Lübeck

"Nobelpreis der Kirche" für Cornelia Schäfer

Lübeck. Mit großer Dankbarkeit und sichtlich bewegt hat Dr. Cornelia Schäfer am Reformationstag (31. Oktober 2026) im Dom zu Lübeck die Bugenhagenmedaille entgegengenommen. Bischöfin Kirsten Fehrs überreichte ihr die höchste Auszeichnung der Nordkirche und würdigte damit mehr als 30 Jahre ehrenamtlichen Einsatz für den Dom, die Lübecker Innenstadtkirchen und die kirchliche Arbeit weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Gemeinsam mit ihr wurde auch Prof. Dr. med. Andreas de Weerth aus der St.-Andreas-Kirchengemeinde Hamburg-Harvestehude ausgezeichnet.

Festgottesdienst im Dom zu Lübeck 

Den Vormittag habe sie ruhig und in Gesellschaft ihres Sohnes verbracht, erzählte die Preisträgerin kurz vor der Verleihung. „Doch nun steigt die Aufregung langsam.“

„Die Bugenhagenmedaille wird auch als der ‚Nobelpreis der Kirche‘ bezeichnet“, sagte Dompastorin Margrit Wegner bei der Begrüßung zum Festgottesdienst. Sie sei die höchste Ehrung der Nordkirche – und manchmal würden die Geehrten sogar von der Bischöfin angerufen. So war es auch bei Cornelia Schäfer.

Höchste Auszeichnung der Landeskirche

In ihrer Predigt erinnerte Bischöfin Kirsten Fehrs an den Einzug der Reformation in Lübeck. Am Nikolaustag 1529 hatten Jungen während eines Gottesdienstes auf Deutsch zu singen begonnen, die Erwachsenen stimmten ein. „Die Reformation in dieser Stadt wurde also nicht allein erstritten und erdacht, sondern ersungen!“, sagte Fehrs. 1531 gab Johannes Bugenhagen, der Reformator des Nordens, Lübeck seine Kirchenordnung. Heute trage die nach ihm benannte Medaille zwei Menschen Anerkennung, deren Werk ebenfalls „ein ungewöhnlich Werk“ sei. Fehrs betonte: „Aber heute müssen die beiden ertragen, dass sie im Mittelpunkt unseres Dankes und unserer Hochachtung stehen.“

Engagement für Kirchenmusik

Die Bischöfin würdigte insbesondere Cornelia Schäfers Einsatz für die Kirchenmusik in den Innenstadtkirchen. Die Preisträgerin singe leidenschaftlich gern im Chor und setze sich mit großem Engagement für die Musik ein. „Eine Stadt nämlich, in der die Kirchen verstummen, die würde tatsächlich etwas von ihrer Seele, ihrem Widerstandsgeist und ihrer Menschlichkeit verlieren.“

Doch guter Gesang brauche auch eine solide Grundlage: „Die Liebe zu Gott kann sich also sehr lebendig ausdrücken in Haushaltsberatungen, Kostenrechnungen, Buchhaltung, Sponsorensuche und Spendenakquise.“ Zum Abschluss schlug Fehrs den Bogen zurück zur Reformationsgeschichte: „So ist es oft mit dem Reich Gottes: Es braucht ein paar, die anfangen.“

„Ich schätze den ganzen Menschen Cornelia sehr“

Katrin Thomas, Präses der Synode des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, kennt Cornelia Schäfer seit Beginn der 2000er-Jahre. Damals schlossen sich die vier Kirchengemeinden St. Aegidien, Dom, St. Jakobi und St. Marien zum Kirchengemeindeverband Innenstadt zusammen. „Deinem unermüdlichen Einsatz ist die bis heute funktionierende Zusammenarbeit zu verdanken“, sagte Thomas.

Ein Schwerpunkt von Schäfers Arbeit liege im Finanzbereich. Als studierte Neurobiologin sei sie mit komplexen Zusammenhängen vertraut. Thomas würdigte außerdem ihr Engagement für die Stiftung Kirchenmusik „4Viertel“ und das Projekt „Sieben Türme will ich sehen“, aus dem die Idee zur Gründung der Stiftung 7Türme+ hervorgegangen sei. Diese setzt sich für die Bauunterhaltung der fünf Lübecker Innenstadtkirchen ein.

Cornelia Schäfer zeichne sich durch große Belastbarkeit, Sachverstand, Pragmatismus, Loyalität und Menschenkenntnis aus. „Dabei ist sie zugewandt und humorvoll. Ich schätze den ganzen Menschen Cornelia sehr.“

Ihr Wirken sei darauf ausgerichtet, „Kirche auf dem Weg beim notwendigen Wandel zu unterstützen, dabei mutige Schritte zu tun und gleichzeitig das Bewährte im Blick zu behalten“. Mit einem Augenzwinkern erinnerte Thomas daran, dass es zu Beginn von Schäfers Engagement im Dom noch undenkbar gewesen sei, „dass Frauen in Hosen am Altar das Abendmahl austeilen“.

Standing Ovations für die Preisträgerin

Oliver Erckens, Propst des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, verlas den Text der Urkunde, bevor Bischöfin Kirsten Fehrs Dr. Cornelia Schäfer die Bugenhagenmedaille verlieh. Die anschließenden Standing Ovations ließen die glückliche Preisträgerin noch mehr strahlen.

Hintergrund

Dr. Cornelia Schäfer gehört seit 1996 dem Kirchengemeinderat der Domgemeinde an und ist seit 2009 Vorstandsvorsitzende des Kirchengemeindeverbands Innenstadt Lübeck. Zudem engagiert sie sich in der Stiftung Kirchenmusik „4Viertel“ und im Projekt „Sieben Türme will ich sehen“. Rund 20 Stunden pro Woche investiert sie ehrenamtlich in vielfältige Aufgaben – von der Organisation des Gemeindelebens bis hin zu Finanz- und Baufragen. Ihr Anliegen ist es, kirchliches Leben aktiv mitzugestalten und auch junge Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen.