Vor dem fünften Kriegswinter: Spendenaktion für Kinder in Cherson
Lübeck/Cherson. Der fünfte Kriegswinter steht den Menschen in der Ukraine bevor. Besonders schwer ist die Situation für Kinder, die in der Frontstadt Cherson aufwachsen. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg unterstützt dort seit Jahren Hilfsprojekte. Jetzt bittet Ökumene-Pastor Kai Feller um Spenden für die Betreuung chronisch kranker Kinder in einem Kinderkrankenhaus.
Unterstützung für Kinder in der Ukraine
Für viele Kinder in Cherson gehören Drohnenangriffe, Explosionen und die ständige Angst längst zum Alltag. Manche reagieren bereits auf das Surren eines Geräuschs oder einen Vogel am Himmel mit Panik. Andere erstarren vor Angst. Ökumene-Pastor Kai Feller des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg kennt die Situation vor Ort. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 war er fünfmal in der Ukraine, zuletzt im Sommer 2025. Besonders die psychischen Folgen des Krieges für die Kinder bereiten ihm Sorgen. Allein im Rehabilitationszentrum des Kinderkrankenhauses wurden seit 2025 insgesamt 274 Kinder betreut. Viele von ihnen sind traumatisiert.
Das Kinderkrankenhaus in der südukrainischen Stadt behandelt jährlich rund 16.000 Kinder stationär. „Unter ihnen sind auch chronisch kranke Kinder, die das Krankenhaus über längere Zeit nicht verlassen können“, berichtet Kai Feller. Anders als andere Kinder können sie die Bunkerschule am Kinderzentrum nicht besuchen. Für sie gibt es seit Januar 2026 ein eigenes pädagogisches Angebot, das der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Fellas for Europe e. V. aus Spenden finanziert.
In kleinen Gruppen werden die Kinder während ihres Krankenhausaufenthalts pädagogisch begleitet. Das Angebot soll ihnen Abwechslung, Zuwendung und ein Stück Normalität ermöglichen. „Wir wollen diesen Kindern etwas geben, das im Krieg besonders kostbar geworden ist: einen Alltag, in dem nicht ständig die Angst im Mittelpunkt steht“, sagt Ökumene-Pastor Kai Feller. „Und wir wollen ihnen Hoffnung für die Zeit nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus geben.“
Monatlich werden 1.850 Euro benötigt
Die laufende Betreuung kostet monatlich 1.850 Euro. Damit das Angebot fortgesetzt werden kann, sind Spenden dringend erforderlich. Koordiniert wird das Projekt vor Ort vom Kherson Volunteers’ Club unter der Leitung von Volodymyr Sagaydak. Mit ihm arbeitet der Kirchenkreis bereits seit drei Jahren zusammen. Gemeinsam wurden unter anderem der Bau und die Abdichtung der Bunkerschule gegen eindringendes Regenwasser unterstützt.
Für Kai Feller ist diese langjährige Zusammenarbeit entscheidend. Er kennt die Menschen, die Hilfsprojekte und die schwierigen Bedingungen vor Ort. „Die Menschen sind zuversichtlich und stark, aber sie wissen, dass sie ohne starke Partner im Ausland keine Überlebenschance haben“, sagt Feller. Umso wichtiger seien verlässliche Beziehungen und eine Solidarität, die auch nach Jahren des Krieges nicht nachlasse.
„Gewöhnung, Gleichgültigkeit und Vergessen“
Mit Sorge blickt der Ökumene-Pastor auf die kommenden Monate. Der fünfte Kriegswinter steht bevor. Die anhaltenden russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur und die Bevölkerung verschärfen die ohnehin schwierige Lage. Feller beobachtet zugleich, dass der Krieg in Deutschland zunehmend aus dem Bewusstsein verschwindet. Dabei nimmt er sich selbst ausdrücklich nicht aus: „Gewöhnung, Gleichgültigkeit und Vergessen – ich spüre von allem etwas in mir und um mich herum.“ Gerade deshalb sei es wichtig, den Kontakt zu den Menschen in der Ukraine nicht abreißen zu lassen. „Für die Betroffenen der russischen Aggression gegen die Ukraine ist es existenziell, dass wir sie nicht vergessen.“
Neben der Unterstützung des Kinderkrankenhauses plant der Kirchenkreis Ökumene-Pastor deshalb einen weiteren Hilfstransport mit Gütern für den Winter. Es gehe darum, ganz konkret zu helfen, wo Unterstützung gebraucht werde. „In dieser Situation steht der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg nicht nur mit warmen Worten an der Seite seiner Partner in Cherson“, betont Feller.
Solidarität, von der beide Seiten lernen können
Die Zusammenarbeit mit den Menschen in Cherson ist für Feller allerdings keine Einbahnstraße. Die Erfahrungen der ukrainischen Partner könnten auch in Deutschland von Bedeutung sein, etwa bei der Vorbereitung auf Krisensituationen. „Wenn hierzulande Kirchen, Rotes Kreuz und THW gemeinsam mit Kommunen dazu beitragen wollen, dass unsere Gesellschaft resilient und krisenfest wird, dann können wir auf die Erfahrungen und die Expertise unserer Partner in Cherson zurückgreifen“, betont Kai Feller. Die Menschen dort hätten unter schwierigsten Bedingungen gelernt, Hilfe zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen und füreinander da zu sein. Für den Ökumene-Pastor ist deshalb klar: „Frieden und Freiheit werden wir in Europa nur gemeinsam verteidigen können.“
Zunächst aber geht es um die Kinder im Krankenhaus von Cherson. Um Stunden, in denen sie spielen, lernen und für einen Moment Abstand vom Krieg gewinnen können. Und darum, dass dieses Angebot auch in den kommenden Monaten bestehen bleibt.
Spenden für das Kinderkrankenhaus in Cherson
Wer die pädagogische Betreuung der chronisch kranken Kinder unterstützen möchte, kann an den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg spenden.
Empfänger: Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg
IBAN: DE52 2305 2750 0086 0400 11
Verwendungszweck: Ökumene-Pastor Cherson