Vom Kirchenbau zum Filmpreis: Wie Ziegel zu Auszeichnungen werden
Lübeck. Backsteine, gelasert mit dem Logo der 68. Nordischen Filmtage, darunter eingelassen, eine glänzende Plakette aus Messing mit individueller Gravur. "NDR-Filmpreis", heißt es da, oder "Kirchlicher Filmpreis Interfilm". Insgesamt 14 solcher Preistrophäen liegen schon bereit in einem Wintergarten in Lübeck - und warten auf ihren großen Einsatz am 7. November 2026. Denn dann wird im Großen Haus des Lübecker Theaters verkündet, welche Filme des Filmfestivals die verschiedenen Jurys am preisverdächtigsten finden. Für Wolfram Bohl von der Lübecker Werbeagentur Grafix ist dann der große Berg an Arbeit für die Nordischen Filmfestspiele für dieses Jahr erst einmal wieder geschafft. Der Katalog, das Journal, das Merchandise - ja, und eben auch: die Preissteine. "Ich habe mich jetzt echt viel mit verschiedenen Steinen beschäftigt", sagt der Kreative.
Gesucht: Nachhaltiger, besonderer Filmpreis
Tatsächlich werden schon seit fünf Jahren Backsteine als Preise auf den Nordischen Filmtagen vergeben. "Der damalige künstlerische Leiter Thomas Hailer wollte etwas Nachhaltiges, Besonderes", erzählt Bohl. „Es musste eine Idee her - und so fiel unsere Wahl auf etwas, das untrennbar mit Lübeck verbunden ist: dem Backstein.“Mit den Steine können wir auch ein Stück altes, historisches Lübeck in die Welt weitergeben.“ Gibt's ja reichlich in der Hansestadt. Oder?
Alte Steine, neue Bedeutung
Tatsächlich war es für die Werbeagentur, die schon seit mehr als 20 Jahren für das Filmfestival tätig ist, in den vergangenen Jahren gar nicht so einfach, das richtige Material zu finden. Gerade weil es sich um alte, zumeist unebene Steine handelt - die aber in Größe und Form nachher trotzdem möglichst ähnlich anmuten sollen. Auch zu groß dürfen sie nicht sein - denn die Klostersteine der Vergangenheit waren nicht besonders handlich bei einer solchen Preisübergabe. Dazu kommt: die Stückzahl. "Wenn man bei entsprechenden Herstellern nur 14 bis 16 Steine anfragt, sagen die: Was wollt ihr von uns?", sagt Bohl. “Die produzieren in ganz anderen Dimensionen.”
Die Preissteine: eng verbunden mit St. Jakobi
Über einen Tipp seiner Frau, einer Architektin, kam der Kreative schließlich auf diejenigen, die ziemlich steinreich sind: die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises. Hüttenmeister Sven Kalkhorst-Fechner war erst einmal ziemlich überrascht: "So eine Anfrage hatten wir noch nie." Nach ein bisschen Mailverkehr lud er Wolfram Bohl dann ein, einmal vorbeizukommen, um sich das Ziegelsortiment vor Ort anzusehen. Und dann fiel die Wahl ziemlich schnell auf einen besonderen Stein: 11 Zentimeter breit, 23,5 Zentimeter lang, 4,5 Zentimeter stark. "Eine Sonderanfertigung, kein genormter Stein", sagt Kalkhorst-Fechner. "Solche Ziegel wurden oben im Turm von St. Jakobi eingesetzt, als im Jahr 2007 eine Sanierung anstand." Denn die ursprünglichen Mauersteine waren laut Recherche der Kirchenbauhütte schon bei einer vorangegangenen Sanierung 1636 verbraucht worden.
Besondere Verbindung zu den Kirchen und der Kirchenbauhütte
Zum Glück sind noch nicht alle Steine mit "neuerer" Geschichte verbaut. So gehen ein paar von ihnen bald in die Haushalte nordeuropäischer Filmschaffender - und bekommen hoffentlich einen Ehrenplatz. "Ich persönlich finde, das ist eine klasse Idee", sagt der Hüttenmeister. "Die Steine mit der eingelassenen Messingtafel, die extra von einem Lübecker Steinmetz Naturstein Wolf bearbeitet worden sind, sehen jetzt nicht nur toll aus - so ist auch immer eine Verbindung zu unseren Kirchen und der Kirchenbauhütte da." Und vielleicht sind ja auch für die Ausgezeichneten im kommenden Jahr noch ein paar ausgezeichnete Steine da.
Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck finden vom 4. bis 8. November 2026 statt und widmen sich dem aktuellen Filmschaffen aus dem Norden und Nordosten Europas. Das Festival wird mit dem lettischen Spielfilm „Ulya“ unter der Regie von Viesturs Kairišs eröffnet. Insgesamt werden elf verschiedene Filmpreise vergeben, die mit einer Gesamtsumme von 70.000 Euro dotiert sind. Darunter ist auch der mit 5.000 Euro dotierte Kirchliche Filmpreis INTERFILM, der vom Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg gestiftet wird.