Lübeck

"Freiheit, die zur Liebe wird": Propst Oliver Erckens zum Reformationstag

Lübeck. Ein Impuls zum Reformationstag von Propst Oliver Erckens:

Engagement, das Freiheit ermöglicht

„In Lübeck sind immer alle so nett“ sagt jemand zu mir, der gerade hierhergezogen ist. Aus tiefster Überzeugung. Beim Marathon oder dem Drachenbootrennen, bei der Kundgebung für Demokratie auf dem Marktplatz oder beim Gottesdienst in der Vorstadt.   

„Stimmt!“ sage ich und weiß, was sie meint. Bei aller Diskussion, bei allen Problemen, die uns beschäftigen, und bei allem Ringen darum, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt, gibt es ein Grundflair, einen Lübecker Vibe, den Touristinnen ebenso spüren wie Alteingesessene. Den Menschen liegt aneinander und ihre Gemeinschaft liegt ihnen am Herzen.

Für mich besteht Lübecks Reichtum ganz wesentlich aus dem hohen bürgerlichen Engagement für die Stadt und ihre Bewohner:innen. In vielen Gesprächen – mit Menschen in unzähligen Stiftungen und Vereinen, in den Kirchengemeinden und bei der Diakonie – lerne ich: Hier wird Verantwortung übernommen. Und damit Freiheit ermöglicht. Freiheit, sich zu entwickeln, zu träumen und zu hoffen.

“Ehrenamt als Rückgrat der kirchlichen Gemeinschaft”

Gleiches gilt für die Kirche. Cornelia Schäfer bringt es auf den Punkt: „Ehrenamtliche sind das Rückgrat der kirchlichen Gemeinschaft“. Sie erhält am Reformationstag im Dom für ihr persönliches Engagement die Bugenhagenmedaille, die höchste Auszeichnung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Cornelia Schäfers Wirken verbindet in sich nicht nur Gelassenheit und Hoffnung, sondern auch Verantwortung und Freiheit. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schreibt Paulus, und er fügt hinzu: „Durch die Liebe diene einer dem andern“ (Gal 5,1.13). Genau das erlebe ich: Freiheit, die zur Liebe wird. Das ist der Kern dessen, was Martin Luther wiederentdeckt hat, und es ist heute so aktuell wie vor 500 Jahren.  

Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten

Darum ist dieser Tag auch ein Tag der Ermutigung. Cornelia Schäfer zeigt, wie viel ein offenes Ohr, eine helfende Hand und ein freundliches Wort bewirken können. Wer sich einsetzt, baut an einer Stadt, in der Hoffnung wächst. Allen, die sich schon lange engagieren, sage ich: Danke. Und alle, die überlegen, selbst einmal mit anzupacken, möchte ich ermutigen: Kommen Sie dazu! Sie werden gebraucht, mit allem, was Sie mitbringen.

Gott segne alle, die sich in unserer Stadt und unserem Kirchenkreis für andere einsetzen. Gott stärke Ihre Kraft, schenke Ihnen Freude an Ihrem Tun und lasse Sie spüren, dass Sie getragen sind, gerade dann, wenn Sie selbst mittragen.  

Einen gesegneten Reformationstag!