Einführung der Bischöfin Kirsten Fehrs im Lübecker Dom, 26.11.2011
Mit einem feierlichen Gottesdienst wird am kommenden Sonnabend, dem 26. November Uhr Kirsten Fehrs als neue Bischöfin für den Sprengel Hamburg und Lübeck in ihr neues Amt eingeführt. Beginn ist um 15 Uhr im Dom zu Lübeck. Hier lesen Sie Grüße von Bischöfin Kirsten Fehrs:
Kirsten Fehrs (50) wird am Sonnabend (26. November) um 15 Uhr iim Lübecker Dom in ihr neues Amt als evangelische Bischöfin für Hamburg und Lübeck eingeführt. Ihr Amt hat sie bereits am 15. November angetreten. Fehrs ist Nachfolgerin von Maria Jepsen (66), die im Zuge der Missbrauchsaffäre in Ahrensburg im Juli 2010 zurückgetreten war. Als ständiger Bischofsvertreter hat der Harburger Propst Jürgen F. Bollmann die Amtsgeschäfte geführt. Er wird im Gottesdienst verabschiedet, bleibt aber als Stellvertreter weiter im Amt.
Fehrs war am 17. Juni im Hamburger Michel zur Bischöfin gewählt worden. Nur knapp hatte sie sich nach vier Wahlgängen gegen die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr durchgesetzt. Auf repräsentative Auftritte hat sie bislang verzichtet und als Bischöfin auch keine Gottesdienste gefeiert.
Kirchenpolitische Akzente will sie auf ihrem Bischofsempfang am 8. Dezember in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi setzen.
Eingeführt wird Fehrs vom Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich. Er macht dies aber nicht als nordelbischer Amtsbruder, sondern in seiner Eigenschaft als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Es singt ein Chor aus nordelbischen Kirchenmusikern.
Erwartet wird norddeutsche Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kirche.
Sprechen werden unter anderem Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD), Schleswig-Holsteins Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP), der katholische Hamburger Erzbischof Werner Thissen und der evangelische Dresdner Bischof Jochen Bohl.
Zuständig ist Fehrs für den Sprengel Hamburg und Lübeck mit rund 900.000 Kirchenmitgliedern in 226 Gemeinden. Der Bischofsbezirk umfasst die beiden Hansestädte Hamburg und Lübeck, das Hamburger Umland und den Kreis Herzogtum Lauenburg. Darüber hinaus wird Fehrs auch überregionale Aufgaben der Nordelbischen Kirche übernehmen. Gemeinsam mit ihren Amtsbrüdern Bischof Gerhard Ulrich (Vorsitzender der Nordelbischen Kirchenleitung) und dem Bischofsbevollmächtigten Gothart Magaard (Schleswig) bildet sie das nordelbische Bischofskollegium.
Mit Gründung der Nordkirche kommen der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit und der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn hinzu. Die Wahl eines Landesbischofs als Repräsentant der Nordkirche ist für 2012 geplant.
Bundesweit ist Fehrs die sechste evangelische Bischöfin. Mit ihr sind noch die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann und die methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner im Amt.
Fehrs ist gebürtige Dithmarscherin aus Wesselburen und hat in Hamburg Theologie studiert. Sie war Vikarin in der Ostseegemeinde Waabs und Gemeindepastorin in Hohenwestedt (bei Neumünster). Danach leitete sie das Evangelische Bildungswerk im Kirchenkreis Rendsburg und begleitete als
Personal- und Gemeindeentwicklerin den nordelbischen Reformprozess. 2006 wurde sie zur Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Ost und zur Hauptpastorin an der City-Kirche St. Jacobi (Steinstraße) gewählt.
Hier lesen Sie Grüße von Bischöfin Kirsten Fehrs:
Liebe Gemeinden im Sprengel Hamburg und Lübeck! Liebe Leserinnen und Leser!
Macht hoch die Tür – ein neues Kirchenjahr beginnt und mit ihm auch meine Amtszeit als Ihre Bischöfin. Ich freue mich sehr darauf und nutze gern die Gelegenheit, auf diesem Weg mit Ihnen Kontakt aufzunehmen und Sie ganz herzlich zu grüßen. Denn die Verbindung zu „meinen“ Gemeinden ist mir wichtig; mir liegt daran zu erfahren, was Sie beschäftigt, was Sie bedrückt, was Sie freut, worüber Sie theologisch nachdenken und was Sie in Ihrem Glauben bewegt. Und so hoffe ich, dass wir einander kennen lernen: bei Jubiläen und Gottesdiensten, in den Kommunen, Vereinen, Verbänden und kulturellen Institutionen, mit Kirchennahen aber auch denen, die ihre Anfragen an uns haben, bei der Entwicklung neuer Ideen und Projekte, kurz: beim Gestalten unserer Kirche in ihrer Vielfältigkeit. Denn evangelisch sind wir nur gemeinsam!
Bei allem Tun und auch Lassen trägt mich in diesen Adventstagen die Weihnachtsgeschichte. Zur überwältigenden Sehnsucht der Weihnachtsbotschaft, die uns alle Jahre wieder in ihren Bann zieht, gehört die Verheißung des Friedens für die ganze Welt. Dieses tiefe, unerfüllte Sehnen nach dem „Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ hält die Sinne wach. Es lässt mich ungeduldig mit einem anderen schönen Adventslied drängen: „O Heiland, reiß die Himmel auf! Reiß ab, herab, herab vom Himmel lauf!“ Er soll sich beeilen, der Heiland. Es kann nicht bleiben, wie es ist, Gott im Himmel! Der Dichter des Liedes, Friedrich Spee von Langenfeld, gibt sich als Sehnsüchtiger zu erkennen, dem etwas fehlt, und nicht als Sicherer, der alles hat. Und so ist dieses Lied ungemein tröstend in seiner Ungeduld, die noch etwas erwartet. „O Sonn, geh auf, ohn´ deinen Schein in Finsternis wir alle sein“. Denn die Sonne des Lebens wirft ein Licht auf die, die im Schatten sind und des Jammers voll. Sie alle sind gehalten in den kleinen Händen des Krippenkindes, das Friedefürst heißt und Wunderrat, aber auch „Flüchtling“ und „Vom-Tode-Bedrohter“. In ihm wird die Sehnsucht nach Frieden wahr. Gerade jetzt lässt es sich erahnen. Grund genug, sich getrost nach ihm auszustrecken und unbeirrbar neue Anfänge im Leben zu erwarten!
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit, innerlich erfüllt mit eben jener Sehnsucht, die uns Christinnen und Christen zur Liebe antreibt.
Herzlich
Ihre Bischöfin Kirsten Fehrs