Notfallanhänger für Kulturgüter: Lübeck für den Ernstfall gerüstet
Lübeck. Was passiert, wenn nach einem Rohrbruch Wasser durch ein Kirchenarchiv läuft, ein Sturm ein historisches Gebäude beschädigt oder nach einem Brand wertvolle Dokumente gerettet werden müssen? Dann zählt jede Minute. Bücher, Urkunden und andere Kulturgüter müssen schnell gesichert und erstversorgt werden, um möglichst viel von ihrem historischen Wert zu bewahren. Dafür steht dem Notfallverbund Lübeck jetzt ein speziell ausgestatteter Notfallanhänger zur Verfügung. Finanziert wurde der Notfallanhänger mit 19.800 Euro aus Mitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts (KEK) und 2.200 Euro von der Sparkasse zu Lübeck.
Notfallanhänger unterstützt die Rettung von Kulturgütern
Bei Bränden, Wasserschäden, Unwettern, technischen Defekten und anderen unvorhersehbaren Ereignissen bringt der Anhänger die benötigte Ausrüstung direkt zum Einsatzort. Er kommt den 19 Lübecker Kulturgutverwahrenden Einrichtungen zugute, die sich im Mai 2025 zum Notfallverbund Lübeck zusammengeschlossen haben. Als kirchliche Institutionen sind die Innenstadtkirchengemeinden und der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg (St. Petri und Kirchenkreisarchiv) Mitglieder. Mit der mobilen Ausstattung können sie im Ernstfall schnell auf beschädigtes Kulturgut reagieren.
Gute Vorbereitung braucht die richtige Ausstattung
Dagmar Linden, Leiterin der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein, setzt sich mit großem Engagement für den Schutz von Kulturgütern ein. In der vergangenen Woche war sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Linden mit dem Anhänger unterwegs, um an verschiedenen Orten die umfangreiche Ausstattung zusammenzutragen und zu verstauen. Bei der Übergabe an Dr. Tilmann von Stockhausen, den Leitenden Direktor der Lübecker Museen, betonte Dagmar Linden: “Ein Notfallverbund kann nur gut funktionieren, wenn er auch gute Materialien hat.” Denn neben Fachwissen und engagierten Helfenden braucht es im Krisenfall auch die passenden Hilfsmittel.
Was steckt im Notfallanhänger für die Kulturgutrettung?
Brandschutzbeauftragter Thomas Hiller stellte die umfangreiche Ausstattung vor: Rund 800 Einzelmaterialien sind platzsparend im Anhänger untergebracht. Dazu gehören zwei flexibel aufstellbare Zelte, Arbeitstische, Schutzkleidung, Reinigungsmaterialien und spezielle Notfallboxen für Archivgut. Lüfter helfen beim Trocknen beschädigter Gegenstände. Eine Heizung ermöglicht das Arbeiten auch bei niedrigen Temperaturen, während ein Notstromaggregat Geräte und Beleuchtung versorgt.
"Die Zelte lassen sich je nach Situation unterschiedlich aufbauen und als Arbeits- und Reinigungsstationen nutzen. So können Helfende beschädigte Dokumente und andere Kulturgüter vor Ort sichern und erstversorgen", so Thomas Hiller. Gerade in den engen Gassen und Innenhöfen Lübecks ist die mobile Lösung von Vorteil. Stationiert wird der Anhänger zukünftig zentral in Nähe der Innenstadt, von wo aus er im Notfall zum Einsatzort gebracht werden kann.
Notfallverbund Lübeck: Gemeinsam Kulturerbe bewahren
“Der Notfallverbund Lübeck ist ein Zusammenschluss von kulturtreibenden und bewahrenden Institutionen”, erklärt Jürgen Rösing, stellvertretender Leiter der Bauabteilung im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Dazu gehören Archive, Bibliotheken, Museen, Kirchen und archäologische Einrichtungen. Die Mitglieder bereiten sich gemeinsam auf Krisen vor, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich im Ernstfall mit Personal und Material. Notfallübungen, Fortbildungen und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gefahrenabwehrbehörden gehören ebenfalls dazu.
Kulturgutschutz als Teil gesellschaftlicher Resilienz
Wie wichtig diese Vorsorge für die Gesellschaft ist, unterstrich Dr. Ursula Hartwieg, Leiterin der KEK: “Resilienz bedeutet nicht nur, Stromnetze und Lieferketten zu sichern. Auch das kulturelle Erbe muss vor Katastrophen geschützt werden. Kulturschutz ist nicht nur ein Schön-Wetter-Hobby, sondern ganz relevant, um als integraler Bestandteil der Katastrophenschutz-Vorsorge wahrgenommen werden zu können.”