Lübeck

Nordische Filmtage 2026: „Brace Your Heart“ gewinnt kirchlichen Filmpreis

Lübeck. Ein Film über Gewalt, das Schweigen einer Gemeinschaft und den Mut, sich der Wahrheit zu stellen: Das schwedische Drama „Brace Your Heart“ (Originaltitel: Garrat du váimmu) von Regisseurin Amanda Kernell ist bei den 68. Nordischen Filmtagen Lübeck mit dem Kirchlichen Filmpreis INTERFILM ausgezeichnet worden. Die Abschlussgala (7. November 2026) fand im Theater Lübeck statt. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg gestiftet. Unter den vier internationalen Jurymitgliedern war auch Philip Graffam, Propst im Kirchenkreis.

Schwedisches Drama überzeugt die Jury

13 Filme standen zur Wahl. Am Ende überzeugte „Brace Your Heart“ die Jury vor allem durch seinen Umgang mit einem schwierigen Thema. „Es war die Klarheit, das Stehen zur Wahrheit, was uns am meisten überzeugt hat“, sagt Graffam. Der Film erzählt von einer jungen Frau, die ihren eigenen Weg sucht und dabei gegen Widerstände in ihrem unmittelbaren Umfeld ankämpfen muss.

Im Mittelpunkt steht die 20-jährige Ejva, gespielt von Elli Sara Valkeapää. In einem abgelegenen samischen Bergdorf in Nordschweden erbt sie die Rentierherde ihres verstorbenen Vaters. Damit übernimmt sie eine Verantwortung, die ihr viel abverlangt. Zugleich gerät sie zunehmend unter den Einfluss des lokalen Anführers Heaika, der sie in eine Beziehung drängt.

Eine junge Frau kämpft um ihre Unabhängigkeit

Als Ejva dessen Cousin Nejla (Vincent Niia) kennenlernt und sich in ihn verliebt, eskaliert die Situation. Die traumatischen Erfahrungen hinterlassen körperliche Spuren: Ejvas Hände beginnen unkontrolliert zu zittern. Für eine Rentierhüterin ist das eine existenzielle Bedrohung. Ihr Kampf um Selbstbestimmung wird damit auch zu einem Kampf um ihre wirtschaftliche Zukunft.

In ihrer Begründung hebt die Jury besonders hervor, wie Amanda Kernell ihre Hauptfigur zeichnet. Ejva sei weder Opfer noch Heldin, sondern eine Überlebende. Ihre Geschichte müsse erzählt werden – für die Gemeinschaft, in der sie lebt, und weit darüber hinaus.

Die Jury sieht den Film zugleich als Teil einer Entwicklung im nordischen Kino: Immer häufiger beschäftigen sich Filmschaffende mit gesellschaftlichem Schweigen und der Notwendigkeit, dieses zu durchbrechen. „Brace Your Heart“ finde dafür eine kraftvolle, zeitgemäße Sprache. In eindringlichen Bildern werde sichtbar, wie eine Gemeinschaft mit Schuldgefühlen und unbequemen Wahrheiten ringt. „Letztendlich hinterlässt der Film Schmerz und Hoffnung: Die Wahrheit wird befreien“, heißt es zum Abschluss der Jurybegründung.

Vier Perspektiven, eine Entscheidung

Gemeinsam mit Anna Patronen, Generalsekretärin der Church Media Foundation in Finnland, Artis Puriņš, Direktor von Lutheran Hour Ministries in Lettland, und Sina von Aesch, freiberufliche Theologin und Krankenhausseelsorgerin, hatte Graffam die 13 Wettbewerbsfilme gesichtet und bewertet.

30 Jahre Kirchlicher Filmpreis in Lübeck

Seit 1996 wird der Kirchliche Filmpreis INTERFILM bei den Nordischen Filmtagen vergeben. In diesem Jahr feiert er sein 30-jähriges Bestehen. Ausgezeichnet werden Filme, denen es mit besonderer künstlerischer Qualität gelingt, menschliche Erfahrungen und Verhaltensweisen darzustellen, die mit dem Evangelium in Einklang stehen oder für spirituelle, soziale und ethische Fragen sensibilisieren.

„Brace Your Heart“ feierte seine Weltpremiere bereits im September 2026 beim Toronto International Film Festival und erhielt dort im Platform-Wettbewerb eine lobende Erwähnung. Bei den Nordischen Filmtagen gab es gleich zwei Auszeichnungen: Neben dem Kirchlichen Filmpreis INTERFILM erhielt die schwedische Produktion auch noch den Publikumspreis, gestiftet von der Gemeinnützigen.