haben immer Hoffnung und Optimismus ausgestrahlt
Liebe Pröpstin, auch in herausfordernden Zeiten haben Sie immer Hoffnung und Optimismus ausgestrahlt und waren eine angenehme Gesprächspartnerin, mit der ich gerne nach Lösungen gesucht habe. Die Corona-Pandemie war so eine Zeit. Ob Trauerfeiern, Weihnachtsgottesdienste oder Gedenken an die Opfer der Pandemie unter den Bedingungen der Kontaktbeschränkungen.
Sie hatten ein gutes Gespür dafür, was Gesellschaft aushält, und wo es Orientierung und Hilfe braucht, die wir in Regelungen abstimmen konnten. Das gemeinsame Gedenken von Stadt und Kirche mit allen Konfessionen im Rathaus als Zeichen der Anteilnahme war so eine wichtige Anregung von Ihnen.
Zusammenwirken mit Stadt und Stadtgesellschaft
Unser jährliches, gemeinsames Gedenken zusammen mit der Jüdischen Gemeinde zur Progromnacht in der Synagoge unterstreicht in besonderer Weise wie Stadt, Kirche und Stadtgesellschaft gemeinsam wirken und gestalten können. Gemeinsam für eine solidarische, demokratische Stadtgesellschaft einstehen können und Kirche auch im politischen Diskurs Haltung transportieren kann. Dies war Ihnen immer ein Anliegen, für das ich Ihnen sehr dankbar bin.
Liebe Petra Kallies, im Namen der Hansestadt Lübeck, auch zugleich im Namen von Stadtpräsident Henning Schumann, aber auch ich ganz persönlich, sage danke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und für Ihr Wirken zum Wohle der evangelisch-lutherischen Kirche in Lübeck, zum Wohle der Stadt und der hier lebenden Menschen. Sie haben über drei Jahrzehnte unsere Stadt mit gestaltet, reformiert und zusammengeführt, wo es Spaltung gab und unterstützt, wo Hilfe gefragt war.
Dank der Hansestadt Lübeck
Ich wünsche Ihnen, für Ihre weitere, persönliche Zukunft von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen sowie Zeit für die Menschen und Vorhaben, die manchmal aufgrund der Berufung zurückstehen mussten.
Ab sofort gilt Psalm 91:
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.