Orgeln im Dom zu Lübeck

Mit der zweiten Stadtgründung 1159 wurde Lübeck Bischofssitz. 1163 entstand eine hölzerne Kirche, die 1173/74 durch ein romanisches Bauwerk aus Backsteinen ersetzt und im 14. Jahrhundert um einen gotischen Ostchor erweitert wurde.

Schon im 13. Jahrhundert gab es im Dom eine Orgel. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die erste große Orgel an der Westwand des Langschiffes in Form eines gotischen Blockwerks. Diese wurde 1596 abgerissen und 10 Jahre später durch ein neues Instrument mit Oberwerk, Rückpositiv und Pedalwerk ersetzt. 1696 erhielt der berühmte Hamburger Orgelbauer Arp Schnitger den Auftrag für den Bau einer dreimanualigen Orgel. Die Arbeiten wurden im Wesentlichen von seinem Gesellen Hans Hantelmann durchgeführt. Die Orgel erhielt 45 Register, von dem der Holzprinzipal 8’ heute noch in einer Hausorgel erhalten ist.

1893 trug die Gemeinde dem Zeitgeschmack Rechnung und gab ein großes romantisches Werk in Auftrag. Die Firma Walcker & Cie. aus Ludwigsburg setzte das neue Orgelwerk hinter den alten, barocken Prospekt. Von der Schnitger-Orgel blieb lediglich der Spieltisch, der im St. Annen-Museum eine Bleibe gefunden hat, erhalten. Die Dom-Orgel wurde mitsamt der Empore 1942 bei dem Bombenagriff auf Lübeck zerstört.

Marcussen-Orgel

Beim Wiederaufbau des Domes bestellte die Gemeinde auf Empfehlung von Prof. Uwe Röhl eine dreimanualige Orgel bei der dänischen Firma Marcussen und Sohn.

Der Hamburger Architekt Friedhelm Grundmann entwarf für den neu gestalteten Innenraum einen schlichten, symmetrischen Prospekt mit klassischer Werkanordnung. Das Instrument wurde 1970 eingeweiht.

Für die jüngere Lübecker Orgelbaugeschichte war die Vergabe des Auftrags an eine auswärtige Firma ein bedeutender Schritt, für die große Lübecker Orgelbauwerkstatt E. Kemper, die über Jahrzehnte einen Großteil der Lübecker Orgeln gebaut bzw. betreut hatte, dagegen ein folgenreiches Ereignis.

Daten:

1970, Marcussen & Søn (Apenrade, Dänemark)
49 Register, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, elektronische Setzeranlage; Schleifladen, Normalkoppeln, Jalousieschweller (OW)

Italienische Barockorgel

Im Februar 2000 wurde die Orgelstadt Lübeck um ein außergewöhnliches Instrument reicher.

Die neapolitanische Barock-Orgel von Biaggio di Rosa aus dem Jahre 1777 wurde durch eine Initiative der Musikhochschule nach Lübeck gebracht und steht seit November 2000 im Dom zu Lübeck.

Sie befindet sich im Besitz der Musikhochschule Lübeck.
Durch glückliche Umstände konnte das Instrument aus Privatbesitz erworben werden, nachdem es mehrere Jahre in einem Lager stand.
Ursprünglich dürfte die Orgel wohl für eine Kirche in Süditalien gebaut worden sein.

Ihr Weg lässt sich nicht mehr bis dorthin zurückverfolgen.
Experten betrachten es als außerordentliches Glück, dass die Orgel zwei Jahrhunderte ohne substanzielle Eingriffe überstanden hat und nun nach Norddeutschland gebracht werden konnte.

Der italienische Orgelbauer Barthélémy Formentelli in Verona setzte das 3,5 Meter hohe und reich bemalte Gehäuse, die Balganlage und die Windlade instand. Durch den renommierten Orgelbauer Jürgen Ahrend, Leer/Ostfriesland, erfolgte dann die Restaurierung der Mechanik und Pfeifen sowie die Anbringung eines Gebläsemotors.

Disposition der Marcussen-Orgel

Hauptwerk Oberwerk Rückpositiv Pedal
Prinzipal 16’ Gedackt 16’Prinzipal 8’Prinzipal 16’
Oktave 8’Rohrflöte 8’Gedackt 8’Subbaß 16’
Spitzflöte 8’Spitzgambe 8’Quintatön 8’Quinte 10 2/3’
Oktave 4’Schwebung 8’Oktave 4’Oktave 8’
Nachthorn 4’Prinzipal 4’Rohrflöte 4’Gedackt 8’
Spitzquinte 2 2/3’Querflöte 4’Oktave 2’Oktave 4’
Oktave 2’Quinte 2 2/3’Waldflöte 2’Nachthorn 2’
Mixtur 6-7f.Gemshorn 2’Sifflöte 1 1/3’Mixtur 6 f.
Zimbel 4 f.Terz 1 3/5’Sesquialtera 2 f.Posaune 16’
Trompete 8’Mixtur 5 f.Scharff 5-6 f.Fagott 16’
Glockenzimbel 2 f.Dulzian 16’Trompete 8’
Trompete 8’Krummhorn 8’ Zink 4’
Vox humana 8’Tremulant
TremulantTremulant
Nachtigall

Disposition der Italienischen Barock-Orgel

Principale 8’
Ottava 4’
Quintadecima 2’
Decimanona 1 1/3’
Vigesimaseconda 1’
Vigesimasesta 2/3’
Vigesimanona 1/2’
Flauto in Duodecima 2 2/3’
Voce Umana Soprani
Flauto in Ottava 4’
Usignolo, Tromba, Tiratutti