Propstei Lauenburg

“Flow my Tears”: Dowlands Wehmut in Aumühle

 

Aumühle. Zum 400. Todesjahr John Dowlands musizieren am 21. Februar 2026 ab 17 Uhr die Hamburger Ratsmusik (Leitung Simone Eckert) und die Capella Vocalis (Leitung von Andrea Wiese) in der Aumühler Kirche Werke von John Dowland.

Der vom englischen Hof verstossene Katholik

John Dowland (1563-1626), ein Zeitgenosse Shakespeares, galt als Wunderkind, lernte das Lautenspiel, zu komponieren und hatte eine schöne Stimme. Mit 17 ging er in den Dienst beim englischen Botschafter am Hof des französischen Königs Heinrich IV. in Paris - und liess sich römisch-katholisch taufen. Die Protestantische Elisabeth wollte den Katholiken nicht, Dowland verreiste verstimmt, unter anderem nach Nürnberg, Kassel und Braunschweig zu gefeierten Gastauftritten. Am Hofe Christian IV. von Dänemark klappte es dann endlich auch beruflich, mit 35.

Nicht etwa von Kopenhagen aus, publizierte er sein „The First Booke of Songes or Ayres of Foure Partes with Tableture for the Lute“, nein, er wählte - London. Ein voller Erfolg. Es folgten Sammlungen mit Sololiedern für Laute und Stimme, auch mit zusätzlichen Stimmen für Vokalensembles; etwa 100 Stücke Lautenmusik; eine Sammlung von Pavanen, Tanzliedern sowie „Pilgrimes Solace“, eine Sammlung aller seiner nach 1600 komponierten Lieder. 

“Flow my tears”: Melancholischer Geist der Renaissance

„Flow, my tears“ aus Dowland’s „First Booke of Songes or Ayres…“ ist eines seiner bekanntesten Werke, „inspirierend“ bis in moderne Zeiten. Seine Kompositionen, viele davon vom melancholischen Zeitgeist der Spät-Renaissance geprägt, tauchen in zahlreichen Handschriften des 17. Jahrhunderts auf, Musikerkollegen zitieren ihn immer wieder auch in ihren eigenen Werken. „Singer-Songwriter, würde zu ihm passen, der die Gattung des Lautenlieds („Vocal/Guitar“) maßgeblich prägte. Vor 52 Jahren schaffte „Flow my Tears“ es sogar in die US-amerikanische Science-Fiction-Literatur. Philip K. Dick beschreibt in seinem Roman „Flow My Tears, the Policeman Said“, eine dystopische Welt, in der Dowland’s tränenreiche Melancholie durch Drogen noch einen etwas anderen Twist bekommt. 2006 bearbeiteten Sting (Vocals) und der Lautinist Edin Karamazov „Flow My Tears“ auf ihrem Album „Songs from the Labyrinth“.

Späte Versöhnung mit London

Eine Anstellung bei Hofe in London bekam der hoch-gefeierte Lautinist und Liederkomponist der Spät-Renaissance übrigens erst unter Elisabeth’s Nachfolger, James I., um 1612.  Zum 400. Todesjahr John Dowland’s nun also „Flow My Tears“ von der Hamburger Ratsmusik unter Leitung von Simone Eckert und der Capella Vocalis unter der Leitung von Andrea Wiese in der Aumühler Kirche. „Flow my tears, fall from your springs. Exil’d for ever, let me mourn…“ Eine Gelegenheit,  jedes „Positive Thinking“ einmal zu vergessen und das Ratsmusik-vertonte Glück zu erleben, einmal wehmütig zu sein, sehnsüchtig, melancholisch. Ein Taschentuch dabei zu haben, kann nie schaden.