Sie leben Kirche: Ansgarkreuze für zwei engagierte Ehrenamtliche
Wentorf. Sie besuchen einsame Menschen, begleiten Seniorinnen und Senioren, gestalten Gottesdienste und halten Kontakte bis nach Tansania lebendig. Seit Jahrzehnten engagieren sich Karin Lembcke und Heidi Meyer in der Kirchengemeinde Wentorf – jede auf ihre ganz eigene Weise. Am Sonntag, 1. November 2026, werden beide Frauen für ihren außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatz mit dem Ansgarkreuz ausgezeichnet. Die Verleihung übernimmt Propst Philip Graffam in einem Gottesdienst ab 14 Uhr.
Verleihung mit Propst Graffam
„Was Karin Lembcke und Heidi Meyer auszeichnet, lässt sich nicht allein an den vielen Jahren ihres Engagements festmachen“, sagt Pastorin Ulrike Lenz. „Beide haben ein Gespür dafür, wo Menschen gebraucht werden. Sie übernehmen Verantwortung, schenken ihre Zeit und tragen dazu bei, dass Gemeinde weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus lebendig bleibt.“
Karin Lembcke: Ein offenes Ohr und Zeit für andere
„Es gibt kein besseres Wort als DU.“ Dieser Satz beschreibt für Karin Lembcke eine Haltung, die ihr Leben seit Jahrzehnten prägt. Seit mehr als 40 Jahren ist sie in der Wentorfer Kirchengemeinde aktiv. Angefangen hat alles mit der Kindergottesdienstarbeit. Als ausgebildete Grundschullehrerin beschäftigte sie sich intensiv damit, biblische Geschichten für Kinder verständlich und erlebbar zu machen. Später engagierte sie sich im „Projekt Gottesdienst Leben“, bereitete Bibeltexte auf und wirkte an der Gestaltung von Gottesdiensten mit.
Besonders am Herzen liegt ihr bis heute die Begleitung älterer, kranker und einsamer Menschen. Als ehemalige Krankenschwester und Mitarbeiterin des Wentorfer Hilfsdienstes bringt sie dafür auch berufliche Erfahrungen mit. Mehrmals in der Woche besucht sie Menschen zu Hause oder im Pflegeheim, begleitet sie bei Spaziergängen, am Krankenbett und mitunter bis an ihr Lebensende.
„Ich will mich zu denen setzen, die kleckern und traurig sind“, beschreibt Karin Lembcke selbst ihre Motivation. Sie besucht Menschen, die sonst kaum Kontakte haben, begleitet sie zu Trauerfeiern oder nimmt sich einfach Zeit für ein Gespräch. Während der Corona-Pandemie schrieb sie Briefe an Seniorinnen und Senioren und organisierte gemeinsam mit dem Seniorenteam deren Verteilung.
„Karin Lembcke macht etwas, das in unserer Gesellschaft keineswegs selbstverständlich ist: Sie schenkt Menschen Zeit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten“, sagt Pastorin Ulrike Lenz. „Sie hört zu, hält auch schwierige Situationen aus und bleibt an der Seite der Menschen. Gerade für diejenigen, die wenig Besuch bekommen, ist das von unschätzbarem Wert.“
Neben ihrem seelsorgerlichen Engagement übernimmt Karin Lembcke Verantwortung im Seniorenteam, im Küsterdienst und beim Lebendigen Adventskalender. Ihr eigener Glaube sei über die Jahrzehnte immer tiefer geworden, sagt sie. Und auch nach mehr als vier Jahrzehnten betrachtet sie ihre Aufgaben nicht als Verpflichtung: „Ich muss das alles nicht tun. Aber es macht mich froh.“
Heidi Meyer: Von Wentorf bis nach Tansania
Auch Heidi Meyer gehört seit Jahrzehnten zu den Menschen, auf die sich die Kirchengemeinde Wentorf verlassen kann. Bereits in den 1980er-Jahren engagierte sie sich in der Kinderkirche. Später arbeitete sie am Eine-Welt-Stand mit, an dem sonntags fair gehandelte Produkte verkauft wurden, und wurde Mitglied des Partnerschaftskreises Tansania.
Ihre Verbundenheit mit der Gemeinde überstand sogar einen zwischenzeitlichen Kirchenaustritt in den 1990er-Jahren. Ehrenamtlich blieb sie weiterhin aktiv. Als die Gemeinde Anfang der 2010er-Jahre zeitweise ohne Pastor war, übernahm sie eigenständig Andachten bei den Seniorennachmittagen. 2014 trat sie wieder in die Kirche ein.
Besonders eng ist Heidi Meyer mit der Partnerschaftsarbeit in Tansania verbunden. Dreimal reiste sie zu den dortigen Partnergemeinden, zuletzt 2015. Sie dokumentierte Gespräche, unterstützte die Organisation und kümmerte sich um ihre Mitreisenden. Auch bei Gegenbesuchen in Wentorf nahm sie Gäste aus Tansania bei sich auf.
„Heidi Meyer ist jemand, der nicht lange fragt, ob eine Aufgabe in ihre Zuständigkeit fällt“, sagt Pastor Mirko Klein. „Wenn Unterstützung gebraucht wird, ist sie da. Dabei bringt sie nicht nur ihre Erfahrung und ihre Verlässlichkeit ein, sondern auch eine große Offenheit gegenüber anderen Menschen und Lebensweisen.“
Bis heute ist Heidi Meyer in der Tansaniagruppe und in der Seniorenarbeit aktiv. Während der Corona-Pandemie gehörte sie zu den Menschen, die gemeinsame Spaziergänge für ältere Gemeindemitglieder ermöglichten. Aus dem damaligen Angebot ist inzwischen eine feste Einrichtung geworden: Zweimal im Monat organisiert sie eigenverantwortlich Spaziergänge in gemütlichem Tempo. Nur bei besonders schlechtem Wetter fällt der gemeinsame Weg aus – dann trifft sich die Gruppe stattdessen zum Tee im Gemeindehaus.
Seit 2024 gehört Heidi Meyer außerdem zum Lektorenteam und übernimmt biblische Lesungen in Gottesdiensten. Ihre persönliche Begeisterung für das Pilgern hat sie ebenfalls in die Gemeindearbeit eingebracht und bei einem Seniorennachmittag von ihren Erfahrungen berichtet.
„An Heidi Meyer beeindruckt mich, dass sie sich immer wieder auf Neues einlässt“, sagt Mirko Klein. „Ob bei Begegnungen in Tansania, beim Pilgern oder hier in Wentorf: Sie sucht die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Und sie zeigt, dass ehrenamtliches Engagement keine Frage des Alters ist.“
Zwei Lebenswege, eine gemeinsame Haltung
So unterschiedlich die Lebenswege und Aufgaben von Karin Lembcke und Heidi Meyer auch sind, eines verbindet beide Frauen: Sie verstehen ihren Glauben nicht allein als persönliche Überzeugung, sondern als etwas, das im Umgang mit anderen Menschen sichtbar wird.
„Eine Kirchengemeinde lebt von Menschen, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen“, sagt Pastorin Ulrike Lenz. „Karin Lembcke und Heidi Meyer tun das seit Jahrzehnten, oft ganz selbstverständlich und ohne viel Aufhebens darum zu machen. Mit dem Ansgarkreuz möchten wir sichtbar machen, wie wertvoll dieses Engagement ist.“
Das Ansgarkreuz ist eine Auszeichnung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland für besonderes ehrenamtliches Engagement.